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Länderspielgeschichte mit Licht und Schatten

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DFB  

Länderspielgeschichte mit Licht und Schatten

03.04.2008, 11:06 Uhr | sid

DFB-Boss Zwanziger blickt optimistisch in die Zukunft (Foto: imago)DFB-Boss Zwanziger blickt optimistisch in die Zukunft (Foto: imago) Deutsches Reich, 1. Weltkrieg, Weimarer Republik, NS-Regime, Besatzungszeit, Gründung der Bundesrepublik, Wiedervereinigung: Der deutsche Fußball, der am 5. April sein 100-jähriges Länderspieljubiläum feiert, hat in all diesen Epochen seine eigenen Kapitel geschrieben. "Es ist eine Top-Erfolgsgeschichte, das kann man nicht anders sagen. Die Länderspielgeschichte begann bereits acht Jahre nach der Gründung des Verbandes. Deshalb ist die deutsche Länderspielhistorie ja schon fast identisch mit der Lebenszeit des DFB. Und wenn man sieht, was in der Zeit vor dem Krieg, aber besonders in der Zeit nach 1945 durch den Fußball für unser Land erreicht wurde, insbesondere natürlich durch die Erfolge, manchmal jedoch auch durch die Misserfolge - dann ist das einzigartig", sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger zusammenfassend über die vergangenen zehn Dekaden des DFB-Auswahlteams.

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Große Titel und ein dunkler Fleck

Natürlich erinnert sich der Verbandschef besonders gerne an die drei WM-Titel und drei EM-Triumphe der Nationalmannschaft, aber auch die weniger erfreulichen Zeiten sind für Zwanziger kein Tabu-Thema. Dass man dem DFB lange vorgeworfen hat, sich nicht ausreichend mit seiner Vergangenheit im dritten Reich auseinandergesetzt zu haben, ärgert den gelernten Juristen. "Die Aufarbeitung des NS-Zeit im DFB war möglicherweise spät, aber nicht zu spät. Wir haben uns in der Vorbereitung unseres Verbandsjubiläums schon mit diesem Thema beschäftigt, aber sicherlich noch nicht mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit, wie man das heute erwarten kann. Ich glaube aber, wenn ich die Sportverbände insgesamt betrachte, dass wir bei der Aufarbeitung dieses Themas nicht die Letzten sind - ganz im Gegenteil", erklärt Zwanziger und erinnert an die vor drei Jahren fertiggestellte 473-seitige Publikation "Fußball unterm Hakenkreuz - Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz" des Geschichtswissenschaftlers Nils Havemann, die 2001 in Auftrag gegeben wurde.

Wichtiges Signal gesetzt

Dass diese Dokumentation, die die Rolle des DFB in der Zeit von 1933 bis 1945 beleuchtet, in der Juden auch im Fußball ausgegrenzt wurden und nur HJ-Mitglieder in Vereine durften, nicht von allen Kritikern mit Beifall bedacht wurde, ficht Zwanziger nicht an: "Wenn wir uns mit dieser Zeit nicht so ernsthaft auseinandergesetzt hätten, hätten wir die WM 2006 nicht so unbefangen angehen können. Wir haben den richtigen Zeitpunkt gefunden und ein wichtiges Signal gesetzt, wobei es bei dieser Aufarbeitung nicht darum ging, Menschen zu verletzen, die in dieser Zeit gelebt haben und in dieses System involviert waren."

WM 2006 als Schubrakete

Der DFB habe nicht zuletzt aus dieser Aufarbeitung wichtige Schlüsse gezogen. "Es geht einfach darum, durch Geschichtskenntnisse und Ehrlichkeit für die Zukunft zu lernen. Das wird ja oft übersehen. Manche Leute meinen, man würde nur zurückblicken. Das ist aber der völlig falsche Weg. Das Entscheidende ist, dass man Kindern, die in Freiheit aufwachsen, erklärt, was falsch war und wie man es richtig machen kann. Das ist unser Auftrag", äußert der DFB-Chef. Für Zwanziger ist klar, dass sich der größte Sport-Fachverband der Welt sich heutzutage mehr denn je seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellen muss. "Wir leben heute in einem demokratischen Rechtsstaat, und sind in diesem ein wichtiger Garant für Leistung, Disziplin und Fairness, Anerkennung in der Welt und auch für eine patriotische Grundeinstellung. Gerade die WM 2006 hat in dieser Hinsicht einen unglaublichen Schub gebracht", sagt der DFB-Präsident und fügt hinzu: "Es ist ganz einfach; der Fußball bringt die Menschen zusammen, wie es kein anderer gesellschaftlicher Teil so erreichen kann. Und wenn man die richtigen Botschaften vermittelt, hat man in der Tat eine gute Chance, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse beizutragen."

Positive Veränderungen einleiten

Dabei müsse sich der Fußball aber immer wieder selbst hinterfragen. "Man darf nie mit sich im Reinen sein, wenn man eine gesellschaftliche Kraft sein will - und das wollen wir. Deshalb müssen wir uns immer wieder hinterfragen, ob wir unseren Auftrag erfüllen. Auch aus dieser geschichtlichen Aufarbeitung wissen wir, dass wir mit ganzer Kraft den gesellschaftlichen Fehlentwicklungen, die tagtäglich in unserem Leben sichtbar werden, besonders auch im Fußball, deutlich widerstehen müssen. Wir müssen die heutigen Herausforderungen annehmen und dieses schleichende Gift des Nationalsozialismus, das uns in veränderter Form immer wieder begegnet, sehr aufmerksam beobachten", sagt Zwanziger, der dem Fußball insgesamt aber zutraut, positive Veränderungen einzuleiten.

Triumph zur Wiedervereinigung

Ein Beispiel dafür sei der WM-Titel 1954. "Da ging es darum, ein Land aus einer völlig depressiven Phase herauszubringen. Nach mörderischen Jahren und nach einer Zeit, in der man aus der Völkergemeinschaft ausgeschlossen war, konnte man wieder ein bisschen Glauben an sich selbst und an seine eigene Leistungsfähigkeit gewinnen." Auch der WM-Triumph 1990 sei ein gutes Signal kurz nach der Wiedervereinigung gewesen. Dass in der heutigen Zeit nicht alles rosarot im Fußball ist, macht der DFB-Präsident aber ebenso deutlich: "Natürlich gibt es Gewalt im Fußball, es gibt Rassismus im Fußball. Wir haben keine heile Welt. Aber wir haben eine Chance, durch konsequentes Verhalten in Abstimmung mit unserem Staat der heilen Welt etwas näherzukommen. Das ist ein Ziel, das man sich durchaus setzen kann. Und ich denke, dass wir da auch weiterkommen."





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