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Wettskandal um Ante S.: Ein bis zwei manipulierte Spiele pro Woche

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Ante S.: Ein bis zwei manipulierte Spiele pro Woche

06.01.2011, 16:08 Uhr | sid, dpa, dpa, sid

Wettskandal um Ante S.: Ein bis zwei manipulierte Spiele pro Woche. Im Wettskandal wird gegen 300 Personen ermittelt. (Foto: imago)

Im Wettskandal wird gegen 300 Personen ermittelt. (Foto: imago)

Der Wettskandal um Ante S. hat unglaubliche Ausmaße und mafiöse Strukturen. Der berüchtigte Wettpate hat die Dimensionen offenbart und dabei den ehemaligen Bundesliga-Profi Thomas Cichon erneut belastet. "Der Umsatz lag bei einer Million Euro im Monat", sagte der 34-Jährige als Zeuge im Prozess vor dem Bochumer Landgericht aus. "Ich habe am Tag bestimmt 20 bis 30 Wetten gespielt, ein manipuliertes Spiel war ein-, zweimal die Woche dabei." Bei einzelnen Spielen habe er bis zu 400.000 Euro gewettet.

Ante S., der als Drahtzieher im Skandal um den ehemaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer 2005 zu Berühmtheit gelangt war, gilt erneut als Schlüsselfigur. Der in der Szene als "Navigator" bekannte Berliner wird von Staatsanwalt Andreas Bachmann als "ein Kopf der Bande" bezeichnet, "er brachte sein Wissen aus dem Hoyzer-Fall mit."

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Ante S.: "Cichon sollte versuchen, noch mehr Spieler anzuwerben"

Damals war er zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt und im Juli 2008 entlassen worden. Die FIFA-Schiedsrichter Novo Panic aus Bosnien-Herzegowina und der Ukrainer Oleg Orijechow hat Ante S. nach eigenen Angaben bestochen, mit dem ehemaligen Osnabrücker Cichon habe er zwar "nichts Konkretes gemacht", dennoch belastete er den Abwehrspieler erneut.

Er habe Cichon 2009 in einem Fast-Food-Restaurant persönlich getroffen, dabei sei es um Manipulationen der Spiele des Zweitligisten VfL Osnabrück gegangen. "Cichon sollte versuchen, noch mehr Spieler anzuwerben", sagte Ante S., "er hat gesagt, dass er sich umhören wollte."

Cichon bestreitet Kontakt zu Ante S.

Cichon hatte in einem Interview mit dem NDR jeglichen Kontakt mit dem mutmaßlichen Haupttäter bestritten. "Ich habe nie Kontakt zu S. gehabt, weder telefonisch noch per SMS. Zu 99,9 Prozent habe ich S. auch nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden", sagte Cichon, der derzeit in Südafrika bei den Moroka Swallows spielt.

Ante S. hatte ausgesagt, dass Cichon das Osnabrücker Zweitliga-Spiel am 17. April 2009 beim FC Augsburg (0:3) manipuliert habe. "Das erste Tor ging glasklar auf die Kappe von Cichon, da ist manipuliert worden", sagte Ante S., Cichon sei der "Wortführer" und "Häuptling" gewesen. Nach dem Treffen in Osnabrück, an dem auch der damalige VfL-Profi Marcel Schuon teilgenommen habe, habe er über den Mittelsmann Ivan P. telefonisch, über Skype und per SMS Kontakt mit Cichon gehalten, behauptete Ante S.: "Ich habe Ivan instruiert, das und das zu schreiben."

20.000 bis 25.000 Euro für die Spieler

Der mutmaßliche Boss der Wettbetrüger hielt Cichon aber nicht für zuverlässig: "Ich habe gesehen, dass ich mich auf ihn nicht wirklich verlassen konnte." Bei den Kontakten sei es um Beträge von 20.000 bis 25.000 Euro pro Spieler gegangen, sagte Ante S.. Weil aber nur zwei Osnabrücker Spieler manipulationsbereit gewesen seien, habe er persönlich keine Manipulation vereinbart.

Zuvor hatten bereits der in Bochum angeklagte Nürettin G. und der ebenfalls als Haupttäter geltende Marijo C. Cichon schwer belastet. Während der geständige Schuon zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt und vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für 33 Monate gesperrt wurde, wurde Cichon bislang lediglich vom DFB vernommen.

Ante S. ist angeblich nicht reich geworden

Wettpate Ante S., der seit November 2009 in Untersuchungshaft sitzt und in Kürze angeklagt werden soll, will trotz seiner Millionen-Umsätze und der Spielmanipulationen nichts verdient haben. "Mal gewinnt man, mal verliert man", antwortete er auf die Frage, ob er ein reicher Mann geworden sei: "Letzten Endes hat es mir nichts gebracht."

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht werden vier Angeklagte beschuldigt, 32 Spiele im In- und Ausland manipuliert und darauf gewettet zu haben. Die mutmaßlichen Haupttäter Ante S. und Marijo C., denen mehr als 200 Fälle zur Last gelegt werden, sollen "in den nächsten Tagen" angeklagt werden.

Der kommende Prozess wird umfangreicher und brisanter als der aktuelle werden. "Wenn man bedenkt, dass gegen 300 Leute ermittelt wird und momentan nur vier Leute vor Gericht stehen, wird klar, wie viel Arbeit noch vor uns liegt", sagte Staatsanwalt Andreas Bachmann. Ivan P., der als Mittelsmann zwischen Ante S. und Marijo C. agiert haben soll, ist derzeit auf freiem Fuß und verfolgte den Prozess in Bochum sogar als Besucher.

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