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Franck Ribéry ist kein Unschuldslamm

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Weltklasse - Die Kolumne  

Franck Ribéry ist kein Unschuldslamm

27.07.2010, 12:02 Uhr | t-online.de, t-online.de

Franck Ribéry ist kein Unschuldslamm. Franck Ribéry muss sein letztes Jahr noch einmal gut überdenken. (Foto: imago)

Franck Ribéry muss sein letztes Jahr noch einmal gut überdenken. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Von Jonny Giovanni

Franck Ribéry trainiere fleißig, heißt es aus München, und das ist ja schon mal ein Fortschritt zu letztem Sommer. Damals plagte ihn eine Blase am Fuß, vor allem aber die Sehnsucht nach Madrid, weshalb er vorübergehend in den Ausstand trat. Es war der Beginn seines persönlichen annus horribilis.

Sein Klub ließ ihn nicht weg, eine Verletzung folgte der anderen, und dann kam auch noch diese Geschichte an die Oberfläche, die aus dem April 2009. Als er sich an seinem Geburtstag mit einer Prostituierten vergnügte, die minderjährig war. Beziehungsweise sich als minderjährig herausstellen sollte.

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Um diesen feinen Unterschied geht es bei dem Verfahren, das gegen Ribéry nun in Frankreich läuft: Wusste er, dass Zahia Dehar noch keine 18 war, hätte er es zumindest wissen müssen? Oder konnte er davon erst später erfahren, als die Pariser Behörden den Fall im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen einen Ring organisierter (Minderjährigen-)Prostitution aufgriffen. Was immer sich letztlich als die Wahrheit herausstellt, eines ist diese Angelegenheit schon mal nicht: eine Bagatelle.

Hoeneß: "Ermittlungen lächerlich"

Als solche versuchen sie die Bayern hinzustellen, und es ist schon abenteuerlich, dass ausgerechnet ihr Präsident Uli Hoeneß dabei die markigsten Worte findet. Derselbe Hoeneß, der es einst mit seiner Moral nicht vereinbaren konnte, dass der Kokainist Christoph Daum zum Bundestrainer bestellt werden sollte, findet Ermittlungen wegen Prostitution Minderjähriger "dermaßen lächerlich". Natürlich, es ist nichts Neues, dass im Hoeneßschen Kosmos zwei Gesetzesordnungen gelten, eine für den FCB und eine andere für den Rest der Welt. Aber man hätte schon gedacht, dass der selbst erklärte Tugendwächter ("Dominik-Brunner-Stiftung") in so einem Fall seine Worte etwas sensibler abwägt.

Zumal die Affäre auch ohne strafrechtliche Relevanz schon unappetitlich genug wäre, um das Thema Vorbildwirkung von Fußballern ein für alle Male zu erledigen. Ein Familienvater begeht seinen Geburtstag nicht mit Frau und Kindern, sondern mit einer extra eingeflogenen Edelhure. Womöglich war es sein Schwager, der ihm dieses Vergnügen vermittelt hat. Und nach Angaben von Dehar soll er sich dabei so ordinär verhalten haben, dass sie danach mit Fußballprofis nichts mehr zu tun haben wollte. Man kann das alles als typische Folklore des Kickergeschäfts betrachten. Aber nur dann, wenn man sich über dieses sowieso keine Illusionen mehr macht.

Frankreich: Ablehnung für Ribéry

Die Franzosen sind keine traditionelle Fußball-Nation, und vielleicht liegt es daran, dass sie nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen wollen. Ganz bestimmt hat auch die sportlich wie moralisch verkorkste WM damit zu tun. Jedenfalls liegt auf der anderen Rheinseite die Bevölkerung überwiegend auf einer Linie mit ihrer Justiz. Zwei Drittel der Teilnehmer einer Umfrage wollen Ribéry nicht im Nationaltrikot sehen, so lange die Ermittlungen gegen ihn laufen (man sollte hinzufügen, dass weitere 20 Prozent seinen Einsatz für die "Bleus" aus sportlichen Gründen ablehnen). Verbandsführung wie Sportministerin Roselyn Bachelot vertreten dieselbe Haltung, und fürs erste ist der neue Nationalcoach Laurent Blanc dieser Maßgabe gefolgt. Zum Länderspiel nächste Woche in Norwegen hat er Ribéry nicht nominiert – die anderen 22 französischen WM-Teilnehmer allerdings auch nicht.

Die in der Fußballgeschichte wohl einmalige Strafaktion schuldet sich dem katastrophalen Auftritt in Südafrika. Vor allem der zwischenzeitliche Trainingsstreik der Spieler hat Blanc so deprimiert, dass er erwog, den Posten gar nicht erst anzutreten. Der Abwehrchef der auch menschlich großen Weltmeister-Elf von 1998 steht jetzt vor einer Herkulesaufgabe: er muss den "Saustall" (Bachelot) ausmisten, die "Generation Kanaille" (Philosoph Alain Finkielkraut) disziplinieren. Ob er dafür irgendwann wieder auf Ribéry setzen wird, hängt wohl auch von dessen Leistungen ab, darf aber momentan als völlig offen gelten.

Gourcuff aus dem Team gemobbt

Denn auch jenseits der Huren-Affäre hat die Nation derzeit kein gutes Bild von ihm. Seinen letzten bemerkenswerten Auftritt hatte er jedenfalls nicht in Kickerstiefeln, sondern in Adiletten. Mit denen befußt platzte er während der WM in eine Fernsehsendung, um seine Unschuld an den Vorfällen von Südafrika zu beteuern. Nein, er habe sich nicht mit Yoann Gourcuff geprügelt. Aber ob nun physisch oder bloß psychisch: Für die Berichterstatter beim Team stand fest, dass Ribéry gemeinsam mit Oberflegel Nicolas Anelka den Spielmacher von Girondins Bordeaux aus der Mannschaft gemobbt hat. Offenbar, weil der gut erzogene Bürgersohn zu wenig "Kanaille" war, wie quer durch Frankreich angemerkt wurde.

Gegenüber der Stimmung in seiner Heimat bedeuten die vom FC Bayern domptierten Medien in München ein wahres Paradies. Auch in Zukunft wird jede Kritik an Ribéry wohl im Hoeneßchen Wortschwall untergehen. Dahinter verbirgt sich für die Bayern allerdings ein veritables Problem. Anders als Blanc und die Nationalelf können sie Ribéry nicht einfach so entsorgen. Er steht bei ihnen noch fünf Jahre mit geschätzten zehn Millionen Euro pro Jahr auf der Payroll.

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