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Wettskandal: Verl suspendiert zwei Spieler - Festnahmen im Ausland

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Wettskandal  

Verl suspendiert zwei Spieler - Festnahmen im Ausland

24.11.2009, 18:33 Uhr | dpa

Patrick Neumann wird vorerst nicht mehr für Verl auflaufen. (Foto: imago)Patrick Neumann wird vorerst nicht mehr für Verl auflaufen. (Foto: imago) Im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte hat der erste deutsche Verein zwei Spieler suspendiert. Regionalligist SC Verl schloss Patrick Neumann und Tim Hagedorn vom Spiel- und Trainingsbetrieb aus. Verl gab keinen Grund für die Maßnahme an.

Die Ostwestfalen hatten Hinweise erhalten, dass bei den Partien ihrer Mannschaft bei Borussia Mönchengladbach II (4:3) und gegen den 1. FC Köln II (0:1) in der vergangenen Saison Spielmanipulationen versucht worden seien.

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Zeitung: Erste Geständnisse

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" haben drei - namentlich nicht genannte - Verler Akteure mittlerweile Spielmanipulationen gestanden. Demnach sollen die Spieler bei zwei Begegnungen der Saison 2008/2009 von der Wettmafia bestochen worden zu sein. Ein weiterer Spieler soll bei den geplanten Spielmanipulationen wieder abgesprungen sein und sich vor den beiden mutmaßlich manipulierten Regionalligapartien jeweils krank gemeldet haben.

Angespannte Lage in Verl

"Ich hätte niemals erwartet, dass so etwas in Verl passiert. Wir sind alle so angespannt im Moment, dass ich nicht sagen kann, welche Konsequenzen es noch geben wird", sagte der Vereinsvorsitzende Peter Mankartz. Mankartz ließ offen, wie lange die Suspendierung der Profis anhält. Zuvor hatte am Wochenende der Drittligist SV Sandhausen gegen seinen Spieler Marcel Schuon eine Schutzsperre verhängt, ihm aber sein Vertrauen ausgesprochen.

Festnahmen im Ausland

Die Ermittler im Ausland meldeten indes weitere Erfolge. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte, dass zwei Verdächtige festgenommen wurden. Die kroatische Polizei griff am Montag an der Grenze einen Slowenen auf, der mit einem in Deutschland ausgestellten Haftbefehl gesucht wurde. In Deutschland sitzen bereits 15 Verdächtige in Untersuchungshaft. Über Namen von Vereinen oder Spielern im Zentrum der Ermittlungen hüllt sich die Staatsanwaltschaft Bochum weiter in Schweigen.

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34-Jähriger aus Lippstadt verhaftet

Der Anwalt eines Verdächtigen, der seit Donnerstag in Untersuchungshaft sitzt, bestätigte, dass Spiele des SC Verl unter Manipulationsverdacht stehen. Der Verhaftete ist ein 34 Jahre alter Mann aus Lippstadt, sagte sein Rechtsbeistand Hans A. Geisler. Der Kaufmann soll laut Haftbefehl zweimal versucht haben, auf Verler Spieler einzuwirken, um den Spielausgang zu beeinflussen. Sein Mandant bestreite das, sagte der Anwalt.

Gladbach schaltet Anwalt ein

In Gladbach hatte Verl am 30. Mai eine 3:0-Führung zunächst aus der Hand gegeben, durch ein Tor in der 89. Minute aber doch noch gewonnen. Ein Eigentor führte am 6. Juni zu der Niederlage gegen Köln. Mönchengladbach hat nach Angaben von Sportdirektor Max Eberl seinen Anwalt Christoph Schickhardt eingeschaltet.

Schriftliche Erklärungen in der Schweiz

In der Schweiz stehen Spiele der Zweitligisten FC Gossau und FC Thun unter Verdacht. Zwei Profis wurden bereits suspendiert. Die Kicker aus Thun müssen auf Verlangen der Vereinsführung in schriftlichen Erklärungen versichern, dass sie nichts mit Spielmanipulationen zu tun haben. In Deutschland hatte das zuvor der Regionalligist SSV Ulm von seinen Lizenzspielern gefordert. In den Musterverträgen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist ein Wettverbot seit dem Bestechungsskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 klar geregelt. Von der Bundesliga bis zu den Regionalligen haben alle Profis unterschrieben, dass sie weder selbst noch durch Dritte auf Partien ihrer Spielklassen wetten.

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Task Force gegründet

In Deutschland sind laut Staatsanwaltschaft 32 Partien von der 2. Bundesliga abwärts betroffen. Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben einen Krisenstab zur Aufarbeitung des Skandals ins Leben gerufen. Aus Frankfurt gab es am Dienstag keine Neuigkeiten. "Wir werden uns täglich austauschen, aber nicht jeden Tag an die Öffentlichkeit treten und mitteilen, die Task Force hat dies oder das gemacht", erklärte Stephan Brause von der DFB-Medienabteilung. Wann die Fachverbände Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft bekommen, sei noch nicht klar.

Auch die Mafia hat Finger im Spiel

Die Ermittler haben 200 Fußballspiele in neun europäischen Ländern auf dem Radar. Möglicherweise sind aber noch mehr Verbände betroffen. Nach griechischen Medienberichten hat die Europäische Fußball-Union UEFA dem Verband in Athen Details über 14 Spiele vorgelegt, die unter Manipulationsverdacht stehen. Verbandspräsident Sofoklis Pilavios sagte, er werde das Justizministerium in Athen informieren. Im italienischen Bestechungsskandal haben die Ermittler damit begonnen, die neun Festgenommenen zu vernehmen. Die Drahtzieher sollen der Mafia nahestehen.

Video SSV Ulm bestreitet Verwicklung in den Wettskandal

Verbände tagen

Nähere Erkenntnisse erhoffen sich die neun betroffenen Verbände vom Krisentreffen bei der UEFA. Sie versammeln sich am Mittwoch in Nyon. Auch der Sportausschuss des Bundestages will die Manipulationsvorwürfe diskutieren. Der Weltverband FIFA will sich auf einer Sondersitzung des Exekutivkomitees am 2. Dezember in Kapstadt mit den Folgen des Skandals beschäftigen.

adidas will durchgreifen

Sollten sich Verwicklungen von Spielern oder Vereinen in den Wettskandal bestätigen, könnte das neben den strafrechtlichen auch schwerwiegende finanzielle Folgen haben. Der Sportartikelhersteller adidas kündigte an, hart gegen Sportler oder Mannschaften durchzugreifen, die von dem fränkischen Unternehmen ausgerüstet werden und in den Skandal verwickelt sind. "Wir haben in unseren Verträgen mit Sportlern und Vereinen ganz klar drin, dass wir bei kriminellen Vergehen die Zusammenarbeit fristlos kündigen können", sagte adidas-Chef Herbert Hainer der "Süddeutschen Zeitung".

Die Staatsanwaltschaft Bochum, die dem Verdacht von manipulierten Fußballspielen nachgeht, äußerte sich auf Nachfrage der SZ dazu nicht.Der damalige Verler Coach Mario Ermisch, der heute beim TuS Dornberg tätig ist, sagte der SZ, er sei nach den Geständnissen seiner früheren Spieler 'wie vor den Kopf gestoßen'. Er 'habe nicht glauben wollen, dass die so was machen'.Zuvor hatte Verls Vereinsboss Peter Mankartz dem Sport-Informations-Dienst (SID) bestätigte, dass der Klub Patrick Neumann und Tim Hagedorn vom Spiel- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen hat. Zu den Gründen wollte sich Mankartz aber nicht äußern. 'Weitere Angaben kann ich derzeit nicht machen. Wir stehen bei den Ermittlungsbehörden im Wort', sagte Mankartz.Spieler des SC Verl sollen 20.000 Euro für die 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Köln II am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison erhalten haben. Das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach II (4:3) am 33. Spieltag der vergangenen Saison in der Regionalliga West ging angeblich entgegen der ursprünglichen Verabredung mit den Wettbetrügern zugunsten von Verl aus. Dabei konnte die U23 der Borussia nach 0:3-Pausenstand zunächst zum 3:3 ausgleichen, ehe sie eine Minute vor Schluss den vierten Treffer hinnehmen musste. Der erste Manipulationsversuch in dem Auswärtsspiel der Verler am 30. Mai 2009 in Mönchengladbach war allerdings gescheitert. Bereits nach 41 Spielminuten führte Verl überraschend 3:0. In der Halbzeit soll einer der gekauften Spieler eine SMS an seinen Wettpaten geschickt haben: 'Was soll ich tun?' Zwar schaffte Mönchengladbach bis zur 81 Minute, begünstigt durch individuelle Fehler der Ostwestfalen, den Ausgleich, doch in der 89. Minute erzielte Verls Torjäger Christian Knappmann den 4:3-Siegtreffer.Knappmann war offenbar in den mutmaßlichen Manipulationsversuch nicht eingeweiht. Am 6. Juni 2009, dem letzten Regionalliga-Spieltag der Saison 2008/2009, unterlagen die Verler durch ein Eigentor von Ihsan Kalkan in der 41. Minute gegen die U23 des 1. FC Köln 0:1. Gegen Kalkan, der einen abgefälschten Ball ins eigene Netz lenkte, gehört aber nach SZ-Recherche nicht zu den Verdächtigen. Laut den Ermittlungen setzte die Wettmafia insgesamt 41.550 Euro auf einen Kölner Sieg beim SC Verl und erzielte bei einer Quote von 2,4 einen Gewinn von rund 100.000 Euro - an die gekauften Spieler sollen 20.000 Euro geflossen sein.Verl hatte am Nachmittag in einer Pressmitteilung bekannt gegeben, dass die beiden Mittelfeldspieler Neumann und Hagedorn suspendiert worden seien. Über weiter Einzelheiten sei Stillschweigen vereinbart worden, 'um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden'. Der SC Verl distanzierte sich von 'diesen kriminellen Handlungen' und stellte sich vor diejenigen Akteure in seinem Spielerkader, 'die nicht an diesen Manipulationen beteiligt sind'.Im Zentrum des Geschehens in Verl steht offenbar ein 34 Jahre alter Kaufmann aus dem westfälischen Lippstadt, der Ende vergangener Woche wegen Betrugsverdachts verhaftet worden war. Der Beschuldigte, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt, soll Verler Spielern nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler mindestens 20.000 Euro dafür gezahlt haben, dass sie die für ihren Klub sportlich bedeutungslosen Punktspiele gegen die U23-Teams von Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln absichtlich verlieren.Am vergangenen Freitag hatte die Staatsanwaltschaft Bochum den größten Wettskandal in Europa publik gemacht. 200 Spiele, darunter 32 in Deutschland, sollen von den Betrügereien betroffen sein. SID jz</?ZP?> Wettskandal im Fußball Offenbar drei Spieler des SC Verl geständig Zwei Spieler wurden suspendiert / Ex-Trainer wie vor Kopf gestoßen von Jürgen Zelustek

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