09.04.2010, 16:11 Uhr | sid, sid
Theo Zwanziger kündigte feierlich das Comeback von Schiedsrichter Michael Kempter an, dann stärkte der DFB-Präsident Bundestrainer Joachim Löw demonstrativ den Rücken - doch mitten in die Harmonie platzten neue Attacken des ehemaligen Schiedsrichter-Beobachters Manfred Amerell. Der ehemalige Schiedsrichtersprecher griff Zwanziger nach der Ansetzung von Kempter für das Drittliga-Spiel SV Sandhausen gegen Holstein Kiel mit drastischen Aussagen an.
"Wenn Zwanziger Charakter hat, wird er sein Amt mit dem Untergang seines Kronzeugen Kempter verlieren. Es ist schon dreist, jemanden so kurzfristig anzusetzen, der die Öffentlichkeit belogen hat. Diese Nummer wird nach hinten losgehen. Seine Ansetzung ist ein Schlag ins Gesicht ehrlicher Menschen. Für einen Schiedsrichter ist es wichtig, ehrlich und glaubwürdig zu sein. Das ist Kempter nicht", sagte Amerell und warf Zwanziger "demagogische Aussagen" vor: "Dafür kann er mir ruhig wieder seine Anwälte auf den Hals hetzen."
Wenige Tage vor dem mit Spannung erwarteten Showdown vor Gericht in Augsburg, an dem Zwanziger nicht persönlich teilnehmen wird, behauptete Amerell, dass der DFB-Boss mit der Rückkehr von Kempter auf den Fußballplatz seinen "Kopf retten" wolle. "Das ist die Not des Herrn Zwanziger, der sein Amt nicht verlieren will. Da er sein Schicksal mit Kempter verbunden hat, zaubert er ihn jetzt aus dem Hut", sagte Amerell.
Zwanziger reagierte nach dem Bundestag gelassen. "Amerell ist ein Verrückter des Schiedsrichterwesens, das ist sein Leben. Ich habe Verständnis, dass für ihn da eine Welt zusammengebrochen ist, aber er hat den DFB freiwillig verlassen." Die Ankündigung, dass der 27-jährige Kempter am Samstag in der Fußball-Provinz sein Comeback feiern wird, kam sehr überraschend. Erst vor einigen Tagen hatte Kempter den offiziellen Leistungstest bestanden.
"Das ist für uns absolute Normalität, denn es gibt derzeit keine Vorwürfe, die gegen eine Ansetzung von Michael Kempter sprechen. Es gibt keine Erkenntnisse, die ihn auf irgendeine Art belasten. Er hat gezeigt, dass er körperlich und mental fit ist", sagte Zwanziger, der in den letzten Wochen trotz der ungeklärten Affäre um Amerell stets auf die Rückkehr Kempters gepocht hatte.
Nach der Bekanntgabe des Kempter-Comebacks sprach DFB-Boss Zwanziger unter dem Applaus der Delegierten mit Blick auf die WM in Südafrika auch Löw sein volles Vertrauen aus. Trotz der Anfang Februar geplatzten Vertragsverhandlungen hofft Zwanziger auf eine erfolgreiche WM. "Wir wissen, dass die WM die Kraft eines gesamten Verbandes fordert. Und eins möchte ich klar sagen: Zwischen diesen Bundestrainer und mich passt kein Blatt Papier", sagte Zwanziger.
Dass das Hauptaugenmerk des DFB-Bundestags eigentlich auf der Verabschiedung der Schiedsrichter-Reform lag, ging wegen der Causa Amerell trotz eines sehr emotionalen Vortrags von Herbert Fandel ein wenig unter. Erwartungsgemäß segneten die 252 anwesenden Delegierten bei der nur 90-minütigen Versammlung die Reform ohne Gegenstimme ab. Damit ist unter anderem auch der Weg frei für die neue Schiedsrichter-Kommission um den designierten Vorsitzenden Fandel, der auf der nächsten DFB-Präsidiumssitzung am 21. Mai inthronisiert werden soll.
Quelle: sid, sid
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