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Udo Lattek im Interview

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Udo Lattek feiert seinen 75. Geburtstag

14.01.2010, 16:14 Uhr | sid

Udo Lattek feiert seinen 75. Geburtstag. (Foto: imago)Udo Lattek feiert seinen 75. Geburtstag. (Foto: imago) Trainerlegende Udo Lattek wird 75 Jahre alt. In seiner erfolgreichen Laufbahn als Fußballlehrer hat er 14 Titel errungen, darunter auch alle drei Europacup-Wettbewerbe und insgesamt acht deutsche Meisterschaften. In seiner Zeit beim FC Barcelona spielte auch der unvergessene Diego Maradona unter ihm.

Heute kennt man Lattek als Experten aus dem DSF-Doppelpass. Im Interview spricht er über seine reichhaltigen Erlebnisse im Fußballgeschäft.

Geburtstag Udo Lattek wird 75, aber das schreckt ihn nicht

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Sie sind nun 75 Jahre alt. Wie fällt die Bilanz Ihres beruflichen Lebens aus?

Udo Lattek: "Mehr positiv als negativ, auch wenn nicht alles so gelaufen ist, wie man sich das vorgestellt hat. Wie zum Beispiel der Tod meines Sohnes, der mich ein bisschen aus der Bahn geworfen hat. Mit dem Verlauf meiner Fußball-Karriere kann ich sehr zufrieden sein. Ich bin aus dem Nichts gekommen, ich bin ein Bauernsohn. Außer dem, was ich kann, habe ich nichts mitgebracht. Ich habe dem Fußball alles zu verdanken."

Video: Udo Lattek ganz privat

Zu Beginn Ihrer Fußballlehrer-Laufbahn lief allerdings nicht alles rund, oder?

"Mit 20 Jahren, als ich zur Sporthochschule kam, habe ich mich mit Hennes Weisweiler überworfen. Die Trainerausbildung habe ich dann mit 30 Jahren nachgeholt. Hennes hat 14 Tage versucht, mich zu provozieren, aber ich habe mich nicht provozieren lassen. Später hat er, wenn er morgens keine Lust mehr hatte, zu mir gesagt: 'Lattek, machen Sie das mal.' Dann kam die Prüfung, Helmut Schön war damals Prüfungsleiter. Dann hat er Weisweiler gefragt: 'Ich brauche einen Assistenten, wen haben Sie denn da?' Da hat Hennes gesagt: 'Ich habe da noch einen Jungen, der ist zwar Student und kein Fußballer, aber der kann das.' So bin ich für fünf Jahre zum Deutschen Fußball-Bund gekommen."

Wie kam der Wechsel vom Verband zu Bayern München zustande?

"Franz Beckenbauer kam damals zu mir und fragte, ob ich nicht zum FC Bayern wechseln wolle, weil die Zusammenarbeit mit Branko Zebec keine Zukunft mehr habe. Dann bin ich nach München geflogen und habe einen Dreijahresvertrag unterschrieben. So begann die ganze Scheiße... Meine Frau hat mir später gesagt, wenn ich gewusst hätte, dass du Fußballlehrer wirst, hätte ich dich nicht geheiratet."

Wie hat sich der Fußball seit Ihrem Einstieg in die Bundesliga verändert?

"Das ganze Drumherum ist mir zu heftig geworden. Als ich die fünf Wochen nochmals in Dortmund war, habe ich ja den ganzen Tag mit den Journalisten zu tun gehabt. Es war aber auch der Sinn, den Druck von der Mannschaft wegzunehmen. Ich habe alles abgefangen. Ich habe mal Erich Ribbeck gefragt, als der bei Bayern war. Er hat mir gesagt, 75 Prozent ist Öffentlichkeitsarbeit. Zum Training hat man kaum Zeit. Überspitzt formuliert: Das Einzige am Fußball, was stört ist der Fußball. Ich würde gerne sehen, wenn der Fußball wieder mehr im Vordergrund stehen würde."

Als einer der wenigen Trainer haben Sie alle drei europäischen Pokal-Wettbewerbe mit drei unterschiedlichen Mannschaften gewonnen. Sie sind einer der erfolgreichsten deutschen Trainer aller Zeiten. Welches war der schönste Erfolg in Ihrer Laufbahn?

"Am schönsten ist immer die erste Meisterschaft. Das war 1972 mit Bayern München, als wir im entscheidenden Spiel, dem ersten im Olympiastadion, Schalke 04 mit 5:1 bezwungen haben. Was mir natürlich auch in Erinnerung geblieben ist, war, als ich Otto Rehhagel ärgern konnte. Wir waren 33 Spieltage nicht an der Tabellenspitze, aber am 34. und letzten."

Die größte Enttäuschung dürfte sicherlich die Niederlage mit den Bayern im Endspiel des Europapokals der Landesmeister 1987 in Wien gegen den FC Porto gewesen sein.

"Das hat mir unheimlich weh getan, der Pott war nur zwei Meter entfernt, wir mussten nur zufassen. Ludwig Kögl hat per Kopf das Führungstor erzielt. Ich habe aber der Mannschaft in der Halbzeit in der Kabine gesagt, dass das Spiel noch nicht entschieden ist. Aber die alten Hasen meinten, sie könnten das Spiel über die Runden schaukeln. Deshalb ist es schiefgegangen. Damals habe ich bei der Pressekonferenz gesagt: 'Gut, dass ich nichts mehr damit zu tun habe'. Zu dem Zeitpunkt stand schon fest, dass ich bei Bayern aufhöre."

Zu Ihren Trainer-Highlights gehört sicherlich auch die Zeit beim FC Barcelona, wo Sie den Europapokal der Pokalsieger mit Barca gewannen. Trotzdem gab es große Probleme mit Superstar Diego Maradona.

"Hintergrund war die Abfahrt zu einem Abschlusstraining. Alle waren da, nur Diego nicht. Ich bin abgefahren, habe ihn stehen lassen. Daraufhin ist Maradona zum Präsidenten und hat ihm erklärt, dass er mit mir nicht zusammenarbeiten könne und er lieber seinen Landsmann Cesar Luis Menotti haben möchte. Aber der war trotzdem nur sechs Monate in Barcelona."

Wie kam es zum Angebot durch den FC Barcelona?

"Nach dem Tod meines Sohnes habe ich den Dortmunder Präsidenten Reinhard Rauball gebeten, mich ziehen zu lassen. Ich brauchte eine neue Aufgabe, Barcelona war schon damals der schwierigste Klub, der mich 24 Stunden am Tag gefordert und dadurch auch abgelenkt hat. Ich musste außerdem eine neue Sprache lernen, habe das in drei Monaten geschafft, brauchte nie einen Dolmetscher und habe beim ersten Training in Camp Nou vor 45.000 Zuschauern eine kleine Rede in Spanisch gehalten."

Haben Sie es irgendwann bereut, nicht beim DFB geblieben zu sein. Schließlich hätten Sie Bundestrainer werden können?

"Normalerweise ist es zwar so, dass der Assistent Nachfolger von Bundestrainer Helmut Schön geworden wäre, aber es gab schließlich Dettmar Cramer. An dem wäre ich unter normalen Umständen nicht vorbeigekommen. Ich konnte nicht ahnen, dass sich Dettmar Cramer mit dem DFB überwirft und für den Posten auch nicht infrage kommen würde."

Wer wird Deutscher Meister im WM-Jahr 2010?

"Ich denke, es werden doch die Bayern schaffen. Ich finde es superstark von Trainer Louis van Gaal, wenn er erkennt, dass sein Weg nicht der richtige ist und dann die Meinung der Mannschaft mit einbezieht. Wenn er stur geblieben wäre, wäre er jetzt schon in Holland. Er hat zum richtigen Zeitpunkt die Zeichen der Zeit erkannt."

Hätten Sie Jupp Heynckes zugetraut, Bayer Leverkusen an die Tabellenspitze zu führen?

"Ich hatte dem Jupp nicht zugetraut, dass er nochmal zurückkommt. Er hat sich enorm geändert, ist lockerer geworden. Wir sind zuletzt gemeinsam zu einem Termin geflogen, da haben wir uns wunderbar verstanden. Das war nicht immer so. Das war unheimlich angenehm, es hat richtig Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu sein. Wenn es nur an Jupp liegt, dann schaffen sie es. Aber ich weiß nicht, ob die jungen Leverkusener nicht irgendwann aus den Latschen kippen."

Wie war das Verhältnis zum damaligen Cheftrainer Christoph Daum in Ihrer Zeit als Sportdirektor beim 1. FC Köln?

"Es gab nur einen Chef, und das war ich. Christoph hat dann kolportiert, er habe den Machtkampf gewonnen. Aber der war für mich gar kein Gegner."

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