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FIFA-Skandal: Neue Bestechungsvorwürfe aus England

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Blatter: "Wir müssen jetzt schnell handeln"

11.05.2011, 19:48 Uhr | sid

Schmiergelder, Adelstitel, TV-Rechte: FIFA-Mitglieder sind im Vorfeld der Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2022 angeblich mit abstrusen Forderungen an die Bewerber herangetreten. Die neuen, pikanten Details im Korruptionsskandal setzen den Fußball-Weltverband drei Wochen vor der Kampfabstimmung zwischen Präsident Joseph S. Blatter und Herausforderer Mohamed Bin Hammam noch massiver unter Druck.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssten Russland (2018) und Katar (2022) sogar um ihre WM-Gastgeberrollen fürchten. "Wir müssen jetzt schnell handeln. Wir haben in drei Wochen einen Kongress und müssen uns davor mit dieser Sache beschäftigen", sagte Blatter dem Fernsehsender "Al-Jazeera".

Kritik an der "von Grund auf verdorbenen" FIFA

Die britischen Medien überschlugen sich mit Kritik an der "von Grund auf verdorbenen" FIFA, nachdem Lord David Triesman in einer Anhörung vor dem britischen Parlament vier hochrangige FIFA-Mitglieder der Manipulation beschuldigt hatte. Der frühere Präsident des englischen Verbandes FA und Ex-Chef der gescheiterten englischen WM-Bewerbung für 2018 nannte in diesem Zusammenhang die Namen der FIFA-Exekutiv-Mitglieder Jack Warner, Nicolas Leoz, Ricardo Teixeira und Worawi Makudi.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wollen die unterlegenen WM-Bewerber England und Australien über eine Klage nachdenken, die die WM-Vergabe erschüttern könnte. Triesmann nannte konkrete Beispiele. So habe Warner für den Bau eines Ausbildungszentrums in seiner Heimat 2,78 Millionen Euro gefordert. Dann hätte England im Rennen um die WM 2018 seine Stimme erhalten. Das Geld hätte über Warner laufen sollen. Das habe man laut Triesmann vehement abgewiesen.

"Komm' und sag' mir, was Du für mich hast"

Der Paraguayer Leoz wollte in den Ritterstand erhoben werden. Auch dieser absurde Wunsch wurde nicht erfüllt. Der Thailänder Makudi hatte es auf die lukrativen Medienrechte an einem Länderspiel zwischen Thailand und England in Bangkok abgesehen. Und der Brasilianer Teixeira, verantwortlich für die WM 2014, soll direkt zu Triesmann gesagt haben: "Komm' und sag' mir, was Du für mich hast". Darüber hinaus bestätigte Parlamentsmitglied Damian Collins, dass es Beweise für Bestechungszahlungen in Höhe von rund einer Million Euro an den FIFA-Vize Issa Hayatou aus Kamerun und den Ivorer Jacques Anouma gebe.


Dabei hatte FIFA-Boss Blatter, der am 1. Juni beim Kongress in Zürich im Duell mit Herausforderer Bin Hammam wiedergewählt werden will, erst vor wenigen Tagen im Gespräch mit dem Interpol-Generalsekretär Ronald Noble verkündet, dass der Weltverband 20 Millionen Euro für den Anti-Korruptionskampf spenden will. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke zeigte sich sehr besorgt und schickte dem englischen FA-Boss David Bernstein sowie der "Sunday Times" einen Brief. In dem Schreiben forderte Valcke die FA und die Reporter auf, der FIFA alle etwaigen Beweise für Bestechungen im Zuge der WM-Vergaben 2018 und 2022 zukommen zu lassen.

Bin Hammam geht in die Offensive

Mohamed Bin Hammam, Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation AFC und Gegenkandidat von Blatter im Kampf um das FIFA-Präsidentenamt, wehrte sich vehement gegen den Verdacht, Katar hätte für die WM-Vergabe Stimmen gekauft. "Wir haben nichts dergleichen getan. Wenn jemand unseren guten Ruf zerstören will, dann muss er Beweise liefern. Aber es gibt keine Beweise", sagte Bin Hammam.

Auch der Brasilianer Teixeira ging nach den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in die Offensive. Der Präsident des brasilianischen Fußballverbandes CBF strengt eine Klage gegen Triesman an. Der 63-Jährige Teixeira bezeichnete die Vorwürfe als "absurd" und als kläglichen Versuch, das Scheitern Triesmans bei der Vergabe der Endrunden 2018 und 2022 im Dezember vergangenen Jahres zu vertuschen.

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