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Wettskandal  

DFB weiß mehr, als er bekannt gibt

15.08.2014, 15:19 Uhr | sid

Bangt um seinen Ruf: Oberhausens Eigentorschütze Marinko Miletic. (Foto: imago) Bangt um seinen Ruf: Oberhausens Eigentorschütze Marinko Miletic. (Foto: imago) Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weiß in Sachen Wettskandal mehr, als er öffentlich bekannt gibt. Denn wie der europäische Verband UEFA setzt der DFB auf Informationen der Zocker-Mafia und scheint dadurch trotz fehlender Akteneinsicht mehr Erkenntnisse zu haben, als angenommen wird.

"Dem DFB liegen durchaus mehr Informationen vor, als wir in der Öffentlichkeit bislang geäußert haben. Aber wir müssen alle ein wenig Geduld haben, weil wir nicht die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen behindern wollen. Wir arbeiten weiter Hand in Hand mit der Staatsanwaltschaft zusammen, hoffen zeitnah auf Akteneinsicht und werden die Betrüger dann mit aller Härte bestrafen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Zwanziger: keine Schnellschüsse

Laut Zwanziger sei eine "lückenlose Aufklärung" des Skandals, der alleine in Deutschland mehr als 32 manipulierte Spiele von der Zweiten Bundesliga abwärts umfassen soll, und die Bestrafung von allen Personen, denen Betrug nachgewiesen werden könne, "viel wichtiger als irgendwelche Schnellschüsse."

Ehemalige Wettpaten berichten

Knapp drei Wochen nach Bekanntwerden scheinen sich die Hinweise auf die tatsächlich durchgeführten Manipulationen zudem zu verdichten. So sind ehemalige Wettpaten bei der UEFA vorstellig geworden, um gegen Geld über etwaige Betrügereien zu berichten. Ein solcher Hinweis und die Meldungen des DFB-Frühwarnsystems sollen auch zu dem Manipulationsalarm vor dem Zweitliga-Spiel zwischen Rot-Weiß Oberhausen und 1860 München (0:1) geführt haben.

Kritik aus Oberhausen

Scharfe Kritik am Vorgehen des DFB übte unterdessen Zweitligist Oberhausen. "Wir werden paranoid. Ich finde die Vorgehensweise des DFB sehr unglücklich. Das Sauberste wäre gewesen, das Spiel abzublasen. Dann hätte man das Thema in Ruhe aufklären können und wäre heute bestimmt schlauer", sagte RWO-Vorstand Thomas Dietz auf "11freunde.de". Wegen Wetteinsätzen in Millionenhöhe war das Sonntagsspiel der Oberhausener gegen 1860 bei der Task Force des DFB unter Manipulationsverdacht geraten.

Erheblicher Imageschaden

Zumindest muss der Verband keine Regressforderungen seitens RWO fürchten. "Uns ist ein erheblicher Schaden entstanden, obwohl wir uns weiter keiner Schuld bewusst sind. Aber wir werden keine rechtlichen Schritte bezüglich einer Wiederholung des Spiels gegen 1860 München einleiten", erklärte Dietz. Dennoch habe Oberhausen nach Klubangaben nun ein erhebliches Imageproblem, obwohl der DFB den Verein schnell entlastet habe. Es hätten sich "keine besonderen Auffälligkeiten ergeben", hieß es von Seiten des Verbandes.

Miletic hat Problem mit seinem Ruf

Ein Problem mit seinem Ruf hat nun auch Marinko Miletic. Denn die Begegnung gegen 1860 München wurde durch ein Eigentor des Kroaten entschieden. Der RWO-Abwehrspieler hatte in der 63. Minute einen Freistoß von Alexander Ludwig ins eigene Tor verlängert - und sieht nun sogar seine Familie unter Druck gesetzt. "Als meine Tochter aus dem Kindergarten kam, hat sie mich gleich gefragt: Papa, was hast Du eigentlich gemacht? Auch auf der Straße und im Internet bin ich als Betrüger beschimpft worden. Aber ich habe ein absolut reines Gewissen", sagte Miletic.

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Luginger: "Fußball ist nun mal ein Fehlerspiel"

RWO-Trainer Jürgen Luginger erklärte, es sei "Unsinn", Abwehrspieler Marinko Miletic beim spielentscheidenden Eigentor in der 63. Minute Absicht zu unterstellen. "Fußball ist nun mal ein Fehlerspiel", äußerte Luginger. Der Trainer ist "überzeugt, dass die Mannschaft gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird. Es war schon am Montag beim Training zu spüren, dass alle noch näher zusammengerückt sind. Wir hatten schon vor diesen Gerüchten ein intaktes Mannschaftsverhältnis. Das alles macht uns nur noch stärker als Gemeinschaft." Eine solche Situation habe er noch nie erlebt.

Gewinne durch Live-Wetten

Nach UEFA-Informationen könnte bei den Wetten allerdings auch ein Täuschungsmanöver vorgelegen haben, da die eigentlichen Gewinne der Mafia über das Platzieren von Live-Wetten generiert würden. "Manipulatoren wetten erst, wenn die Spiele schon laufen. Manchmal wird sogar versucht, uns zu täuschen, indem vor dem Spiel hohe Wetten eingehen, die kurz vor Beginn abgezogen und auf die andere Mannschaft gesetzt werden", sagte Peter Limacher, UEFA-Experte für Sportbetrug, der "Süddeutschen Zeitung".

"Auch der DFB denkt langsam um"

Dass die UEFA mit ehemaligen Zockern zusammenarbeitet, bestätigte ein "Überläufer" auch der "Münchner Abendzeitung". "Die haben längst verstanden, dass sie auf Leute wie mich angewiesen sind. Der DFB hat viel zu lange auf sein Frühwarnsystem vertraut. Aber auch der DFB denkt da langsam um", sagte der Insider.

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