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Amateurfußball: Clubs sehen ihre Existenz bedroht

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Amateurfussball  

Reiner Grundmann: "Wir Amateure gehen kaputt"

12.02.2009, 13:32 Uhr | t-online.de

Das Interview führte Sebastian Schlichting

Der Ball ruht: In Gelsenkirchen und Umgebung wollen die Vereine zum Rückrundenstart streiken. (Foto: imago)Der Ball ruht: In Gelsenkirchen und Umgebung wollen die Vereine zum Rückrundenstart streiken. (Foto: imago) Ab der kommenden Saison soll es in der Bundesliga neue Anstoßzeiten geben. An der Basis regt sich dagegen seit Monaten heftiger Widerstand, vor allem gegen das Spiel am Sonntag um 15.30 Uhr. Amateurklubs sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Jetzt handeln die ersten Vereine.

Reiner Grundmann (56) ist 1. Vorsitzender des Gelsenkirchener Kreisligisten SC Schaffrath. Er ist einer der Initiatoren einer Protestbewegung. Im Interview spricht Grundmann über den Streik zum Rückrunden-Auftakt, die Forderungen der Amateure und die Angst vor Schalker Heimspielen am Sonntagnachmittag.

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t-online.de: Herr Grundmann, laut Spielplan tritt Ihr Team, der SC Schaffrath, zum Rückrundenstart der Kreisliga A Anfang März gegen die zweite Mannschaft vom SV 08 Horst-Emscher an. Findet die Partie statt?

Reiner Grundmann: Nach jetzigem Stand nicht. Wir werden hier bei uns im Kreis Gelsenkirchen/Gladbeck/Kirchhellen streiken.

Wie sehen die Maßnahmen konkret aus?

Wir wollen sämtliche Spiele der Kreisligen A, B und C ausfallen lassen. Überkreislich kriegen wir das logistisch nicht hin. Anstatt zu spielen, wollen wir eine Demonstration durchführen

Reiner Grundmann ist seit zehn Jahren Vorsitzender beim SC Schaffrath. Im Verein ist er seit 1966. (Foto: privat)Reiner Grundmann ist seit zehn Jahren Vorsitzender beim SC Schaffrath. Im Verein ist er seit 1966. (Foto: privat) Bei Ihnen im Kreis stehen alle dahinter?

Beim Staffeltag unter der Woche waren 54 Vereine anwesend. Davon waren 39 dafür, einer dagegen, der Rest unentschieden. Das sind fast 75 Prozent Zustimmung. Das ist ein Wert, mit dem man in der Politik gut leben könnte. Aber wir hoffen natürlich, die anderen Vereine auch noch zum Mitmachen zu bewegen. Ein uneinheitliches Bild wäre verheerend.

Können Sie diejenigen verstehen, die unentschlossen oder dagegen sind?

Ein Klub argumentiert, dass man Angst vor den möglichen 100 Euro Strafe fürs Nichtantreten hat. Einerseits verstehe ich das, das ist viel Geld für kleine Vereine. Andererseits sage ich: Wenn man nicht einmal ein solch vergleichbar geringes Wagnis eingeht, wie soll man dann Höheres erreichen?  

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Ihr Protest richtet sich gegen die Einführung eines Bundesligaspiels am Sonntag um 15.30 Uhr ab der kommenden Saison…

Es gibt ein Grundlagenvertrag zwischen dem DFB und der DFL, wonach am Sonntag vor 17.30 Uhr möglichst keine Bundesligaspiele stattfinden sollen. Darüber setzt man sich ja nun permanent hinweg. Das hat für uns das Fass zum Überlaufen gebracht. Immer nur reden ist Mist, wir müssen ein Zeichen setzen.   

Gab es Reaktionen seitens des DFB?

Bisher hat sich niemand gerührt. Ich denke, die Herren wollen das aussitzen. Die einzige Reaktion war bisher eine Mitteilung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, dass wir uns im rechtsfreien Raum bewegen würden.

Glauben Sie, dass Sie etwas bewegen können?

Die Verträge zwischen der DFL und den Fernsehsendern sind geschlossen. Wir sind keine Träumer, es wird ganz schwer. Aber es ärgert mich, wenn wir manchmal zu hören kriegen: „Ihr habt doch ein Ding an der Birne. Da könnt ihr machen, was ihr wollt, das ändert eh nichts.“ Wenn alle so denken, würde sich nie etwas ändern. Dann werden wir immer mehr zum Spielball der Profiklubs und Verbände.  

Was soll sich denn ändern?

Wir fordern nicht viel, es geht uns nicht um Geld. Wir wollen auch nicht gegen den Profifußball angehen. Es geht uns nur darum, dass uns – den blutigsten Amateuren auf der untersten Ebene – wenigstens die paar Stunden am Sonntag bleiben. Sonst gehen wir kaputt.

Blicken wir ein paar Monate voraus: Es ist Sonntagnachmittag, die Bundesliga spielt und Ihr Team hat zeitgleich ein Heimspiel…

Wenn Schalke spielen würde, würde ich bei uns auf dem Platz mit meinen Vorstandskollegen allein stehen. Wobei ich da auch nicht für alle die Hand ins Feuer lege, die haben genau wie ich eine Dauerkarte für die Arena (lacht). Zuschauer hätten wir keine. Wenn keiner kommt, verzehrt auch niemand was. Wir nehmen jetzt schon nicht viel Geld ein, dann würden wir gar nichts mehr kriegen. Wer weiß, ob wir überhaupt eine Mannschaft zusammenbekommen würden, schließlich gehen viele Spieler auch ins Stadion. Und ich weiß, dass die Situation bei vielen anderen Vereinen hier ähnlich ist.

Das klingt arg zugespitzt.

Ist es aber nicht. Ich sehe das doch, wenn Schalke jetzt mal am Sonntag spielt. Dann rennen alle Zuschauer bei uns mit Schlusspfiff vom Platz, um rechtzeitig vor dem Fernseher zu sitzen. Und die Spieler, die früher noch ein Bier zusammen getrunken haben, sind ebenfalls in Windeseile umgezogen, um Schalke sehen zu können.    

Es gibt von Verbandsseite den Vorschlag, mehr Spiele zu verlegen.

Schöne Idee. Aber leider nicht umsetzbar. Wir haben in Schaffrath einen Ascheplatz. Da spielen die Jugendmannschaften, die Alten Herren und unsere Männerteams. Da müssten wir ja mitten in der Nacht mit den ersten Spielen anfangen. Und unter der Woche arbeiten die Spieler. Kriegen Sie da mal eine Mannschaft zusammen.

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