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Ein Rückblick auf 100 Jahre Länderspiele

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DFB  

Ein Rückblick auf 100 Jahre Länderspiele

03.04.2008, 12:51 Uhr | dpa

Beckenbauer (l.) und Maier freuen sich über den Weltpokal (Foto: imago)Beckenbauer (l.) und Maier freuen sich über den Weltpokal (Foto: imago) Kaiser Franz Beckenbauer erlebte durch sie die doppelte Krönung, Fritz Walter wurde mit ihr zum Helden der Nation, für Jürgen Klinsmann war sie einfach die größte Herausforderung: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am 5. April 100 Jahre alt - und nie war sie begehrter als jetzt. 857 Spieler haben in genau 800 Partien das Adler-Trikot getragen. 457 Siegen stehen 179 Niederlagen und 164 Unentschieden entgegen. 1782 Tore wurden geschossen, 965 Treffer kassiert. Die drei WM-Titel 1954, 1974 und 1990 sowie die ebenfalls drei EM-Triumphe 1972, 1980 und 1996 krönten die bisherige Jahrhundert-Geschichte der DFB-Elf. Doch fast noch wichtiger als alle Erfolge sind emotionale Ausstrahlung und der ökonomische Wert.

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Rätselraten über die deutschen Erfolge

"Sie wird immer der Deutschen liebstes Kind sein", erklärte Berti Vogts, der als Spieler Weltmeister und als Bundestrainer immerhin Europameister war. Und Klinsmann, der bei der WM 2006 mit einem runderneuerten DFB-Team den Nationalstolz entfacht und die schwarz-rot-goldenen Fähnchen auf Millionen Autos gezaubert hatte, meinte: "Wenn wir den Leuten in unserem Land Spaß und Freude geben können, ist viel erreicht." Über 28 Millionen Deutsche sahen vor den TV-Geräten den 1:0-Endspielsieg über Argentinien 1990 - und wieder rätselte die Fußball-Welt über die Gründe der deutschen Erfolge.

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Kontinuität an der Führungsspitze

"Alle Deutschen stammen aus derselben Fabrik, vermutlich einem Stahlwerk", bemerkte einst der argentinische Weltmeister-Trainer Cesar Luis Menotti. Beckenbauer, wie Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus (150 Einsätze), Rekordschütze Gerd Müller (68 Tore) und Ehrenspielführer Uwe Seeler sicher die prägendste Figur in 100 Jahren Nationalelf, hat eine andere Erklärung als die klassischen deutschen Tugenden Disziplin, Kampf und Ordnung oder die legendäre Elfmeter-Stärke. Der Weltmeister als Spieler (1974) und Trainer (1990) sieht vor allem in den starken Spielerpersönlichkeiten und einer "im Weltfußball beispiellosen Kontinuität an der Führungsspitze" einen entscheidenden Grund für die Erfolgsstory der Nationalmannschaft.

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Herberger am längsten im Amt

Erst zehn Bundestrainer oder DFB-Teamchefs führten die Vorzeige- Auswahl. Am längsten amtierte der legendäre Sepp Herberger, der fast 28 Jahre die Geschicke der DFB-Elf lenkte und 1954 die "Helden von Bern" zum ersten WM-Titel für Deutschland führte. Helmut Schön brachte es noch auf knapp 14 Jahre. Danach reduzierten sich die Amtszeiten von sechs Jahren (Jupp Derwall und Franz Beckenbauer) oder acht Jahren (Berti Vogts) auf vier (Rudi Völler) und zwei (Erich Ribbeck und Jürgen Klinsmann). "Die Zeit der langen Verträge ist vorbei", hatte selbst "Rudi Nazionale" eingestehen müssen.

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Perfekte Siege und schmerzhafte Niederlagen

Als nahezu perfekte Spiele gingen unter anderen das 8:0 gegen Dänemark 1937, das WM-Halbfinale gegen Österreich 1954 (6:1) und das Endspiel gegen Ungarn (3:2), das EM-Viertelfinale gegen England 1972 (3:1), das WM-Endspiel gegen die Niederlande 1974 (2:1), der WM-Thriller von Sevilla 1982 gegen Frankreich (8:7 n.E.), das WM-Auftaktspiel gegen Jugoslawien 1990 (4:1) sowie das Achtelfinale gegen die Niederlande (2:1) oder das "Golden Goal"-Finale bei der EM 1996 (2:1) gegen Tschechien in die Annalen ein. Auch das WM-Finale 1966 mit dem berühmten Wembley-Tor (2:4), das WM-Halbfinale 1970 in Mexiko gegen Italien (3:4), das "Bruderduell" gegen die DDR bei der WM 1974 (0:1), das WM-Endspiel 2002 gegen Brasilien (0:2) und das Halbfinale bei der Heim-WM 2006 wieder gegen die "Azzurri" (0:2) sind unvergessen, auch wenn diese dramatischen Partien verloren gingen.

Vorbild für Tausende Talente

"Wir wissen, was wir an der Nationalmannschaft haben", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Denn das Team ist nicht nur Vorbild für Tausende von jungen Kickern und Kickerinnen - 90 Prozent aller DFB-Einnahmen hängen direkt oder indirekt von der Nationalmannschaft ab. Die "Goldene Kuh" ermöglicht dem weltgrößten Fußball-Verband seine exponierte sportliche und gesellschaftliche Stellung. Ein Länderspiel ist mit TV-, Marketing und Zuschauereinnahmen inzwischen rund zehn Millionen Euro wert - und zehn Millionen Menschen oder noch viel mehr sehen immer am Fernsehschirm zu. Das WM-Aus 2006 gegen Italien sahen knapp 30 Millionen - der absolute Quotenhit in 100 Jahren.

Erstes Spiel schon mit Adler

Noch ohne Trainer, dafür teils auf eigene Kosten waren die deutschen Fußballer zum ersten offiziellen Länderspiel am 5. April 1908 gegen die Schweiz nach Basel gereist. Ein 19-jähriger Schüler namens Fritz Becker, später nie mehr in der DFB-Auswahl dabei, erzielte das erste Tor für die in halblangen Hosen angetretenen Deutschen. Der Adler zierte übrigens schon damals die schwarzen Trikots mit weißen Ärmeln.

Revanche durch Löws Team

100 Jahre später revanchierte sich die Mannschaft des amtierenden Bundestrainers Joachim Löw im 800. Spiel ebenfalls in Basel mit 4:0 für die 3:5-Niederlage der ersten Generation - und jede Minute vor und nach dem Match war generalstabsmäßig geplant. Ärzte, ein Sportpsychologe, Physiotherapeuten, Medien-Spezialisten und sogar ein eigener Koch gehören längst zum Stab, der inzwischen größer ist als das Spieler-Aufgebot. Die Weltmeister von 1954 bekamen fünf Mark Taschengeld pro Spiel, für den EM-Triumph 2008 würde jeder Profi 250.000 Euro kassieren.

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