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Oliver Kahn zum Abschiedsspiel: "Das Größte, was ich erlebt habe"

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Kahn-Abschiedsspiel  

"Und Gott sagte: Es werde Kahn!"

03.09.2008, 09:43 Uhr | t-online.de

Aus München berichtet Jörg Hausmann

Oliver Kahn verlässt die Fußball-Bühne (Foto: ddp) Titan und Mensch: Zwei Seiten ein und derselben Medaille lagen anlässlich des Abschiedsspiels Oliver Kahns nur Sekunden auseinander. Als der Titan sich nach 75 Minuten die Fahne des FC Bayern umhängte, "brach der Mensch Oliver Kahn durch", wie es Jürgen Klinsmann formulierte.

Foto-Show Kahns Abschied
Unentschieden Ein 1:1 zum Kahn-Abschied

Ein schwerer Moment und eine große Reaktion

Der neue Chefcoach des FC Bayern München erinnerte sich nach einem sportlich weitgehend wertlosen 1:1 in einer pausenlos von Huldgesängen erfüllten Allianz-Arena an 2006. An den "schwersten Moment" der seinigen und der Trainerlaufbahn seines damaligen Assistenten Joachim Löw, als es darum ging, dem jahrelang unangefochtenen deutschen Nationaltorhüter Kahn beizubringen, dass Jens Lehmann bei der WM im eigenen Land die Nummer eins sein würde. Und an Kahns Reaktion.

Zum Durchklicken Die besten Sprüche des Titanen
Rückblick Kahns Karriere in Bildern
Foto-Show Kahns Ausraster

Kein Sommermärchen ohne Kahn

"Wie er das verarbeitet hat, war erstaunlich", beschrieb Klinsmann nochmals die Führungsrolle des "unglaublichen Athleten und Sportlers" auf dem Weg zu WM-Bronze. "Damals ist der Mensch Oliver Kahn durchgebrochen. Ohne seine Energie und Führung für die Mannschaft", fügte Klinsmann hinzu, "hätte es das Sommermärchen nicht gegeben."

WM-Bronze gesichert

Mensch und Titan: Vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien diese unvergessene Geste des Mut spendenden und Zusammengehörigkeit signalisierenden Handschlags mit "Konkurrent" Lehmann – und eine gewohnt überragende Vorstellung während der 90 Minuten gegen Portugal, als es um eine Medaille ging. Nach 540 Minuten auf der ungewohnten Ersatzbank war der Titan zur Stelle.

Das Programm des Titans

So wie über zwei Jahre später, nach drei Monaten im Teil-Ruhestand: "Es hat mich doch sehr überrascht", hob Kahn – frisch geduscht und partybereit gewandet – an, "aber dieses Programm bekommst du nicht raus." Dieses "Titan-Programm" des Immergewinnenwollens. "Ich habe erst so um die 65. Minute überhaupt an die 75. gedacht. Vorher greifen die alten Mechanismen." Die "alten Mechanismen", die für den Titan stehen, den irdischer Fehlerhaftigkeit entrückt scheinenden Kahn. Gegentore und Niederlagen ließen dessen beispielhafter Ehrgeiz nie zu. "Du feuerst die Spieler an, willst kein Tor bekommen."

Plakative Erhöhung

Und nur Sekunden darauf erntete Kahn – als Titan und vor allem auch als Mensch – die Ovationen derer, die ihm spätestens in diesem bewegenden Moment jedes noch so unvergessene und folgenschwere Gegentor verziehen. Auf einem Plakat nahe der Eckfahne stand zu lesen: "Und Gott sprach: Es werde Kahn!" "Das war der Gipfel für mich, Hut ab", beschrieb der von der grünen Bühne Scheidende noch auf dem Platz seine eigentlich unbeschreiblichen Gefühle. In der Hand ein Mikrofon des ZDF, schon im Rahmen der beginnenden WM-Qualifikation sein neues Arbeitsgerät.

Tränen sind nicht zu unterdrücken

"Das ist das Größte, was ich in meiner gesamten Karriere erlebt habe", fasste der 86-malige Nationaltorhüter, der auf einen letzten Einsatz im DFB-Dress ausdrücklich verzichtete, den mit "Servus, Olli!" überschriebenen Abend zusammen. Dass er in diesem Moment "einfach eine Träne verdrücken" musste, angesichts der Menschen und der eigens für ihn eingespielten Lieder, gab Kahn wenig später vor den neugierigen Journalisten zu.

Der Mensch tritt hinter dem "Tier" hervor

Gefühlsregungen haben alle Beobachter – ob Berichterstatter oder Fans – an diesem Perfektionisten, der mindestens bis zum WM-Finale von 2002 einer Maschine glich, immer besonders gesucht, sich dafür interessiert. Spätestens mit seiner Abschiedssaison begannen die Medien, dem Menschen Kahn nachzustellen, der für viele so lange ein "Tier im Tor" darstellte.

Bereit, alles zu geben

Er selbst hält diese tiefe Verankerung einer unlöschbaren Programmierung auf Erfolg für psychologisch untersuchenswert. "Meine Generation war bereit, für den Titel, für den Sieg, ihr Leben zu geben." Mit Michael Rensing, der Kahn noch für fünf Spielminuten ersetzte, da Dr. Markus Merk bereits nach 80 abpfiff, hat die Zeit der neuen Generation begonnen.

Schweinis ganz privates Schussduell mit Kahn

Und mit Bastian Schweinsteiger, der mit Kahn die Platzwahl durchführte, ihm den Ball direkt nach dem Anstoß in die Arme schoss und ihn als erster umarmte, als der finale Gang aus dem Tor anstand. Während der 75 Minuten brachte der einzige Bayer, der durchgehend das Nationaltrikot trug, aus keiner Lage die Kugel an seinem früheren Rückhalt vorbei. "Es war deutlich zu sehen", lobte Kahn den 24-Jährigen für dessen spielbestimmenden Auftritt, "was er will. Aber ich war einfach zu fit." So wie immer.

Jeder wird sein eigenes Bild behalten

Die beeindruckende körperliche Konstitution war nur ein Merkmal Kahns. "Es geht bei mir nicht so sehr darum, wie ich in Erinnerung bleiben möchte", erinnerte der frisch gebackene Fußballrentner die Frager mit Stift und Mikro. "Das ist jedem selbst überlassen."

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