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Wettskandal: Bestechlicher Ex-Profi fürchtete um sein Leben

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Bestechlicher Ex-Profi fürchtete um sein Leben

04.01.2011, 15:30 Uhr | t-online.de, sid, t-online.de, sid

Wettskandal: Bestechlicher Ex-Profi fürchtete um sein Leben. Rene Schnitzler bekam Morddrohungen. (Foto: imago)

Rene Schnitzler bekam Morddrohungen. (Foto: imago)

Morddrohungen und Todesangst: Der frühere Zweitliga-Profi Rene Schnitzler hat mit einem umfassenden Geständnis einen erschütternden Einblick in die Abgründe des Wettskandals im Fußball gegeben. Der 25 Jahre alte Stürmer gab im Magazin "Stern" zu, von einem Wettpaten mehr als 100.000 Euro angenommen zu haben, um fünf Auswärtsspiele des FC St. Pauli zu verschieben. Allerdings bestreitet der Stürmer, wirklich eine der Zweitliga-Begegnungen im Jahr 2008 manipuliert zu haben.

Das Geständnis des vereinslosen Spielers liest sich dennoch wie ein Krimi. Unter anderem habe ein Begleiter des mutmaßlichen Wettpaten Paul R. gedroht, den spielsüchtigen Schnitzler "an einen Pfosten in der Elbe zu binden und auf die Flut zu warten". Ein Schuldeneintreiber habe Schnitzler eine Pistole an die Schläfe gehalten; der Profi habe in der Angst gelebt, entführt oder getötet zu werden. Spiele verschoben habe er dennoch nicht. "Ich habe Geld genommen, ja, aber ich habe nicht manipuliert."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagierten relativ gelassen und kündigten Prüfungen an. Die Offiziellen des FC St. Pauli, für den Schnitzler bis 2009 spielte, waren dagegen tief betroffen. "Das war ein Schock. Mit so etwas hätten wir nie und nimmer gerechnet", sagte Teammanager Christian Bönig. "Die Tatsache, dass man mit der Wettmafia in Berührung kommt, ist allein schon ein Schlag ins Gesicht. Da wird der Sport mit Füßen getreten. Unfassbar."

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St. Pauli ist geschockt

Der Verein habe die Spiele, die Schnitzler manipulieren sollte, bereits überprüft. "Sie waren alle nullkommanull auffällig. Rene Schnitzler hat wohl einen Betrüger betrogen. Hätte er die fünf Spiele manipuliert, hätten wir alle verloren", sagte Bönig. "Wir haben in Mainz (beim 2:2 am 23. November 2008, d. Red.) in der 90. Minute den Ausgleich gemacht. Das sagt doch schon alles." Die Staatsanwaltschaft Bochum, die im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte ermittelt, steht mit dem Verein in Kontakt.

Paul R., der den Profi anwarb, bezahlte und schließlich bedrohte, ist in Bochum kein Unbekannter: Laut "Stern"-Recherchen handelt es sich um einen 51 Jahre alten Niederländer, der eine zentrale Figur des Skandals ist. Auch mit dem mutmaßlichen Drahtzieher Mario C. hatte Schnitzler Kontakt - unter anderem am Flughafen von Amsterdam, den der Spieler angeblich in Todesangst verließ.

Spielsucht wird Schnitzler zum Verhängnis

Der Profi behauptet, in einer Zwickmühle gesteckt zu haben. Seit einem Kasino-Besuch in Aachen 2003 sei er spielsüchtig. Um seine Verluste auszugleichen, setzte er schließlich seine Karriere aufs Spiel. Am 15. Mai 2008 sei er von Paul R. in einem Hotel in Noordwijk angeworben worden. Ab diesem Tag war die Spirale nicht mehr aufzuhalten. Nach und nach verzockte Schnitzler das Geld des Paten, wurde bedroht, stimmte weiteren Manipulationen zu, dann begann alles wieder von vorn.

Dabei habe er, als am Anfang eine Begegnung nach Wunsch mit einer Niederlage geendet habe, gedacht: "Mein Gott, ist das einfach!" Dann lief es nicht mehr, und der Pate machte Druck. Schnitzler erhielt weiteres Geld, um Mitspieler zu bestechen - er leugnet, wirklich etwas davon ausbezahlt zu haben. Angeblich hat er alles verspielt, teilweise im Rausch, 36 Stunden am Stück.

Schnitzler zieht Mitspieler mit hinein

Das Problem: Paul R. wollte nun Spieler sehen, die eingeweiht sind. Zwei Kollegen spielten das Theater für Schnitzler mit. Dennoch wird dem Profi mit dem Tod gedroht. Schnitzler lässt sich "überreden", ein Spiel in Mainz zu verschieben, doch es endet 2:2. Danach erhält Schnitzler einen Anruf eines Wettbüro-Betreibers, der auch in die Deals involviert gewesen sein soll. "Sieh zu, dass du abhaust", sagt er, "Paul hat zwei Millionen Euro verloren." Am 8. Dezember wird Schnitzler von der Polizei aus dem Bett geholt, die einen Tipp bekommen hat - von Mario C.

Schnitzler: Mehrzahl der Top-Spieler sind Zocker

Schnitzler behauptet in diesem Zusammenhang auch, die Mehrzahl der Top-Spieler seien notorische Zocker. "Viele Profis haben gewettet wie Wahnsinnige. 70 oder 80 Prozent der Spieler einer Mannschaft setzen auf irgendwelche Partien in irgendwelchen Ligen." Aus seiner Zeit bei Bayer Leverkusen berichtet Schnitzler, ein Nationalspieler habe den Kollegen am Flughafen vor einem Testspiel gegen Legia Warschau einen Hut hingehalten: Jeder Profi sollte 500 Euro in den Jackpot einzahlen. "Da segelten die Scheine, mehr als 5000 Euro lagen drin. Und die hat der kassiert, dessen Koffer zuerst aufs Gepäckband fiel."

Zuletzt spielte Schnitzler beim NRW-Ligisten FC Wegberg-Beeck (5. Liga). Sein Vertrag dort wurde am 15. Dezember aufgelöst, offiziell, um ihm die Rückkehr in den Profifußball zu ermöglichen.

Die betroffenen Spiele:

18. Mai 2008: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 5:1 (3:0). Schnitzler hat nicht gespielt

6. September 2008: Hansa Rostock - FC St. Pauli 3:0 (1:0). Schnitzler spielte 90 Minuten

19. Oktober 2008: FC Augsburg - FC St. Pauli 3:2 (0:0). Schnitzler hat nicht gespielt

29. Oktober 2008: MSV Duisburg - FC St. Pauli 1:2 (0:0). Schnitzler hat nicht gespielt

23. November 2008: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 2:2 (0:1). Schnitzler wurde in der 75. Minute eingewechselt

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