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Nadine Angerer: "Ich kann meine Küken doch nicht alleinlassen"

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Nadine Angerer: "Ich kann meine Küken doch nicht alleinlassen"

29.10.2013, 08:39 Uhr | dpa

Nadine Angerer: "Ich kann meine Küken doch nicht alleinlassen". Nadine Angerer ist für eine Vorqualifikation von schwächeren Nationen für die WM-Quali.

Nadine Angerer ist für eine Vorqualifikation von schwächeren Nationen für die WM-Quali. Foto: Carmen Jaspersen. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Der australische Frühling zaubert Nadine Angerer frische Farbe ins Gesicht. Die ersten Wochen auf dem fünften Kontinent haben der Spielführerin der Frauen-Nationalmannschaft sichtlich gut getan. Der Stress der Bundesliga ist verflogen, Gelassenheit ist angesagt.

"Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. Nach den ersten Wochen kann ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Mir geht es richtig gut", sagte die noch 34 Jahre alte Torhüterin zu ihrem Wechsel vom Rekordmeister 1. FFC Frankfurt zu Brisbane Roar im australischen Nordosten.

Für die Nationalelf aber ist ihr kein Weg zu weit. "Ich kann meine Küken doch nicht alleinlassen", begründete Angerer die mehr als 24 Stunden lange Anreise von Down Under zu den WM-Qualifikationsspielen in Slowenien (13:0) und am Mittwoch gegen Kroatien. Weil die Saison in der aus acht Mannschaften bestehenden australischen Liga am 9. November beginnt, verzichtet Angerer in Absprache mit Bundestrainerin Silvia Neid auf die letzten beiden Qualifikationsspiele des Jahres in der Slowakei (23. November) und Kroatien (27. November). "Ich würde ein Spiel verpassen. Ich will Meisterin werden", erklärte Angerer am Montag in Frankfurt am Main.

Gegen Kroatien erwartet die frühere Frankfurterin erneut ein beschäftigungsloser Abend, denn Kroatien wird kaum stärker als Slowenien eingeschätzt. "Jedes Land hat das Recht, sich an einer WM-Qualifikation zu beteiligen. Angesichts der klaren Ergebnisse ist eine Vor-Qualifikation vielleicht nicht schlecht. Aber abschließend ist meine Meinung in dieser Frage nicht", meinte sie.

Australien als Wahlheimat bis Februar hat sich "Natze" ganz bewusst erwählt. Die USA soll ab April 2014 dann die nächste Station sein. "Der Club ist da, doch sagen darf ich noch nichts. Erst im Dezember darf ich den Vertrag unterschreiben", sagte Angerer. Als Welt- und Europameisterin, Europas Fußballerin 2013 und Kandidatin neben Lena Goeßling aus Wolfsburg für die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres gab es lukrative Angebote. Doch sie entschied sich gegen das Geld und für das Abenteuer auf dem fünften Kontinent.

Die Entscheidung passt zu ihrer unkonventionellen Art. Die in Lohr am Main geborene Unterfränkin mit dem Kopfbedeckungstick bevorzugt Hosen statt Röcke, trägt lieber Second Hand im Schlabberlook als das "kleine Schwarze", findet Frauen ebenso anziehend wie Männer. Angerer ist alles, nur keine angepasste Frau.

Brisbane, die Zwei-Millionen-Metropole des Bundesstaates Queensland, sei eine tolle Stadt, berichtet sie. Mittlerweile hat sie eine eigene Wohnung, der Verein stellt ihr ein Auto zur Verfügung. "Es ist alles total cool", meinte die Torhüterin. Sie genießt es, mal zwei Stunden im Café zu sitzen und ein Buch zu lesen. Angst, in Australien Form und Stammplatz in der Nationalmannschaft für die WM 2015 in Kanada zu verlieren, hat die 34-Jährige nicht.

Gewöhnen muss sie sich an den australischen Slang. "Ich kann Englisch, aber die Leute versteh' ich meistens nicht", räumt die Torfrau ein. Da trifft es sich gut, dass in dem früheren Bundesliga-Kicker Thomas Broich seit 2009 ein Landsmann im Kader von Brisbane steht. Der Mittelfeldspieler bleibt länger als Angerer in Australien.

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