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Helmut Richter spricht im Interview mit t-online.de über die Arbeit als Spielerberater

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Spielerberater Richter: In 24 Stunden kann man fast überall auf der Welt sein

20.06.2011, 10:38 Uhr | t-online.de

Helmut Richter spricht im Interview mit t-online.de über die Arbeit als Spielerberater. Der australische Nationalkeeper Mark Schwarzer (li.) ist der wohl bekannteste Klient Richters. (Foto: imago)

Der australische Nationalkeeper Mark Schwarzer (li.) ist der wohl bekannteste Klient Richters. (Foto: imago)

Das Interview führte Thomas Tamberg

Seit 1983 ist Helmut Richter im Fußballgeschäft tätig, erst als Spieler, später als Funktionär in allen möglichen Funktionen. Vom Pressesprecher über den Trainerjob bis zum Aufsichtsrat: Richter kennt seit Jahrzehnten alle Facetten des Profis-Fußballs. 2002 gründete er das unabhängige Dienstleistungsunternehmen Goal2Career mit Sitz in München. Er berät jede Menge Klubs und Spieler rund um den Globus. Richters Steckenpferd ist das Ausland. Im Interview mit t-online.de gibt der 50-Jährige Einblick in das Leben und Arbeiten eines Spielerberaters. Richter erklärt wie Transfers ablaufen, wer schwer zu vermitteln ist und warum ihn ein Klub-Präsident am liebsten ins Gefängnis gesteckt hätte.

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Herr Richter, wie wird man eigentlich Berater eines Spielers, welche Voraussetzungen muss man erfüllen?
Für einen Berater, sagen wir besser Agenten, ist sportliche Kompetenz und wirtschaftliches Wissen Voraussetzung. Ein guter Agent verfügt über beides. Er sollte darüber hinaus Verhandlungsgeschick haben, die Interessen seiner Klienten vertreten und Akzeptanz bei den Klubs genießen.

Wie kommt man an den Sportler ran?
Die Akquise eines Spielers ist unterschiedlich. Zunächst einmal wird ein Spieler beobachtet. Wenn man sich für ihn begeistern kann, sucht man nach irgendeinem Weg, wie man den Spieler kontaktiert. Meistens läuft das über das eigene Kontaktnetzwerk, wer einem die Nummer des Spielers besorgen kann. Oder man schaut beim Training zu und spricht den Spieler anschließend an. Bei einem Spieler im Ausland ist man natürlich auf einen Partner vor Ort angewiesen.

Ein großes Netzwerk scheint sehr wichtig zu sein. Kann man sagen, je größer das Netzwerk, desto eher bekommt man auch einen starken Spieler?
Da besteht sicherlich ein Zusammenhang. Das Netzwerk geht über Scouts, Trainer, Funktionäre, Journalisten, Spieler und Kollegen. Man muss sich ein breitgefächertes Netzwerk im Laufe der Zeit aufbauen und es natürlich auch pflegen. Ich prüfe die Empfehlungen selbst unter Berücksichtigung der dahinterstehenden Absichten. Grundsätzlich muss sich ein Agent bzw. ein Vermittler aber schon auf einen bestimmten Bereich spezialisieren, z.B. auf Deutschland oder irgendein anderes Land, je nachdem wo man die besten Kontakte besitzt. Wenn ein Spieler von einem Agent kontaktiert wird und der sagt, er habe beste Kontakte auf der ganzen Welt, dann ist das schlichtweg gelogen.

Wie alt muss ein Spieler sein, um interessant für einen Scout zu sein?
Das ist unterschiedlich. Je nachdem, wie der einzelne Agent ausgerichtet ist. Manche sichten nur im Juniorenbereich. Sie arbeiten meistens für größere Agenturen. Ich wiederum agierte bisher weitestgehend im Ausland und hatte daher den Jugendbereich in Deutschland nicht so sehr im Blick. In Zukunft werden zwei Hochschulabgänger allerdings für mich den Juniorenbereich abdecken.

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Nach welchen Kriterien scouten Sie Spieler?
Grundsätzlich stellt sich bei mir nicht die Altersfrage, sondern die Qualitätsfrage und vor allem die Charakterfrage. Ob ein Spieler die notwendigen charakterlichen und sportlichen Eigenschaften mitbringt, um im Profibereich erfolgreich zu sein.

Welcher Markt ist für Sie momentan der wichtigste?
Seit einem halben Jahr bin ich stark in Indonesien engagiert. Dort helfe ich beim Aufbau einer Profiliga. Darüber hinaus agiere ich zusammen mit Mitarbeitern vor allem im Bereich der ehemaligen Sowjetunion, der Golfregion und Griechenland. Das sind die Kerngebiete. In Zukunft wird der Jugend- und Juniorenbereich eine größere Rolle spielen.

Wie geht ein Spieler vor, der den Klub wechseln möchte?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Ein Spieler vergibt mehrere Mandate an unterschiedliche Agenten oder er vergibt ein Mandat an einen Agenten.

Das heißt im konkreten Fall…
Ein Spieler kann sich einen Agenten nehmen, der in dem Land seine Stärken hat, in das der Spieler gerne wechseln möchte und gibt dem Agenten für diesen Bereich ein Mandat. Oder der Spieler hat Vertrauen in einen einzigen Agenten, der meist auch sein persönlicher Berater ist und überlässt es ihm, mit anderen Agenten zu verhandeln und Untervollmachten auszustellen.

Was bedeutet ein Mandat genau?
Ein Mandat ist eine Vereinbarung und wird in der Regel schriftlich fixiert, damit der Agent vom Spieler einen klaren Auftrag hat. Darin ist auch die Vergütung geregelt. Wenn ein Spieler z.B. nach Portugal wechseln möchte, dann kann er ein Mandat an einen Agenten vergeben, der dort seine Interessen vertritt. Ein Mandat oder eine Untervollmacht ist rein auf die Vermittlung bezogen. Es ist in der Regel auf Ort und Zeit begrenzt, z.B. bis zum Ablauf der Transferperiode.

Das klingt ziemlich kompliziert. Wie schnell kann ein Transfer abgewickelt werden?
Die meisten Transfers werden von langer Hand vorbereitet, der aufnehmende Verein prüft in der Regel über einen längeren Zeitraum die Qualitäten des Spielers. Videoanalyse, Spielbeobachtung, Treffen mit dem Spieler sind üblich. Ein Transfer ist immer mit finanziellen Verpflichtungen verbunden, die irgendjemand verantworten muss. Wenn es wirklich pressiert, dann kann so etwas ganz schnell gehen.

Wie sieht das aus, wenn es pressiert, können Sie ein Beispiel nennen?
Anfang des Jahres war ich in Papua-Indonesien, das ist zirka 15.000 Kilometer von Deutschland entfernt. Es war der 29. Januar, das Transferfenster war noch zwei Tage offen. Ich wollte einen Torhüter, der auch mal in der Bundesliga gespielt hat, hierher holen. Eigentlich war schon alles klar, aber dann hat er mir kurzfristig abgesagt. Ich begann sofort mein Netzwerk abzuklappern. Keine 24 Stunden später saß der Nationaltorwart von Lettland im Flugzeug nach Indonesien. Ich bin von Jayapura nach Jakarta geflogen, wir haben und am Abend des 31. Januar getroffen und habe ihn am Flughafen abgeholt. Zuvor habe ich im dortigen Business-Center die Verträge vorbereitet, die der Spieler dann unterschrieben hat. Dass dieser Torwart nun zum besten Schlussmann der Liga auserwählt wurde, ist für mich als Berater eine Genugtuung, aber auch Beweis dafür, wie wichtig ein verlässliches Netzwerk ist. Es kann also verdammt schnell gehen. Und das weltweit. In 24 Stunden kann man fast überall auf der Welt sein.

Muss der Spieler nicht den Vertrag noch einmal ordentlich prüfen?
Natürlich muss sich der Spieler die Zeit nehmen, den Vertrag durchzulesen und ihn zu prüfen. Ich arbeite mit einer Check-Liste bei der Prüfung von Spieler- und Trainerverträgen. Aber die Verträge sind in der Regel ohnehin Standardverträge, die von der Liga ausgearbeitet sind und allen FIFA-Regeln entsprechen.

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