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Wissenschaftlich bewiesen: Es gibt den Heimschiedsrichter

06.04.2011, 13:37 Uhr | dpa

Heimschiedsrichter: Es gibt ihn - wissenschaftlich bewiesen. Schiedsrichter Guido Winkmann wehrt sich gegen Proteste. (Foto: imago)

Schiedsrichter Guido Winkmann wehrt sich gegen Proteste. (Foto: imago)

Das Tor fiel mit dem Schlusspfiff. In der zweiten Minute der Nachspielzeit schoss Milivoje Novakovic die Kölner kürzlich zum 1:0-Sieg über Nürnberg und damit zum siebten Erfolg in Serie im eigenen Stadion. Ein klassischer Fall von Heimstärke - aber auch von Heimvorteil? Hätte längst abgepfiffen werden müssen? Oder das Beispiel der Gelben Karten: Von insgesamt 33 gingen an diesem 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga zwei Drittel an Auswärtsmannschaften. Zufall, oder werden die anreisenden Teams benachteiligt?

Diese jeden Spieltag heiß diskutierte Frage beantworten Experten nach jahrelanger Forschung jetzt mit einem grundsätzlichen Ja. Studien von Sportwissenschaftlern und Ökonomen kommen alle zu dem selben Ergebnis. "Dieser Typ der Verzerrung ist weit verbreitet in allen professionellen europäischen Fußballligen und auch in den USA", stellt Thomas Dohmen fest. Der Leiter des Forschungsinstituts für Arbeitsmarkt und Berufsbildung der Universität Maastricht hat für seine Studien zum Phänomen des Heimvorteils Daten aus zwölf Bundesliga-Spielzeiten ausgewertet. Er stellt aber auch klar: Die Benachteiligung erfolgt immer unbewusst.

Mehr Zeit für den Gastgeber

Durchschnittlich 22 Sekunden Extra-Nachspielzeit geben Schiedsrichter beispielsweise, wenn das Heimteam mit einem Treffer zurückliegt. "Das ist genau die Zeit, die man braucht, um noch einmal vors Tor zu kommen - es kann also entscheidend sein", sagt Dohmen.

Auch von fälschlicherweise gegebenen Elfmetern und Toren profitierten seinen Auswertungen zufolge öfter die Gastgeber. Gelbe Karten gehen dagegen häufiger an die Spieler der angereisten Teams. Statistisch sähen sie eine "halbe" Gelbe Karte mehr pro Spiel als die Heimmannschaft, sagt Daniel Memmert, Leiter des Instituts für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. "In Prozenten umgerechnet ist das schon eine richtige Hausnummer."

Fan-Lautstärke spielt eine Rolle

Wichtigster Faktor ist dabei der Zuschauerlärm. Experimente hätten gezeigt, dass Schiedsrichter bei lauter Geräuschkulisse eher geneigt sind, Karten zu zücken, berichtet Sportwissenschaftler Memmert. "Im Unterbewusstsein wird das Geräusch als Zeichen gewertet, dass doch etwas war, was eine Gelbe Karte verdient." Je mehr Zuschauer und je näher sie am Spielfeld sitzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Spielverzerrung.

All das liege aber weniger an den Unparteiischen als am Geschehen auf dem Platz, sagt der ehemalige Profireferee Lutz Michael Fröhlich, der heute die Schiedsrichterabteilung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) leitet. "Es liegt an den unterschiedlichen Spielsystemen der Mannschaften." Die Auswärtsmannschaft stehe meistens unter Druck, müsse mehr verteidigen, und foulte dementsprechend auch mehr.

Referees üben mit Geheimprogrammen

Der DFB will das Problem trotzdem angehen. Schon jetzt stehe das Thema immer wieder auf der Agenda der Schiedsrichterausbildung und fließe auch in jede Beurteilung mit ein, sagt Fröhlich. Die Kölner Sporthochschule entwickelt zudem - streng geheime - Programme, mit denen Schiedsrichter ihr Unterbewusstsein trainieren können. "Das ist eine Verzerrung, die zu Entscheidungen beiträgt, die nicht korrekt sind", sagt Memmert. "Deswegen muss man das angehen, um das Spiel für alle Beteiligten objektiver gestalten zu können."

Allerdings habe der statistisch nachweisbare Heimvorteil auch von alleine in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter abgenommen, sagt Memmert. Zum einen, weil die Anreise der Mannschaften bequemer funktioniert, zum anderen weil das Medieninteresse für Auswärtsmannschaften inzwischen häufig genauso groß ist wie bei einem Heimspiel des Teams.

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