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WM 2022: Sidka will eine "WM des Nahen Ostens"

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Sidka: Katar sollte einige WM-Spiele abgeben

25.02.2011, 09:30 Uhr | t-online.de, t-online.de

WM 2022: Sidka will eine "WM des Nahen Ostens". Wolfgang Sidka kennt sich aus in der arabischen Fußball-Welt. (Foto: imago)

Wolfgang Sidka kennt sich aus in der arabischen Fußball-Welt. (Foto: imago)

Das Interview führte Marc L. Merten

Wolfgang Sidka ist Deutschlands Experte Nummer eins in Sachen Katar. Als irakischer Nationaltrainer war er im Januar zum Asien-Cup vor Ort. Er hat mit Al-Arabi und Al-Gharafa zwei katarische Erstliga-Vereine trainiert. Und er kennt als ehemaliger Nationaltrainer Bahrains auch die Nachbarstaaten wie seine Westentasche. Im Interview mit t-online.de spricht der ehemalige Bundesliga-Profi von Werder Bremen Klartext und sagt: Katar die WM 2022 ausrichten zu lassen ist, als ob sich Bremen zusammen mit Delmenhorst daran versuchen würde.

t-online.de: Herr Sidka, was war Ihr erster Gedanke, als Sie hörten, die WM 2022 würde in Katar stattfinden?
Sidka: Ich dachte: OK, 2010 war es Südafrika und der afrikanische Kontinent. Jetzt boomt der Nahe Osten, also geht die WM dorthin. Eine politische Entscheidung eben.

Also alles weiter nach dem Motto "Auf zu neuen Ufern"?
Fußball ist in dieser Region eine große Nummer, das darf man nicht unterschätzen. Das erlebe ich auch aktuell im Irak. Das Land ist vom Krieg gebeutelt, aber der Fußball steht ganz oben. In Katar ist das noch mal anders. Katar ist ein Wohlstandsland, hat mit dem Krieg nichts zu tun. Deswegen hat sich der Fußball da auch noch mal anders entwickeln können. Die wissen extrem gut bescheid. Aber woran es einfach mangelt, sind die Zuschauer. Das ist das Problem, auch wenn es leicht zu erklären ist, weil Katar eben nur knapp eine Million Einwohner hat. Dennoch ist der Sport bei den Einheimischen unglaublich beliebt, jedes Kind spielt Fußball. Da sehen sie noch echten Straßenfußball.

Und dennoch bedeutet das, dass die WM in einem Land stattfinden wird, das selbst nur einen ganz geringen Teil der Zuschauer stellen wird.
Das halte ich für das absolut größte Problem. Wie wollen die Kataris die Stadien voll kriegen? Und es werden auch nicht so viele Deutsche, Franzosen, Engländer und Spanier kommen wie zu anderen Weltmeisterschaften. Die Stadien werden sich nur schwer füllen lassen.

Hätten Sie eine Lösung parat?
Katar könnte die WM zu einer Weltmeisterschaft des Nahen Ostens machen und einige Spiele nach Dubai, Abu Dhabi und Bahrain abgeben. So würden sich mehr Menschen dazugehörig fühlen. Das sollte die FIFA mal diskutieren. Dann hätte der ganze Nahe Osten was davon.

Womit auch das Platzproblem gelöst wäre.
Ja, schauen Sie mal, Doha ist nur so groß wie Bremen. Man muss sich nur mal vorstellen, Bremen und ein paar Vororte wie Delmenhorst würden eine WM ausrichten. Ich bin mir sicher, dass sich da noch einiges ändern wird. Aber es sind ja auch noch elf Jahre Zeit.

Eine Frage des Geldes sind die notwendigen Maßnahmen vor Ort auf jeden Fall nicht.
Nein. Ich kenne den Kronprinz von Katar, der für die Sportförderung zuständig ist. Das ist ein junger Mann und total sportbegeistert. Deswegen investiert Katar ja auch so viel in den Sport und holt gerade eine Weltmeisterschaft nach der anderen. Ob Fußball, Tischtennis oder Handball: Die wollen sich dadurch ausdrücken, sich profilieren.

Ein wahrhaft heiß diskutiertes Thema sind die Temperaturen. Sie kennen dank ihrer Erfahrungen im katarischen Vereinsfußball alle Jahreszeiten. Was sind Ihre Erfahrungen?
Wir haben den Asien-Cup jetzt im Januar gespielt, da waren es 20 bis 23 Grad. Das war absolut perfekt. Ich plädiere daher ganz klar dafür, sich das mit der Sommer-WM noch mal zu überlegen. Im Juni oder Juli zu spielen wäre für die Spieler, aber auch für die Fans ein großes Problem. Die Menschen würden sich nur in den vollklimatisierten Hotels aufhalten, vielleicht noch in den Shopping Malls. So steigert man vielleicht Umsatz. Aber sinnvoll wäre das nicht. Würde die die WM im Januar oder sogar schon Dezember ausgetragen, könnten sie es sich auch sparen, klimatisierte Stadien zu bauen und die Trainingsbedingungen anzupassen. Denn die Spieler müssen ja auch irgendwie trainieren können.

Wie sehen die Trainingsbedingungen denn überhaupt aus?
Perfekt! Die Plätze, im Stadion wie auf dem Trainingsgelände, sind absolut großartig. Da kann selbst Deutschland kaum mithalten. Alles, was die Fußball-Infrastruktur betrifft, ist auf sehr hohem Niveau.

Und was erwartet die europäischen Fans in einem Land wie Katar?
Die Fans werden ihr Fan-Sein schon ausleben können. Es gibt ja in Katar selbst auch Fans, die mit Trommeln und anderen Instrumenten ins Stadion gehen und ihre Mannschaften anfeuern. Der Ausschank von Alkohol wird allerdings kanalisiert. Bars und Pubs gibt es zwar auch in den meisten Hotels. Die Vielfältigkeit des Angebots, wie wir es in Europa kennen, ist aber nicht gegeben.

Worauf müssen sich die Fans noch einstellen, zum Beispiel hinsichtlich arabischer Gepflogenheiten?
Wenn die Fans sich einigermaßen anständig benehmen und respektvoll den Gastgebern gegenübertreten, dann gibt es da überhaupt keine Schwierigkeiten. Abgesehen davon leben in Katar mittlerweile sehr viele Europäer. Da sehe ich überhaupt keine Probleme, einzig vielleicht betrunkene randalierende Fan-Gruppen – aber die gibt es ja leider fast überall. Und was die arabischen Gepflogenheiten angeht, ist alles international angepasst. Da sind die mittlerweile recht tolerant.

Auch in der Frage der Frauen?
Das hat sich entwickelt. Auch Frauen gehen mittlerweile ins Stadion, ob verschleiert oder die Jugendlichen mittlerweile auch unverschleiert. Man sollte vielleicht nicht allzu freizügig herumlaufen, aber Frauen sind keine Seltenheit mehr im Stadion.

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