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Wettskandal 2009: 200 Spiele unter Manipulationsverdacht

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Fussball  

Wett-Wahnsinn! 200 Spiele unter Manipulationsverdacht

20.11.2009, 14:57 Uhr | t-online.de, sid, dpa

Ein neuer Wettskandal erschüttert Europas Fußball (Foto: imago)Ein neuer Wettskandal erschüttert Europas Fußball (Foto: imago) Der größte Wett- und Manipulationsskandal in der europäischen Fußball-Geschichte erschüttert auch Deutschland: Wie die Staatsanwaltschaft Bochum auf einer Pressekonferenz mitteilte, besteht nach neunmonatigen Ermittlungen in vier Ländern der konkrete Verdacht, dass alleine in Deutschland mindestens 32 Spiele von der 2. Bundesliga bis in den Juniorenbereich manipuliert wurden.

In sechs europäischen Ländern sind Erstligaspiele betroffen, zudem sollen drei Champions-League-Spiele sowie zwölf Partien der Europa League verschoben worden sein.

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Wettskandal Lawine rollt auf Europa zu

Angeblich sind diese Ermittlungen nur die Spitze des Eisbergs. Kann man sich überhaupt noch Fußballspiele anschauen ohne daran denken zu müssen, dass sie möglicherweise manipuliert sind? Sagen Sie uns Ihre Meinung im Kommentartool am Ende des Textes.

Endgültiges Ausmaß nicht abzusehen

"Das ist zweifellos der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball jemals gegeben hat. Wir sind zutiefst betroffen vom Ausmaß der Spielmanipulationen durch internationale Banden. Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass die verwickelten Schiedsrichter Spieler, Sportler und Funktionäre der Sportjustiz zugeführt werden", sagte Peter Limacher, UEFA-Experte für Bekämpfung von Spielmanipulationen.

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Alle betroffenen Spiele aus dem Jahr 2009

Die Staatsanwaltschaft Bochum rechnet fest damit, dass nicht nur in Deutschland weitere Spiele betroffen sind. In Deutschland handelt es sich um vier namentlich nicht genannte Spiele der 2. Bundesliga, drei Spiele der 3. Liga und 18 Partien der Regionalligen, fünf Spiele der Oberligen sowie zwei U19-Begegnungen. Aus ermittlungstechnischen Gründen wurden diese nicht kokret benannt. Insgesamt sollen etwa 200 Spiele in neun Ländern betroffen sein. Neben Deutschland sind dies Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, die Türkei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Österreich. In Kroatien, Slowenien, Türkei, Ungarn, Bosnien und Österreich sind zahlreiche Erstligaspiele betroffen. Hinzu kommen mindestens drei Champions-League- und zwölf Europa-League-Spiele sowie ein Qualifikationsspiel zur U21-EM. Alle betroffenen Spiele stammen aus dem Jahr 2009.

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Mindestens zehn Millionen Euro erschwindelt

Da auch Spiele aus der Europapokalsaison 2009/2010 betroffen sind, sind Konsequenzen für den laufenden Spielbetrieb möglich. Die Täter sollen mit den manipulierten Spielen bei Wetten in Asien und Europa insgesamt zehn Millionen Euro erschwindelt haben. Die Behörde rechnet aber mit einem noch höheren Schaden.

15 Haftbefehle vollstreckt - Sapina in U-Haft

In Deutschland wurden 15 Verdächtige verhaftet, darunter auch Ante Sapina. Sapina sei am Donnerstag in Berlin festgenommen worden, erklärte Rechtsanwalt Stefan Conen. Mehr als 50 Durchsuchungsbeschlüsse in sechs deutschen Bundesländern sowie der Schweiz, Österreich und Großbritannien wurden vollzogen. Zwei weitere Festnahmen erfolgten in der Schweiz. Es wurden Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von mehr als einer Million gesichert. Insgesamt wurden Wettgewinne in Höhe von zehn Millionen Euro ausgezahlt. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs", sagte Andreas Bachmann, der Leiter der Ermittlungen.

Würzburger Spieler festgenommen

Unter den Verhafteten ist auch ein Spieler. Wie der Landesligist Würzburger Kickers auf seiner Internetseite mitteilte, habe die Staatsanwaltschaft Bochum einen Spieler des Vereins in Untersuchungshaft genommen. Dieser war nach Angaben der Würzburger bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt. Der Akteur habe damals auf Bitten eines asiatischen Wettbetrügers einen anderen Spieler gebeten, bewusst schlecht zu spielen. Der Spieler war daraufhin zu einer Geldstrafe von 8.400 Euro verurteilt worden. "Dieser Teil seiner Vergangenheit wurde bei seiner Verpflichtung offen diskutiert, mit dem Ergebnis ihm als Fußballer eine zweite Chance zu geben", hieß es in der Mitteiltung.

DFB wusste von Nichts

Den Anstoß zu den Ermittlungen hatte eine Telefonüberwachung zur organisierten Kriminalität gegeben. Die nach dem Hoyzer-Skandal eingeführten Frühwarnsysteme des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der UEFA für die Überwachung des Wettmarktes hatten offenbar keine Hinweise auf Manipulationen geliefert. Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) waren bis zur Pressekonferenz am Freitag offensichtlich weder von der Polizei, noch von der Staatsanwaltschaft, noch von der UEFA über die möglichen Manipulationen informiert worden. "Wir haben lange überlegt, ob wir mit dem DFB Kontakt aufnehmen. Da die Tätergruppe aber europaweit agiert, war es am Effektivsten, mit der UEFA zusammenzuarbeiten. So konnten wir dann, wenn nötig, auf die Nationalverbände zugreifen", sagte Bachmann.

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Osnabrück-Spieler soll mitgemischt haben

Während die Staatsanwaltschaft keine Namen von betroffenen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären in Deutschland nannte, liegen gegen zwei deutsche Klubs bereits Verdachtsmomente vor. Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sollen auch Profis des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück verstrickt sein. Die Staatsanwaltschaft Bochum verdächtigt demnach einen 34-jährigen Mann aus Lohne, zwei Begegnungen des VfL in der vergangenen Zweitliga-Saison mit Hilfe von Osnabrücker Spielern manipuliert zu haben. Der Mann soll bereits verhaftet worden sein.

VfL-Präsident entsetzt

Betroffen sind angeblich die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai. Der 34-Jährige hatte laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft hohe Summen auf die beiden Partien gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. Aus abgehörten Telefonaten der Polizei Bochum gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu mindestens einem VfL-Spieler aufgenommen habe. "Wenn das stimmt, wäre das eine Katastrophe - das könnte dann ein Grund für den Abstieg gewesen sein", sagte Osnabrücks Präsident Dirk Rasch der "NOZ", nach deren Informationen im Rahmen der bundesweiten Polizeiaktion auch die Wohnung eines ehemaligen Osnabrücker Profis durchsucht wurde. VfL-Sportdirektor Lothar Gans erklärte: "Ich halte die Situation für so traurig, dass man sie gar nicht in Worte fassen kann. Zu den Verdächtigungen rund um den VfL will ich mich nicht äußern. Wir werden das intern besprechen." Yvonne Lehnfeld, die Medienbeauftragte des Vereins erklärte gegenüber t-online.de, dass gegen den in den Medien genannten Stürmer Thomas Reichenberger "derzeit unseres Wissens nach kein Haftbefehl vorliegt".

Hausdurchsuchung bei ehemaligem Osnabrücker Spieler

Ins Visier der Ermittler ist anscheinend auch Marcel Schuon vom Drittligisten SV Sandhausen geraten, der im Vorjahr für den VfL Osnabrück am Ball war. "Fakt ist: Gegen Marcel Schuon wurde ermittelt und eine Hausdurchsuchung gemacht, aber es wurde kein Haftbefehl erlassen", sagte Sandhausens Manager Tobias Gebert der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat. Ich denke, in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung", betonte Gebert. Im Liga-Spiel der Sandhausener an diesem Samstag bei Werder Bremen II werde Schuon nicht spielen.

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Auch der SSV Ulm im Verdacht

Auch das Freundschaftsspiel zwischen Regionalligist SSV Ulm und dem vom deutschen Trainer Christoph Daum trainierten türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 steht unter Manipulationsverdacht. Fenerbahce hatte das Spiel gegen Ulm 5:0 gewonnen. Laut den Unterlagen der Ermittler soll sich der Verdacht ergeben haben, dass bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm für ihre Bereitschaft genau in dieser Höhe zu verlieren insgesamt einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten haben sollen. Dabei handelt es sich aber nur um einen Anfangsverdacht.

SSV-Keeper: Ich bin nicht angesprochen worden"

"Bislang gibt es nur einen Anfangsverdacht, deshalb müssen wir uns zunächst schützend vor die Mannschaft stellen. Aber wir werden als Verein alles zur Aufklärung beitragen", sagte SSV-Vizepräsident Mario Meuler, der bereits Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Bochum gefordert hat. Ulms Torwart Holger Betz meinte: "Ich bin nicht angesprochen worden und habe auch nicht mitbekommen, dass jemand anderes angesprochen wurde."

Wie einst 2005

Damit wird der deutsche Fußball wieder vom Fall Hoyzer ein geholt. Anfang 2005 hatte der damalige Bundesliga-Referee Robert Hoyzer gestanden, 67.000 Euro und einen Plasma-Fernseher für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben. Am 17. November 2005 wurde er wegen des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Diese trat er am 18. Mai 2007 an. Der Kroate Ante Sapina war damals wegen Wettbetrugs zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden, sein älterer Bruder Milan war mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Hoyzer und Ante Sapina wurden 2008 nach der Hälfte ihrer Haftzeit auf Bewährung entlassen. Nach "SZ"-Informationen wurde Ante Sapina am Donnerstag nach Bochum gebracht, sein Bruder kam in Berlin in Untersuchungshaft.

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