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Wettskandal: SC Verl suspendiert zwei Spieler

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Wettskandal  

Verl suspendiert zwei Spieler - Festnahmen im Ausland

25.11.2009, 11:12 Uhr | dpa

Patrick Neumann wird vorerst nicht mehr für Verl auflaufen. (Foto: imago)Patrick Neumann wird vorerst nicht mehr für Verl auflaufen. (Foto: imago) Im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte hat der erste deutsche Verein zwei Spieler suspendiert. Regionalligist SC Verl schloss Patrick Neumann und Tim Hagedorn vom Spiel- und Trainingsbetrieb aus. Verl gab keinen Grund für die Maßnahme an.

Allerdings hat kein Spieler des Vereins Manipulationen eingeräumt. "Meines Wissens nach hat nicht ein Spieler ein Geständnis abgelegt - weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei uns", sagte der Vorsitzende Peter Mankartz.

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Manipulationen bei zwei Begegnungen?

Zur Suspendierung hätten "Anhaltspunkte" geführt, sagte Mankartz weiter. Die Ostwestfalen hatten Hinweise erhalten, dass bei den Partien ihrer Mannschaft bei Borussia Mönchengladbach II (4:3) und gegen den 1. FC Köln II (0:1) in der vergangenen Saison Spielmanipulationen versucht worden seien.

Zeitung: Erste Geständnisse

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" haben drei - namentlich nicht genannte - Verler Akteure mittlerweile Spielmanipulationen gestanden. Demnach sollen die Spieler bei zwei Begegnungen der Saison 2008/2009 von der Wettmafia bestochen worden zu sein. Ein weiterer Spieler soll bei den geplanten Spielmanipulationen wieder abgesprungen sein und sich vor den beiden mutmaßlich manipulierten Regionalligapartien jeweils krank gemeldet haben.

Angespannte Lage in Verl

"Ich hätte niemals erwartet, dass so etwas in Verl passiert. Wir sind alle so angespannt im Moment, dass ich nicht sagen kann, welche Konsequenzen es noch geben wird", sagte der Vereinsvorsitzende Peter Mankartz. Mankartz ließ offen, wie lange die Suspendierung der Profis anhält. Zuvor hatte am Wochenende der Drittligist SV Sandhausen gegen seinen Spieler Marcel Schuon eine Schutzsperre verhängt, ihm aber sein Vertrauen ausgesprochen.

Festnahmen im Ausland

Die Ermittler im Ausland meldeten indes weitere Erfolge. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte, dass zwei Verdächtige festgenommen wurden. Die kroatische Polizei griff am Montag an der Grenze einen Slowenen auf, der mit einem in Deutschland ausgestellten Haftbefehl gesucht wurde. In Deutschland sitzen bereits 15 Verdächtige in Untersuchungshaft. Über Namen von Vereinen oder Spielern im Zentrum der Ermittlungen hüllt sich die Staatsanwaltschaft Bochum weiter in Schweigen.

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34-Jähriger aus Lippstadt verhaftet

Der Anwalt eines Verdächtigen, der seit Donnerstag in Untersuchungshaft sitzt, bestätigte, dass Spiele des SC Verl unter Manipulationsverdacht stehen. Der Verhaftete ist ein 34 Jahre alter Mann aus Lippstadt, sagte sein Rechtsbeistand Hans A. Geisler. Der Kaufmann soll laut Haftbefehl zweimal versucht haben, auf Verler Spieler einzuwirken, um den Spielausgang zu beeinflussen. Sein Mandant bestreite das, sagte der Anwalt.

Gladbach schaltet Anwalt ein

In Gladbach hatte Verl am 30. Mai eine 3:0-Führung zunächst aus der Hand gegeben, durch ein Tor in der 89. Minute aber doch noch gewonnen. Ein Eigentor führte am 6. Juni zu der Niederlage gegen Köln. Mönchengladbach hat nach Angaben von Sportdirektor Max Eberl seinen Anwalt Christoph Schickhardt eingeschaltet.

Schriftliche Erklärungen in der Schweiz

In der Schweiz stehen Spiele der Zweitligisten FC Gossau und FC Thun unter Verdacht. Zwei Profis wurden bereits suspendiert. Die Kicker aus Thun müssen auf Verlangen der Vereinsführung in schriftlichen Erklärungen versichern, dass sie nichts mit Spielmanipulationen zu tun haben. In Deutschland hatte das zuvor der Regionalligist SSV Ulm von seinen Lizenzspielern gefordert. In den Musterverträgen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist ein Wettverbot seit dem Bestechungsskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 klar geregelt. Von der Bundesliga bis zu den Regionalligen haben alle Profis unterschrieben, dass sie weder selbst noch durch Dritte auf Partien ihrer Spielklassen wetten.

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Task Force gegründet

In Deutschland sind laut Staatsanwaltschaft 32 Partien von der 2. Bundesliga abwärts betroffen. Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben einen Krisenstab zur Aufarbeitung des Skandals ins Leben gerufen. Aus Frankfurt gab es am Dienstag keine Neuigkeiten. "Wir werden uns täglich austauschen, aber nicht jeden Tag an die Öffentlichkeit treten und mitteilen, die Task Force hat dies oder das gemacht", erklärte Stephan Brause von der DFB-Medienabteilung. Wann die Fachverbände Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft bekommen, sei noch nicht klar.

Auch die Mafia hat Finger im Spiel

Die Ermittler haben 200 Fußballspiele in neun europäischen Ländern auf dem Radar. Möglicherweise sind aber noch mehr Verbände betroffen. Nach griechischen Medienberichten hat die Europäische Fußball-Union UEFA dem Verband in Athen Details über 14 Spiele vorgelegt, die unter Manipulationsverdacht stehen. Verbandspräsident Sofoklis Pilavios sagte, er werde das Justizministerium in Athen informieren. Im italienischen Bestechungsskandal haben die Ermittler damit begonnen, die neun Festgenommenen zu vernehmen. Die Drahtzieher sollen der Mafia nahestehen.

Video SSV Ulm bestreitet Verwicklung in den Wettskandal

Verbände tagen

Nähere Erkenntnisse erhoffen sich die neun betroffenen Verbände vom Krisentreffen bei der UEFA. Sie versammeln sich am Mittwoch in Nyon. Auch der Sportausschuss des Bundestages will die Manipulationsvorwürfe diskutieren. Der Weltverband FIFA will sich auf einer Sondersitzung des Exekutivkomitees am 2. Dezember in Kapstadt mit den Folgen des Skandals beschäftigen.

adidas will durchgreifen

Sollten sich Verwicklungen von Spielern oder Vereinen in den Wettskandal bestätigen, könnte das neben den strafrechtlichen auch schwerwiegende finanzielle Folgen haben. Der Sportartikelhersteller adidas kündigte an, hart gegen Sportler oder Mannschaften durchzugreifen, die von dem fränkischen Unternehmen ausgerüstet werden und in den Skandal verwickelt sind. "Wir haben in unseren Verträgen mit Sportlern und Vereinen ganz klar drin, dass wir bei kriminellen Vergehen die Zusammenarbeit fristlos kündigen können", sagte adidas-Chef Herbert Hainer der "Süddeutschen Zeitung".

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