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Wettskandal: Mehr als 60 Spiele in Deutschland manipuliert

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Wettskandal  

Zweitligaabstieg wegen Wettmanipulation?

30.11.2009, 12:09 Uhr | t-online.de, sid

Der deutsche Fußball wird von täglich neuen Enthüllungen erschüttert. (Foto: imago)Der deutsche Fußball wird von täglich neuen Enthüllungen erschüttert. (Foto: imago) Der größte Wettskandal in der europäischen Sportgeschichte zieht auch im deutschen Fußball immer weitere Kreise. Nach einem Bericht des ARD-Magazins "FAKT" sollen seit dem Hoyzer-Skandal im Jahr 2005 in Deutschland mehr als 60 Fußballspiele manipuliert worden sein.

"Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich, es ist so eingetroffen wie wir es auch haben wollten", sagte ein vermeintlicher Insider aus dem illegalen Wettgeschäft.

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Durch Manipulation aus der 2. Liga abgestiegen

Der Hamburger serbischer Herkunft war nach eigener Aussage jahrelang ein Gehilfe des vor einer Woche verhafteten Drahtziehers Ante S.. Auch er selbst habe Spieler zu Manipulationen überredet. Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia angeblich einem Absteiger aus der zweiten Bundesliga im Jahre 2007. "Ein Verein ist dadurch abgestiegen, weil zwei Spiele hintereinander manipuliert worden sind, das sind minus sechs Punkte und das war kurz vor Schluss, also kurz vor Ende der Saison und dadurch ist der Verein abgestiegen", sagte der Serbe. In der Spielzeit 2006/2007 mussten nach der Saison Essen, Unterhaching, Braunschweig und Burghausen den Gang in die damalige Regionalliga antreten.

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Tricks der Wettmafia

Um welchen Verein es sich dabei gehandelt hat, wollte er nicht preisgeben. Der Hoyzer-Skandal habe auf die Wettmafia nach Angaben des Insiders vor allem lehrreich gewirkt. Die Urteile hingegen haben ihre abschreckende Wirkung aber verfehlt: "Wir haben aus dem Hoyzer-Skandal gelernt. Wir sprechen den Spieler nie direkt an, wir schauen erstmal das Umfeld an: hat er Schulden, ist er ein Zocker, trinkt er gerne? Wir haben immer recherchiert: Wer, was, wo, wer mit wem? Wir haben alles verfeinert."

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Ulmer Spieler erwägen Zivilklage

Unterdessen wollen die Spieler des vom Wettskandal direkt betroffenen Regionalligisten SSV Ulm wegen entgangener Prämien offenbar eine Zivilklage gegen die gekündigten Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic anstrengen. "Die sind kriminell. Wenn ich ihnen jetzt begegnen würde, wüsste ich nicht, was ich machen würde", sagte Ulm-Keeper Holger Betz. Die drei offenbar in den Wettskandal verwickelten Ex-Ulmer sollen einen direkten Draht zu dem inhaftierten Berliner Ante S., einem der Hauptdrahtzieher des Skandals, gehabt haben. Auf fünf bislang bekannten Konten von S. sollen Ermittler laut Informationen des "Spiegel" 3,5 Millionen Euro gefunden haben.

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Auch aktuelle Saison betroffen

Betroffen sollen auch drei Spiele der aktuellen Saison sein. Demnach soll es beim 1:3 am 14. August beim SSV Reutlingen, beim 1:3 am 2. Oktober beim SV Darmstadt 98 und beim 1:3 am 18. Oktober beim SC Freiburg II zu wettbewerbswidrigem Verhalten gekommen sein. Verdächtig sind zudem die letzten vier Spiele der vergangenen Saison, insbesondere das 0:3 vom 13. Mai bei Hessen Kassel. "Ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles passiert ist und wann das Ganze angefangen hat. Es ist wie ein Stich ins Herz. Aber wir haben das Problem an der Wurzel gepackt und alles mögliche getan, um die Sache aufzuklären", sagte Ulms Vorstand Rene Mick.

Keine Sanktionen für Ulm

Gravierende Konsequenzen müssen die Ulmer offenbar aber nicht befürchten. Eine Aberkennung von Punkten oder eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse käme laut DFB-Statuten wohl nur infrage, wenn der Verein aktiv durch das Präsidium oder andere führende Vereinsmitglieder in die Manipulationen verstrickt wäre. Dies ist aber nicht der Fall, ermittelt wird nur gegen die gefeuerten Spieler. Sollten diese der Manipulation überführt werden, drohen für aktive oder passive Bestechung Sperren von drei Monaten bis zu zwei Jahren.

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