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DFB: Verbandsstrukturen wie im Mittelalter

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"Den ganzen Laden auseinander nehmen"

10.03.2010, 17:38 Uhr | t-online, t-online.de

DFB: Verbandsstrukturen wie im Mittelalter. Stürzt der DFB-Präsident Theo Zwanziger über den Fall Amerell? (Foto: imago)

Stürzt der DFB-Präsident Theo Zwanziger über den Fall Amerell? (Foto: imago)

Während Theo Zwanziger zu Beginn der Affäre Amerell nahezu täglich eine Wasserstandsmeldung abgab und damit den Skandal um die sexuelle Belästigung im deutschen Schiedsrichterwesen unnötig befeuerte, hüllt sich der DFB-Präsident seit Tagen in Schweigen. Der Verband geht zwar in die Offensive und will Manfred Amerell nach dessen neusten Vorwürfen verklagen. Doch ist das alles nur Taktik? Platzt am Freitag gar in der Frankfurter Zentrale die Bombe und Zwanziger tritt zurück? Dann trifft sich die DFB-Spitze zu einer turnusmäßigen Präsidiumssitzung. Der Termin ist den 19 Mitgliedern seit längerem bekannt. Mittlerweile steht nicht nur Zwanziger in der Kritik, sondern der gesamte Verband mit seinen mittelalterlich wirkenden Machtstrukturen.

Klinsmann hat es schon längst gewusst 

„Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen.“ Das sagte Jürgen Klinsmann in einem Interview mit der „SZ“ Mitte Juli 2004. Damals stand noch nicht einmal fest, dass er die Nationalmannschaft bei der WM 2006 betreuen würde. Nie war Klinsmanns Aussage aktueller als heute. Während sich der Ex-Nationalcoach in der Folgezeit trotz einiger Veränderungen nach und nach die Zähne ausbiss am Riesenaperrat DFB, wird jetzt immer deutlicher, dass der größte Einzelsportverband der Welt mit seinen über 6,6 Millionen Mitgliedern dringend einer Grundsanierung in seinen Strukturen benötigt.

Führungsstil nach Gutsherrenart 

Exemplarisch dafür steht die Organisation der Referees. Zusammen mit Amerell und Lehrwart Eugen Strigel führte Volker Roth als Vorsitzender das Schiedsrichterwesen als eine Art „Geheimbund“, wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtete. Die Zeitung weiter: „Referees sagen unverblümt, dass Widerspruch gegen den Führungsstil der Troika nach Gutsherrenart nicht geduldet wurde.“ Bis zuletzt hat Zwanziger die schützende Hand über Volker Roth gehalten. Am Freitag auf der Präsidiumssitzung ist das Thema „Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens“ ein Programmpunkt. Dann könnte der 68-jährige Roth seinen Posten los sein.

Roth zeigt sich uneinsichtig 

Oder doch nicht? Karl Rothermund, Vorsitzender des Niedersächsischen Fußball-Verbandes, entkräftete in der „Süddeutschen Zeitung“ Rücktrittsgerüchte des Schiri-Bosses und berichtete von einem Gespräch mit Roth. Dieser sei sich keiner Schuld bewusst und habe alles „nach bestem Wissen und Gewissen gemacht“. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gabor sagte der "Sportschau", es sei bereits seit Jahren beim DFB bekannt gewesen, dass Amerell ein ganz spezielles Netzwerk innerhalb des Schiedsrichterwesens gespannt habe.

Massives Kommunikationsproblem 

Der DFB-Sitzung am Freitag wird sicherlich weitere Aufschlüsse bringen. Doch eine grundlegende Modernisierung der DFB-Strukturen scheint unter Zwanziger nicht möglich und wohl auch gar nicht vorgesehen. Zu sehr hat der 64-Jährige auch intern bereits verbrannte Erde hinterlassen und für radikale Reformen längst die nötige Rückendeckung verloren. Die von Zwanziger im Alleingang vollzogene Entmachtung des allerorts geschätzten Mediendirektors Harald Stenger, ist nur ein Beispiel von Vielen im „Intriganten-Stadl“, wie die Zeitschrift „11Freunde“ den Verband einmal bezeichnete. Seitdem hat der DFB ein massives Kommunikationsproblem, was nicht allein nur im Fall Amerell offen zutage tritt.

TSV 1860 München sauer auf den DFB

Jüngster Beleg: Anfang der Woche hatte der DFB in einer knappen Mitteilung über einen Manipulationsverdacht bei der Zweitliga-Partie vor einem Monat zwischen den Löwen und Rot Weiss Ahlen informiert mit der Notiz, dass ein Hinweis auf eine „möglicherweise beabsichtigte Spielmanipulation“ vorliege. Ohne Not und vor allem ohne jeglichen Beweis drängte der DFB zwei Vereine in die Ecke der Kriminalität. Kein Wunder, dass den Verantwortlichen der Kragen platzte. „Was sich da abspielt, ist nur noch abenteuerlich“, sagte Löwen-Coach Ewald Lienen der „Abendzeitung“ und sprach von „Rufmord“.

Jetzt meldet sich auch die Bundesliga zu Wort 

Lienen ist längst nicht mehr der einzige, der sich aus der Bundesliga kritisch gegenüber dem DFB zu Wort meldete. Zum Fall Amerell äußerte Bremens Boss Klaus Allofs: „Der DFB hat sich in dieser Angelegenheit überschätzt. Ich finde, man ist da zu sehr vorgeprescht. Man hätte grundsätzlich klären müssen, ob Amerell sein Amt tatsächlich missbraucht hat.“

19 Eitelkeiten auf einem Fleck

Das Thema Amerell dürfte auf der Präsidiumssitzung am Freitag das beherrschende Thema sein. Man kann sich vorstellen wie diese Sitzung verlaufen wird, wenn 19 Präsidiumsmitglieder dieses hochbrisante Thema diskutieren. 19 Mitglieder, 19 Eitelkeiten, 19 Aufgabenbereiche und 19 eigene, kleine Machtstrukturen, die es zu verteidigen gilt. „Hier redet jeder um den heißen Brei herum“, beschrieb Klinsmann vor sechs Jahren bereits die Situation beim DFB. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, schließlich will jeder in diesem Präsidium sein Pöstchen verteidigen.

Probleme werden ausgesessen 

„Uli Hoeneß hat mal den FC Bayern von einer Unternehmensberatung ansehen lassen, um herauszufinden, was man besser machen kann. So muss es jetzt beim DFB auch sein“, berichtete Klinsmann bereits vor über einem halben Jahrzehnt. „Man schaut, wo es nicht passt, und dann muss man Leute suchen, die das ändern können. Diese Leute gibt es.“ Es bleibt zu befürchten, dass Klinsis Visionen erneut nicht gehört werden. Im Aussitzen von Problemen waren deutsche Funktionäre schon immer weltmeisterlich in Form. 

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