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Ehemaliger Bundesliga-Profi Cichon im Wettskandal schwer belastet

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Elfmeter und Platzverweis als äußerstes Mittel

15.12.2010, 12:40 Uhr | dpa, sid, sid, dpa

Ehemaliger Bundesliga-Profi Cichon im Wettskandal schwer belastet. Provokateur: Für Thomas Cichon (links) seien auch Elfer und Platzverweise eine Möglichkeit der Manipulation gewesen. (Foto: imago)

Provokateur: Für Thomas Cichon (links) seien auch Elfer und Platzverweise eine Möglichkeit der Manipulation gewesen. (Foto: imago)

Schwere Vorwürfe gegen Thomas Cichon. Der ehemalige Bundesliga-Profi ist im Prozess um den größten europäischen Fußball-Wettskandal durch den mutmaßlichen Haupttäter Marijo C. massiv belastet worden. "Er wollte 100.000 Euro haben", berichtete der 35-Jährige, der von der Staatsanwaltschaft zusammen mit Ante S. als "Kernperson" des Skandals bezeichnet wird. Er habe Cichon in Osnabrück getroffen, bei dem Gespräch sei es konkret um Manipulationen der Spiele des Zweitligisten VfL Osnabrück gegangen.

"Cichon hat gesagt: Bei Abendspielen ist eine Manipulation leichter möglich, weil der damalige Torhüter Stefan Wessels dann Probleme mit den Augen hat", sagte Marijo C. am neunten Verhandlungstag aus. Der vermeintliche Chef-Koordinator gab zu, an Spielmanipulationen in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn und der Schweiz beteiligt gewesen zu sein. Die Initiative sei allerdings nicht immer von den Wettbetrügern ausgegangen.

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Cichon "hat gesagt, er hat Erfahrung"

"Es gibt viele Spieler, die Interesse an Manipulationen haben", sagte Marijo C. dem Gericht. Sie hätten dann auch aktiv mitgemacht. "Es gab Spieler, die tatsächlich eingegriffen haben, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen." Vor allem Cichon habe seine Bereitschaft gezeigt, bei Manipulationen mitzuwirken. "Er hat gesagt, er kennt sich aus, er hat Erfahrung." Cichon habe sogar signalisiert, dass er bereit wäre, als äußerstes Mittel schon in der ersten halben Stunde einen Elfmeter oder einen Platzverweis zu provozieren.

Neben Cichon habe er sich auch mit dem damaligen Osnabrücker Profi Marcel Schuon getroffen. Beide Spieler seien bestechlich gewesen: "Sie sind zu den Treffen gekommen, um über Spielmanipulation zu sprechen. Man musste sie nicht überreden. Sie haben ganz genau gewusst, um was es geht." Cichon, der derzeit bei den Moroka Swallows in Südafrika spielt, bestreitet, an Manipulationen beteiligt gewesen zu sein. Der geständige Schuon ist vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für 33 Monate gesperrt worden. Cichon, der bislang nur vom DFB vernommen wurde, muss nun mit weiteren Ermittlungen des Verbandes und einer möglichen Sperre rechnen.

Bundesliga - Video 
Wettbetrug in Bundesliga?

2009 soll ein Spiel zwischen dem VfL Bochum und Energie Cottbus manipuliert worden sein. Video

Auch WM-Qualifikationsspiel verschoben

Marijo C. soll Anfang 2011 angeklagt werden. "Gegen ihn liegen 160 Vorwürfe vor, 60 Fälle sind richtig konkret. Er gehört zur Champions League", sagte Staatsanwalt Andreas Bachmann. Laut dem Beschuldigten soll auch ein Qualifikationsspiel zur WM 2010 verschoben worden sein. Der mutmaßliche Haupttäter erklärte, dass das Spiel Liechtenstein gegen Finnland in der deutschen Gruppe 4 manipuliert wurde. "Wir haben das Länderspiel mit Schiedsrichter Novo Panic manipuliert", sagte der 35-Jährige. Nähere Angaben über die Partie am 9. September 2009 in Vaduz, die 1:1 endete, machte Marijo C. nicht.

Der bosnische Referee pfiff einen Elfmeter für Finnland, den Jari Litmanen verwandelte (73.) und zeigte dem Liechtensteiner Martin Büchel die Rote Karte (76.). Panic sollte auch das Qualifikationsspiel zur U21-EM zwischen der Schweiz und Georgien am 18. November 2009 manipulieren, was allerdings misslang. Panic wurde von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mittlerweile lebenslang gesperrt.

Kontakte zu korrupten Schiedsrichter-Obmann

Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre: Alle hingen angeblich mit drin. Die Kontakte zu einem angeblich korrupten Schiedsrichter-Obmann der UEFA will Marijo C. über einen Bekannten in Prag geknüpft haben. Außerdem habe er die Absprachen mit dem bosnischen Schiedsrichter der U 21-WM-Qualifikation zwischen der Schweiz und Georgien geführt. Beim DFB-Pokalspiel zwischen dem VfB Speldorf und Rot-Weiß Oberhausen (0:3) im August 2009 seien beispielsweise 25.000 Euro an drei Speldorfer Spieler gezahlt worden. "Die sollten mit mindestens drei Toren verlieren", sagte Marijo C.

Die Partie zwischen den slowenischen Vereinen Labod Drava Ptug und NK Nafta Lendava (4:1) sei seines Wissens nach sogar zwischen den Präsidenten der beiden Klubs abgesprochen worden. «Für diese Information habe ich 5000 Euro bezahlt", sagte Marijo C. im Prozess. Ein anderes Mal habe der Torwart des belgischen Zweitligisten Union Royal Namur 5000 Euro erhalten, damit er nicht spielt. "Er wollte nicht manipulieren", erklärte der 35-Jährige. Insgesamt habe ihn die Spielerbestechung vor der Begegnung mit Antwerpen im April des vergangenen Jahres 21.500 Euro gekostet. Wettgewinn: rund 80.000 Euro.

Anweisungen über Bewegungen

Das durchschnittliche Bestechungsgeld soll sich auf Beträge zwischen 5000 und 8000 Euro belaufen haben. Nur einmal hätte die Summe deutlich höher gelegen. Bei der Begegnung zwischen Gossau und Valduz in der zweiten Schweizer Liga hätten die Spieler zunächst nicht manipulieren wollen. "Die haben mir mehr Geld aus der Tasche geleiert." Die Besonderheit: Bei dieser Partie sollen Spieler beider Mannschaften bestochen worden sein. Einer der Spieler soll sogar genaue Anweisungen erhalten haben, wie er sich auf dem Fußballplatz zu bewegen habe. Das Schmiergeld habe sich am Ende auf 30.000 Euro belaufen. Angeblicher: Reingewinn: 100.000 Euro.

Drei Geständnisse

Zuvor hatte der dritte Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Der 35-jährige Stevan R. gab über seine Verteidiger zu, in drei Fällen an der Manipulation von Spielen beteiligt gewesen zu sein. Zudem gab der Serbe an, bei einer weiteren Partie sei eine Manipulation verabredet, aber nicht durchgeführt worden. Außerdem habe er Kenntnisse von einer weiteren Spielmanipulation, an der er selbst aber nicht beteiligt gewesen sei. Betroffen sind die Regionalliga-Spiele von Bayern Alzenau gegen SC Freiburg II, den VfR Aalen und die Stuttgarter Kickers sowie das U19-Spiel zwischen Schalke 04 und Arminia Bielefeld.

Auch Nürettin G. und Tuna A. gestanden ihre Beteilung im Wettskandal, daraufhin waren sie auf Kaution freigelassen worden. Nürettin G. hatte Cichon bereits schwer belastet. Die insgesamt vier Angeklagten sollen 32 Spiele in Deutschland und dem europäischen Ausland manipuliert und hohe Beträge darauf gewettet haben. Der Wettgewinn soll rund 1,6 Millionen Euro betragen.

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