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Cem Yazirlioglu ist Deutschlands kleinster Schiedsrichter.

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Kleiner Mann mit Mumm

27.12.2010, 17:36 Uhr | t-online.de

Cem Yazirlioglu ist Deutschlands kleinster Schiedsrichter.. Cem Yazirlioglu ist Deutschlands kleinster Schiedsrichter. (Foto: Christian Hahn)

Cem Yazirlioglu ist Deutschlands kleinster Schiedsrichter. (Foto: Christian Hahn)

Aus Berlin berichtet Martin Einsiedler

"Männer", sagt der Schiedsrichter in einem herrischen Ton, "habt ihr alle eure Schienbeinschoner an? Habt ihr die Ketten, Armbänder, Piercings entfernt – auch die Po-Piercings?" Die Spieler lachen. "Okay, dann auf geht's." Cem Yazirlioglu ist eine nicht ganz gewöhnliche Erscheinung auf den Berliner Sportplätzen. Was in erster Linie daran liegt, dass der 22-Jährige gerade einmal 1,38 Meter misst. Yazirlioglu ist der kleinste unter den circa 80.000 Schiedsrichtern in Deutschland. Er leidet an Hypochondroplasie, der häufigsten Form des Kleinwuchses.

Wer klein ist, heißt es, muss etwas mehr als andere um Aufmerksamkeit kämpfen. Yazirlioglu allerdings ist so klein, dass ihm die Aufmerksamkeit gewiss ist. "Es ist unglaublich, wie viele Menschen mich durch meine Schiedsrichter-Tätigkeit kennen. Immer wieder werde ich von irgendwelchen Leuten darauf angesprochen", sagt er.

"Es kommt schon mal ein doofer Spruch"

Es zeugt von einer ordentlichen Portion Mumm, dass Yazirlioglu seit fünf Jahren die Pfeife in den Mund nimmt. Denn in der Berliner Herren-Kreisliga geht es nicht gerade zimperlich zu. Schwer vorstellbar, dass er von Spielern und Zuschauern nicht des Öfteren verspottet wird. Yazirlioglu aber erzählt etwas anderes: "Klar werde ich mal dumm angeguckt oder es kommt auch mal ein doofer Spruch, aber ich bin noch nie beleidigt worden. Vor allem die Spieler respektieren mich." Das bestätigt auch Schiedsrichteransetzer Jens Dassow: "Cem hat keine Probleme, auf dem Platz seine Autorität zu wahren. Er wird von allen akzeptiert. Es ist schon erstaunlich, wie gut er das hinbekommt."

Yazirlioglu ist einer von insgesamt etwa 100.000 Kleinwüchsigen in Deutschland. Er hat die Krankheit von seinem Vater Dimyan geerbt. "Es ist nicht einfach, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen", sagt er. Sein Vater habe es früher noch viel schwerer gehabt. Yazirlioglus Methode, am besten mit seiner Kleinwüchsigkeit klarzukommen, ist auch gleichzeitig sein Naturell: Er ist offen und selbstbewusst, hat immer einen Spruch auf den Lippen. Die fehlenden Zentimeter scheinen deshalb auf dem Platz keine Rolle zu spielen. "Durch seine Art und seinen trockenen Humor schafft es Cem schnell, auf eine Ebene mit den Spielern zu kommen", erzählt Felix Roestel, ein Schiedsrichter-Kollege.

Yazirlioglu will in die Regionalliga

Dabei spielt Yazirlioglu keineswegs nur den Schiri-Clown. Er macht deutlich: "Wenn es sein muss, dann greife ich hart durch. Wichtig ist, die richtige Balance zu finden." Die größte Schwierigkeit besteht für ihn darin, einen freien Blick auf das Spiel zu bekommen. Yazirlioglu muss immer wieder von der idealen Lauflinie abweichen, um eine gute Sicht auf die Spielsituationen zu haben. "Ich kann die im Schiedsrichter-Lehrgang einstudierten Laufwege nicht streng befolgen. Ich muss Lücken finden, damit ich alles sehen kann."  Yazirlioglu läuft während einer Begegnung wesentlich mehr als seine Kollegen, zumal er wegen seiner Körpergröße ohnehin fast doppelt so viele Schritte machen muss. "Ich muss absolut fit sein, um ein Spiel leiten zu können."

Und fit ist er. Die physischen Tests für die Schiedsrichter in seiner Klasse hat er locker bestanden. Kein Wunder, Yazirlioglu war bis zur B-Jugend ein leidenschaftlicher Kicker. Dann allerdings ging es nicht mehr. "Ich habe meinen Stammplatz verloren, habe gemerkt, dass ich mit den anderen körperlich nicht mehr mithalten kann", erinnert  er sich. Mit einem Platz auf der Bank aber wollte er sich nicht abfinden. Yazirlioglu ist sehr ehrgeizig, auch als Referee hat er hohe Ziele. Später will er einmal Spiele in der Regionalliga leiten.

Manuel Gräfe ist sein Vorbild

Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt er an einer Schiedsrichter-Lehrgemeinschaft teil. Die Gruppe wird geleitet von FIFA-Schiedsrichter Manuel Gräfe. "Manuel ist ein absolutes Vorbild. Von ihm kann ich viel lernen", schwärmt Yazirlioglu. Die Schiedsrichter-Lehrgemeinschaft ist für ihn auch deshalb eine gute Sache, weil er hier seiner Leidenschaft, selbst Fußball zu spielen, nachgehen kann. Jeden Freitag trifft sich die Gruppe in der Polizeisporthalle in Berlin-Lankwitz.

So auch an diesem Freitag. Ein nettes Trainingsspielchen findet statt, Yazirlioglu ist teilweise einen halben Meter kleiner als die anderen. Plötzlich knallt es. Ein Spieler kommt mit vollem Tempo angerast und setzt zum Tackling an. Er trifft viel Ball und auch ein wenig Gegner. Es ist der unerschrockene Cem, der ordentlich hingelangt hat.

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