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Frauen-EM 2013: Silvia Neid wird nach 0:0 "nicht alles schlecht reden"

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Frauen-EM 2013: Silvia Neid wird nach 0:0 "nicht alles schlecht reden"

12.07.2013, 10:41 Uhr | dpa

Frauen-EM 2013: Silvia Neid wird nach 0:0 "nicht alles schlecht reden". Lena Goeßling muss sich nach der Nullnummer erst mal setzen.

Lena Goeßling muss sich nach der Nullnummer erst mal setzen. (Quelle: dpa)

Vaxjö (dpa) - Enttäuscht, aber nicht entnervt: Die deutschen Fußballerinnen werten die Nullnummer zum Auftakt der Frauen-EM 2013 gegen die Niederlande nicht als trostlos.

"Wir dürfen jetzt nicht alles schlecht reden. Es war nicht alles schlecht. Es waren auch gute Sachen dabei", bilanzierte Bundestrainerin Silvia Neid nach dem unerwarteten Unentschieden in Växjö und hatte Mühe, ihren Frust zu verbergen.

Kopf hoch und nach eingehender Analyse positiv nach vorn schauen - so lautet das Motto des Titelverteidigers, der wie die übrigen drei Teams in der Gruppe B nach dem 1. Spieltag nur einen Punkt auf dem Konto hat. Denn auch Norwegen war zuvor in Kalmar gegen Deutschlands nächsten Gegner Island nicht über ein 1:1 hinausgekommen. "Es ist ja nichts passiert. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken", meinte Neid, die eine "perfekte Analyse" des Duells mit den "starken Holländerinnen" ankündigte.

"Es ist noch alles möglich", beruhigte Malmös Stürmerin Anja Mittag nach dem vermasselten Turnierstart in ihrer schwedischen Wahlheimat. Auch für Torhüterin Nadine Angerer, die die gehemmt und unsicher auftretende Elf mit einigen Glanzparaden vor der ersten EM-Pleite seit 20 Jahren bewahrte, ist das 0:0 keine Katastrophe. "Wir sind mit dem Punkt erstmal zufrieden. Alles ist offen", sagte die 34-jährige Spielführerin. Angerers Großtaten gegen Duisburgs Angreiferin Lieke Martens (17.), deren Distanzschuss sie aus dem Winkel fischte, sowie gegen van de Ven (22.) und Manon Melis (62.) verhinderten Schlimmeres. Gleichwohl blieb die Keeperin bescheiden: "Ich hatte einige gute Aktionen, aber das ist ja auch mein Job."

Zu hektisch, zu nervös, zu unkonzentriert, zu schwach in der Balleroberung, dem Spielaufbau und dem Chancenkreieren - die Mängelliste war ungewöhnlich lang beim Dominator der zurückliegenden fünf EM-Turniere. Vor allem das tolle 4:2 über Weltmeister Japan im letzten Test hatte hohe Erwartungen und große Hoffnungen geschürt. Nun stellte Angerer nüchtern fest: "Wir waren zu ängstlich."

Dennoch: Auch 1989 und 1997 startete Deutschland jeweils mit einem Remis ins Turnier, tat sich beim 1:0 gegen Norwegen 2005 anfangs schwer - und triumphierte am Ende. "Wir müssen uns jetzt auf Island konzentrieren und es da besser machen", forderte Angerer.

Neid haderte mit zwei Situationen, in denen die italienische Schiedsrichterin Silvia Spinelli den Deutschern Elfmeter verwehrte. Zu Unrecht, wie auch die TV-Bilder belegten: Die anfangs sehr quirlige Lena Lotzen war im "Oranje"-Strafraum gefoult worden, noch eindeutiger regelwidrig war ein Handspiel von Anouk Hoogendijk, als diese mit zur Seite ausgestrecktem Arm einen Torschuss abblockte.

Als schlechte "Verlierer" traten die deutschen Spielerinnen aber nicht auf, gaben sich im Gegenteil selbstkritisch, was für den Charakter der jungen Auswahl spricht. "Wir waren nervös, sind nicht in Tritt gekommen", gab Lena Goeßling zu, die gemeinsam mit Nadine Keßler als "Doppelsechs" schon bessere Spiele abgeliefert hatte. "Lena und Nadine können es besser als sie heute gezeigt haben", gestand Neid. "Wir waren im Zentrum zu löchrig, hatten zu wenig Ballgewinne und haben oft zu ungenau in die Spitze gespielt." Celia Okoyino da Mbabi befand: "Wir haben das Selbstvertrauen, das wir uns in den drei Testspielen erarbeitet haben, nicht auf den Platz gebracht."

Bei aller Kritik besteht kein Grund zur Panik. Allerdings muss der hoch gehandelte Titelverteidiger den Schalter nun schnell umlegen. Um zu punkten und um Zweifel an der spielerischen Klasse und der Druckresistenz gar nicht erst aufkommen zu lassen. Neid hätte nicht nur in Simone Laudehr, die am Freitag zum 27. Geburtstag ein Ständchen bekam ("Ich habe mir einen Schokokuchen gewünscht"), eine Alternative, will aber nicht noch mehr Unruhe schüren. "Ich werde nicht alles ummodeln, sondern vertraue meinen Spielerinnen. Sie haben ja schon gezeigt, dass sie es besser können."

Teammanagerin Doris Fitschen mahnte im ZDF-"Morgenmagazin" zur Sachlichkeit. "Ich kann nicht verstehen, dass einige jetzt schon wieder draufhauen. Das finde ich schade. Wir haben eine junge Mannschaft und es war erst das erste Spiel", meinte Fitschen, und versprach: "Wir werden am Sonntag anders auftreten."

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