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Thomas Broich: "Die Leidenschaft für den Fußball ist zurück"

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Fußball  

"Es ist nicht alles nur Dolce Vita"

21.06.2011, 09:10 Uhr | t-online.de

Thomas Broich: "Die Leidenschaft für den Fußball ist zurück". Thomas Broich hat den Spaß am Fußball wieder entdeckt. (Foto: imago)

Thomas Broich hat den Spaß am Fußball wieder entdeckt. (Foto: imago)

Das Interview führte Mark Weidenfeller

Thomas Broich galt einst neben Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger als hoffnungsvollstes deutsches Talent im Hinblick auf die WM 2006. Doch er hatte keine Lust darauf, ein Leistungsträger zu sein und sich dem Profigeschäft anzupassen. Broich liebt Bücher, Kunst und die Musik. Sein Ruf als Fußball-Intellektueller machte ihn mehr und mehr zum Außenseiter. Im Sommer 2010 leidet Broich an Depressionen und beschließt, in Australien ein neues Leben zu beginnen. Diese außergewöhnliche Geschichte hat Filmemacher Aljoscha Pause über neun Jahre hinweg dokumentiert und einen bemerkenswerten Film daraus gemacht. "Tom meets Zizou - kein Sommermärchen" (www.tommeetszizou.com) zeigt die negativen Seiten des Profigeschäfts und einen Thomas Broich, der den Weg zu seinem eigenen Glück wiedergefunden hat.  

Videos - Sport 
Tom meets Zizou - kein Sommermärchen

Teil 1: Broich stänkert gegen "launischen" Daum. Video

Im Interview mit t-online.de spricht der 30-Jährige, der heute bei Brisbane Roar in der ersten australischen Liga spielt und nebenbei studiert, über seinen Alltag in Australien, seine eigene Definition von Erfolg und darüber, wie es ist, sich selbst im Kino zu sehen.  

Herr Broich, Sie leben seit 2010 in Australien. Wie oft sind Sie am Strand? Wie sieht ein "normaler" Tag aus?

Der Arbeitsumfang ist der gleiche wie in der Bundesliga. Mein Leben besteht genauso aus Training, Behandlung, Reisen, Interviews, Werbeterminen und Autogrammstunden wie vorher. Es ist also nicht alles nur Dolce Vita. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse trainieren wir allerdings sehr, sehr früh am Morgen - nämlich um 8 Uhr. Das lässt einem natürlich viel Gestaltungsspielraum für den restlichen Tag. Ganz zu schweigen von den freien Tagen. Mit zig Stränden direkt ums Eck und exotischer Flora und Fauna vor der Haustür wird es einem eher selten langweilig.

Sie haben die Bundesliga bewusst verlassen, um wieder Sie selbst sein zu können. Können Sie Ihr Leben jetzt wieder genießen?

Ich bin in der Tat sehr glücklich hier, lebe völlig unbehelligt und genieße unseren momentanen Erfolg.

Warum haben Sie Deutschland den Rücken gekehrt?

Rückblickend muss ich sagen, ich hatte die Schnauze voll von meiner Rolle in diesem Geschäft und die habe ich mir wahrlich selber eingebrockt. Am Ende war ich es einfach leid, den Erwartungen nicht gerecht zu werden und als Außenseiter zu gelten.

Sie selbst haben den Begriff "Fußball-Depression" benutzt um Ihren seelischen Zustand am Ende ihres Engagements in Nürnberg zu beschreiben. Sie hatten keine Lust mehr auf Fußball. War die Flucht nach Australien die einzige Chance, um wieder Fuß zu fassen? 

Absolut, die Situation war so verfahren. Tabula rasa am anderen Ende der Welt war für mich die einzige Möglichkeit, weiter Fußball zu spielen.

Was bedeutet für Sie Erfolg? Wann sind Sie glücklich?

Vielleicht lassen sich beide Fragen auf einen Schlag beantworten: Ich bin glücklich, wenn ich für das geschätzt werde, was ich bin und was ich tue. 

Sie haben das ständige Streben nach Erfolg im Profi-Fußball kritisiert. Verlieren einige Spieler und Trainer den Blick für das Wesentliche und Zwischenmenschliche?

Mitunter. Die Luft in diesem Geschäft ist sehr dünn. Man braucht sich doch nur die Losungen und Erwartungshaltungen vor Saisonbeginn vor Augen führen und schnell wird klar, dass dem Großteil der Vereine, Spieler, Trainer und Funktionäre herbe Enttäuschungen ins Haus stehen. Und mit Misserfolgen wird bekanntlich nicht gerade zimperlich umgegangen. Andererseits ist dann die Freude auch wieder um so größer. 

Sie hatten in der Bundesliga das Image des Fußball-Intellektuellen, weil Sie Bücher lesen und klassische Musik mögen. Mochten Sie diese Bezeichnung?

Anfangs hat mir die Berichterstattung sehr geschmeichelt. Gleichzeitig war das aber auch der Anfang vom Ende.

Finden Sie es erschreckend, dass man als "anders" gilt, wenn man über den Tellerrand hinausschaut?

So ist es doch gar nicht mehr. Ich habe damals sehr damit kokettiert und das Image im Zusammenspiel mit den Medien auf die Spitze getrieben. Fußballer heute studieren mitunter nebenbei, engagieren sich für soziale Projekte, sind eloquenter denn je.

Die heutige Fußballer-Generation wird dennoch oft als Generation Playstation bezeichnet. Man hat den Eindruck, dass es für viele Profis nichts anderes gibt als schnelle Autos, Training und Ihre Playstation. Wie sehen Sie diese Entwicklung? 

Klar habe ich im Laufe der Jahre auch mit arg eindimensionalen Jungs zusammen gespielt. Aber wissen Sie, das waren oft die glücklichsten Menschen.

Hatten Sie Freunde innerhalb der Mannschaften, für die Sie in Deutschland gespielt haben?

Ich stand schon eher am Rande und wollte das auch so. Wenn mir schon kein Erfolg vergönnt war, dann wollte ich mich wenigstens als was Besseres fühlen. Ziemlich armselig im Rückblick.

Sie standen 2004/2005 kurz davor, in die Nationalmannschaft berufen zu werden. Damals haben sie in einem schon fast legendären Auftritt im Sportstudio gesagt, dass Sie keinen Bock darauf haben, ein Leistungsträger zu sein. Auf was haben Sie denn Bock? Wie stellen Sie sich Ihr Leben vor?

Da verweise ich auf die Frage nach dem Glück. Es wird nicht entscheidend sein, was ich künftig machen werde, sondern mit welcher Einstellung.

Verfolgen Sie die Bundesliga noch?

Mehr denn je. Aus der Ferne ist die Bundesliga eine großartige Veranstaltung.

Was haben Sie gedacht, als Christoph Daum, unter dem Sie auch trainiert haben, plötzlich bei Eintracht Frankfurt auf der Bank saß?

Da war ich schon baff, denn damit war wirklich nicht zu rechnen. Aber es ist und bleibt die Bundesliga - ein großartiger Zirkus.

Was für ein Typ Mensch ist Christoph Daum?

Ein besessener Typ. Gar nicht mal so verkehrt. Trotzdem waren wir am Ende zu verschieden.

Im Juli startet der Film "Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen" in den Kinos. Sie haben den Film schon gesehen. Wie war das für Sie?

Es ist eine ziemlich heftige Erfahrung, sich neun Jahre beim Mensch werden zuzusehen, mit vielen Tiefen und ein paar Höhen. Der Film ist eine Anleitung, wie man es besser nicht machen sollte.  

Mögen Sie den Film?

Aljoscha hat es geschafft, mich mit mir selbst und dem Fußball zu versöhnen. Trotz oder gerade weil er alles so minutiös dokumentiert hat und den Finger in viele Wunden gelegt hat. Ich bin sehr dankbar und auch stolz auf den Film. Auch, wenn er natürlich von einem Sommermärchen nicht weiter entfernt sein könnte. Nur im letzten Jahr hat dann kurz nochmal der Fußballgott Regie geführt. (Anm.d.Red.: Thomas Broich wurde in der Saison 2010/2011 australischer Meister mit Brisbane Roar und zum zweitbesten Spieler der Liga gewählt)

Können Sie sich vorstellen, in die Bundesliga zurückzukehren?

Warum denn nicht? Ich bin heute ein Anderer und die Leidenschaft für den Fußball ist auch zurück.

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