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Wettmafia wollte Torhüter vergiften

13.12.2010, 13:17 Uhr | sid, sid

Wettmafia wollte Torhüter vergiften. Die Fußball-Wettmafia schreckt auch vor härteren Maßnahmen nicht zurück. (Foto: imago)

Die Fußball-Wettmafia schreckt auch vor härteren Maßnahmen nicht zurück. (Foto: imago)

Die Fußball-Wettmafia hat versucht, unbestechliche Fußballer offenbar ernsthaft spielunfähig zu machen. Eine "Ohrfeige" für den Torwart, die "Chinesen" als Drohung: Im größten Wettskandal des europäischen Fußballs ging es nicht nur um unglaubliche Beträge, sondern auch um massiven Druck. Diese Details wurden am achten Verhandlungstag vor dem Bochumer Landgericht bekannt, als ein Angeklagter zudem zugab, im Monat "eine Million" für Fußballwetten ausgegeben zu haben.

Nach den Planungen der Wettmafia sollte der Torhüter des Regionalligisten SC Verl spielunfähig gemacht werden, weil er sich nicht an Manipulationen beteiligen wollte. Eine "Ohrfeige in der Disco" wurde ebenso in Erwägung gezogen wie "irgendetwas im Getränk, damit er nicht spielen kann", berichtete der Angeklagte Tuna A., dem wie drei weiteren Beschuldigten gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen wird.

"Ich habe einen Freund angerufen, der sollte ihn in der Disco zufällig treffen und ihm einen geben", erzählte Tuna A. Dieser Plan wurde jedoch vom Hauptverdächtigen Marijo C., der später angeklagt werden soll, verworfen. "Das fällt auf, hat er gesagt", berichtete der 55-jährige Türke, der von der Staatsanwaltschaft zum Führungskreis der Wettmafia gezählt wird: "Wir tun ihm irgendwas ins Getränk, doch das wurde abgeblasen."

500 Euro bei McDonald gezahlt

Mit dem Ersatztorwart sei man sich bereits über eine Spielmanipulation einig gewesen. Drei Spieler des SC Verl hatten, so der Angeklagte, bei McDonalds in Dortmund je 500 Euro Bestechungsgeld entgegengenommen. Druck übten die Beschuldigten bei ihrem Wettbetrug auch untereinander aus. So gab Tuna A. zu, den Mitangeklagten Stevan R. mit "Chinesen" gedroht zu haben. "Wenn es noch mal schiefgeht, wollen die Chinesen Adressen, dann bin ich auch dran", habe er ihm nach einer missglückten Manipulation gesagt.

Stevan R. soll, so die Anklage, den Kontakt zu den Verler Spielern hergestellt haben. Bei den Fußballwetten der Angeklagten ging es um unglaubliche Beträge. Nürretin G., der selbst sechs Wettbüros besaß und zu den Drahtziehern gehören soll, antwortete auf die Frage, wie viel er pro Monat eingesetzt habe: "Eine Million." Tuna A., der bei der spektakulären Schuldenübernahme des damaligen belgischen Zweitligisten Union Royale Namur als "Investor" auftrat, will im Jahr eine sechsstellige Summe gewettet haben.

Ermittlungen gegen 300 Personen laufen

In Bochum stehen im ersten Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball vier Angeklagte vor Gericht. Sie sollen 32 Spiele in Deutschland und dem europäischen Ausland manipuliert und hohe Beträge darauf gewettet haben. Insgesamt wird gegen rund 300 Personen ermittelt. Die Wetteinsätze sollen sich laut Staatsanwaltschaft auf 12 Millionen Euro, die erzielten Gewinne auf 7,5 Millionen Euro belaufen.

Am Mittwoch wird der Prozess mit der Befragung des Hauptverdächtigen Marijo C. fortgesetzt, gegen den bislang noch nicht Anklage erhoben wurde. Am 5. Januar ist Ante S., der bereits als Drahtzieher im Skandal um den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, als Zeuge geladen. Der Kroate soll erneut maßgeblich an den Manipulationen beteiligt gewesen sein.

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