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Sportrechtsexperte Dr. Joachim Raim im Interview

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"Grätschen lösen keinen Schadensersatzanspruch aus"

11.10.2010, 17:33 Uhr | t-online, t-online.de

Sportrechtsexperte Dr. Joachim Raim im Interview. Dr. Joachim Raim ist Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Recht des professionellen Sports, Vertriebsrecht und Medizinrecht. (Foto: www.reno-lb.de)

Dr. Joachim Raim ist Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Recht des professionellen Sports, Vertriebsrecht und Medizinrecht. (Foto: www.reno-lb.de)

Das Interview führte Steffen Engesser

Strafanzeige nach Frustfoul? Nach brutalen Foulspielen ziehen Vereine und Spieler vermehrt die Möglichkeit in Betracht, den Übeltäter auch per Strafanzeige zu bestrafen. Zuletzt sorgte Kevin-Prince Boateng nach dem Foul an Michael Ballack für Schlagzeilen. Aktuell drohen Nigel de Jong rechtliche Konsequenzen. Nach seiner Attacke an Flügelstürmer Ben Arfa erstattete Olympique Marseille Anzeige gegen den niederländischen Nationalspieler.

Sollten Spieler für brutale Fouls auch unabhängig vom DFB-Kontrollausschuss belangt werden? Ist dies überhaupt möglich? t-online.de sprach mit dem Sportrechtsexperten Dr. Joachim Raim über Blutgrätschen, Schadensersatzforderungen und mögliche Erfolgschancen.

Frage: Ist es in Deutschland möglich, dass ein Verein einen Spieler verklagt?  

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Dr. Joachim Raim: Es ist grundsätzlich möglich. Es ist eine ganz normale Schadensersatz verpflichtende Handlung. Allerdings gibt es nach der deutschen Rechtssprechung dann nur unter sehr engen Ausnahmevoraussetzungen tatsächlich Schadensersatz. Es gibt nur sehr wenige Urteile, bei denen Spielern Schadensersatz zugesprochen wurden. 

Warum ist das so? 

Wegen der Rechtssprechung: Wer sich beim Fußball, das als Kampfspiel gilt, immanenten Gefahren aussetzt, der muss auch mit den Folgen leben, wenn diese im Rahmen des normalen Risikos sind. Selbst Grätschen oder ähnliche Aktionen lösen in der Regel keinen Schadensersatzanspruch aus. Es gab schon vereinzelt Fälle, wo selbst Spieler, die für das Foul eine Rote Karte bekommen haben, vom Gericht nicht für schadensersatzpflichtig befunden wurden. In Deutschland gibt es nur für ganz krasse, geradezu vorsätzliche Fouls Schadensersatz. 

Wie ist es bei einer Tätlichkeit?

Das ist was anderes. Wenn ich in der Mauer stehe und haue meinem Gegenspieler den Ellenbogen in die Nase, die dann bricht. Das würde für eine Schadensersatzklage reichen. Der Ball ist schließlich 9,15 Meter weg. Solche Dinge sind sicherlich jenseits der Grenze.

Wie sind die Erfolgschancen?

Es kommt immer auf den Fall an. Wenn die Aktion im Kampf um den Ball war, dann sind die Erfolgschancen abstrakt gesagt eher ungünstig, weil eine Einwilligung des Sportlers der Sport immanenten Gefahrensituation vorliegt. Das bedeutet: Wenn ich auf den Platz gehe, bin ich damit einverstanden, dass ich ein Risiko zu meinen Lasten verwirklichen kann, das ich umgekehrt auch darstellt. Nur wenn es krass gegen die Sportregeln verstößt oder gar vorsätzlich ist, also eine ganz normale Körperverletzung darstellt, dann hätte man in der Schadensersatzklage Erfolg. 

Wie häufig wird wegen sogenannter Grätschen oder anderer Fouls in Deutschland geklagt?

Es ist jetzt nicht so schrecklich oft. Allerdings muss man sagen, dass die Klagen auf so einem hohen Niveau eher die Ausnahmen sind. Meistens werden irgendwelche Amtsgerichte damit befasst, weil bei einem Kreisklassenspiel jemandem vorsätzlich die Nase gebrochen wurde. Im Profi-Fußball kommt so etwas eher selten vor. 

Sind Ihnen Fälle bekannt?

Ich habe vor vielen Jahren mal einen ehemaligen Bundesligaspieler vertreten, der einen anderen Spieler relativ rabiat gefoult hatte. Dieser war dann einige Monate verletzt und hatte natürlich dadurch Gehaltseinbußen gehabt. Das ganze hat sich dann aber außergerichtlich erledigt. Ich habe dem Anwalt des gefoulten Spielers die Rechtssprechung aufgeschlüsselt und dann auch nie mehr etwas gehört. Das war mal ein Bundesliga-Fall. Sonst ist mir auf höherem Niveau nichts bekannt.

Ist es ein Trend, dass der Sport immer mehr zu einer Frage der Justiz wird?

Nein, das kann man nicht sagen.

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