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Schiedsrichter spricht nach Würge-Attacke

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"Ich will die Sachen aus dem Kopf kriegen"

28.04.2011, 10:54 Uhr | t-online.de

Schiedsrichter spricht nach Würge-Attacke. Alexander Kluge, hier bei einem früheren Spiel, ist seit acht Jahren Schiedsrichter. (Foto: privat)

Alexander Kluge, hier bei einem früheren Spiel, ist seit acht Jahren Schiedsrichter. (Foto: privat)

Das Gespräch führte Sebastian Schlichting

Alexander Kluge ist seit acht Jahren Schiedsrichter. Er pfeift in der Bremen-Liga (5. Liga) und der Landesliga. Größere Probleme hatte er auf dem Feld nie. Innerhalb von knapp zwei Wochen musste der 24-Jährige jetzt aber zwei Spiele abbrechen, wurde dabei einmal sogar von einem Torwart gewürgt. Im Interview mit t-online.de spricht Kluge, der als Trainer im Nachwuchsbereich von Werder Bremen arbeitet, über die Attacken auf dem Rasen und erklärt, warum er trotzdem gleich wieder pfeift. (Daten und Fakten: Alles zur Bremen-Liga)

Herr Kluge, wo sind Sie eigentlich am kommenden Sonntag?
Alexander Kluge: In Borgfeld. Ich pfeife das Landesliga-Spiel zwischen dem SC Borgfeld und LTS Bremerhaven.

Sie mussten in diesem Monat zwei Spiele abbrechen, zuletzt am Karfreitag. Trotzdem wollen Sie gleich weiterpfeifen?
Nach dem zweiten Abbruch hatte ich meinen Ansetzer angerufen und mich für das jetzige Wochenende rausnehmen lassen. Aber schon Sonntagabend war mir klar, dass ich doch pfeifen will. Montag hab ich dem Ansetzer Bescheid gesagt. Ein Fußballer denkt nach einem Spiel ans Nächste, so ist das bei mir auch: Ich will die Sachen aus dem Kopf kriegen und nicht mehr darüber nachdenken.

Karfreitag haben Sie das Pokalspiel zwischen dem Blumenthaler SV und dem SC Vahr-Blockdiek abgebrochen. Was war genau passiert?
Es war zunächst ein ganz normales Pokalspiel, Vahr-Blockdieck war als unterklassige Mannschaft natürlich ziemlich motiviert. Ein paar Spieler haben viel geredet, aber das war alles kein Problem. Ich musste nur eine Gelbe Karte zeigen.

Dann erzielte Blumenthal in der 50. Minute das 3:1.
Für mich ein reguläres Tor. Vahrs Spieler waren aber aufgebracht, selbst der Torwart kam über 20 Meter auf mich zugerannt. Ich hab ihm Gelb gegeben. Das sorgt meistens für Ruhe.   

Diesmal nicht.
Nein, er war total aufgedreht und hat mich weiter beschimpft. Also habe ich ihm Gelb-Rot gezeigt und mich weggedreht, um die Karte zu notieren. Plötzlich bekam ich einen Schlag von hinten, halb ins Gesicht, halb seitlich.

Es hieß, dass Sie sogar gewürgt wurden.
Das ging alles ganz schnell. Aber ich würde sagen, das ist nicht übertrieben. Dass es der Torwart war, habe ich sofort an den Handschuhen gemerkt. Schmerzen hatte ich keine, aber ich war total geschockt und bin sofort zu Boden gegangen. Da gab es für mich nur eine Entscheidung: Abbruch.

Wie waren die Reaktionen auf dem Platz?
Ich bin mit meinem Gespann  sofort in die Kabine gegangen.  Der Vorsitzende von Vahr und mehrere Spieler kamen später zu mir und haben sich entschuldigt.

Der Torwart ist inzwischen lebenslang gesperrt worden. Wie sehen Sie dieses Urteil?
Ich habe früher selbst Fußball gespielt und weiß, wie es manchmal zugeht. Daher befürworte ich Emotionen der Spieler total. Aber so ein tätlicher Angriff geht eindeutig zu weit. Ich halte das Urteil für angemessen, denn man sollte eins nicht vergessen: Fußball ist unser Hobby, wir sind Amateure, es geht um Spaß.

Der aber zumindest in den letzten Wochen bei Ihnen zu kurz kam. Knapp zwei Wochen vor dem Pokalspiel  ist Ihnen in der Landesliga  bei der Partie ATSV Sebaldsbrück gegen OT Bremen etwas ganz ähnliches passiert.
Nachdem ich zuvor  in acht Jahren noch nie wirklich Probleme hatte. Kurioserweise waren auch die Umstände ähnlich. Das Spiel war ruhig, aber als ich kurz vor Schluss einen Elfmeter gegeben habe, ist der Torwart von OT Bremen ausgerastet: Er hat mich beleidigt und über den halben Platz gebrüllt. An sich sind bei einem Schiri die Augen größer als die Ohren, wir hören auch mal über Sachen hinweg. Aber da konnte ich nicht weghören.

Sie haben ihm Rot gezeigt…
Daraufhin wollte er auf mich losgehen, wurde aber von seinen Teamkollegen weggedrängt. Ich fühlte mich jedoch bedroht, also habe ich das Spiel beendet. 

Haben sich die beiden Torhüter bei Ihnen entschuldigt?
Nein, ich habe nichts von ihnen gehört.

Hatten Sie nach dem zweiten Vorfall überlegt, als Schiedsrichter aufzuhören?
Überhaupt nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass ich den Spaß behalte. Ich freue mich jetzt schon auf das Spiel am Sonntag. Ich bin mir auch keiner Schuld bewusst. Beim ersten Spielabbruch habe ich vom Beobachter sogar eine überdurchschnittlich gute Bewertung bekommen.

Sie pfeifen seit acht Jahren. Ist es für die Schiedsrichter im Amateurbereich seitdem schwerer geworden?
Das kann ich nicht pauschal beantworten. Es gibt manchmal Spieler, die machen es einem schwer. Aber ich kann nicht sagen, dass es in der einen oder anderen Liga oder bei bestimmten Vereinen besonders schlimm ist.  Das waren jetzt zwei Vorfälle in kurzer Zeit. Dass es mich zweimal getroffen hat, ist Pech.

Angenommen, jemand ist jetzt 15 oder 16 und fragt Sie, ob er anfangen soll zu pfeifen. Was würden Sie raten?
Ich würde jedem raten, es zu versuchen. Schiedsrichter sein ist sicher nichts für jeden. Mein Bruder beispielsweise hat irgendwann aufgehört. Aber jeder, der Spaß dran hat, sollte es probieren. 

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