02.12.2010, 17:56 Uhr | t-online.de, t-online.de
Ein Kommentar von Jörg Runde
Die Glaubwürdigkeit des größten Sportwelt-Verbandes und seines Präsidenten Sepp Blatter wird schon seit Jahren angezweifelt, mit der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 ist sie endgültig komplett zerstört. Nicht die besten Bewerber England und die USA haben den Zuschlag erhalten, sondern die finanzstärksten. Also eben Jene, die zu den fragwürdigen, politischen Interessen der FIFA passen. Die Konzepte der WM-Gastgeber Russland (2018) und Katar (2022) landeten selbst bei der Beurteilung der technischen FIFA-Kommission auf den letzten Plätzen. Beide weisen erhebliche Mängel auf.
Russlands Verkehrskonzept zum Beispiel gilt als untauglich. Zuverlässige Flugverbindungen gibt es in dem riesigen Land kaum. Zudem müssen 13 der 16 Stadien neu gebaut werden, was eine Investition von rund 3,8 Milliarden Euro bedeutet. Während sich der Fußballfreund Russland mit gutem Willen noch als Standort für ein Fußballfest vorstellen kann, ist das im Falle von Katar auch mit viel Wohlwollen nicht umsetzbar.
Bis zu 50 Grad heiß wird es im Sommer in dem Wüstenstaat, der kleiner ist als das Bundesland Hessen. Die besten Kicker der Welt wird das in ihren Leistungen kaum beeinflussen, gespielt und trainiert werden soll nämlich in überdachten und klimatisierten Arenen. Die Scheichs werden bei der Umsetzung nicht sparen und hochmoderne Mehrzweckhallen präsentieren. Was sie mit ihren Milliarden allerdings nicht kaufen können, ist eine heitere Fußball-Atmosphäre.
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Schon jetzt ist also klar: 2018 und 2022 sind die Fußballfans die Leidtragenden. Dass dies für die abstimmenden Mitglieder der FIFA-Exekutive keine Rolle spielt, haben sie einmal mehr bewiesen. Ihnen geht es nur um die eigenen Interessen.
Geld und Macht sind die treibenden Motive. Daran ändert auch die vor der Bekanntgabe der WM-Gastgeber formulierte Aussage von Vize-Präsident Ángel Maria Villar Llona nichts: "Die FIFA arbeitet sauber und tut Dinge ehrlich."
Worte, die geradezu lächerlich klingen. Weil das Bild, das die FIFA seit Wochen abgibt, eine ganz andere Sprache spricht.
Die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) wurden suspendiert, weil sie ihre Stimme zum Kauf angeboten haben sollen. Zudem gab es gegen die Exekutivmitglieder Ricardo Texeira (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay) und Issa Hayatou (Kamerun) ernstzunehmende Bestechungsvorwürfe. Die Belege scheinen erdrückend. Vor einem ordentlichen Gericht werden diese Verdachtsfälle der Korruption aber wohl nie behandelt. Das lässt die Verbands-Organisation der FIFA nicht zu. Es ist höchste Zeit, dass sich daran etwas ändert.
Quelle: t-online.de, t-online.de
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