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Helmut Richter spricht im Interview mit t-online.de über die Arbeit als Spielerberater

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"Der Präsident wollte mich ins Gefängnis stecken"

20.06.2011, 10:50 Uhr | t-online.de

Helmut Richter spricht im Interview mit t-online.de über die Arbeit als Spielerberater. Helmut Richter bei einem seiner zahlreichen Abstecher in China. Hier in der Stadt Qingdao. (Foto: privat)

Helmut Richter bei einem seiner zahlreichen Abstecher in China. Hier in der Stadt Qingdao. (Foto: privat)

Das Interview führte Thomas Tamberg

Wie muss man sich das Zusammenarbeiten mit einem Spieler vorstellen?
Es gibt Spieler, die melden sich nur dann, wenn die Arbeitslosigkeit droht. Dann rufen sie plötzlich fünf Mal am Tag an. Dann gibt es aber auch Spieler, die ein gutes Verhältnis zu ihrem Agenten pflegen und sich regelmäßig mit ihm über die Marktsituation austauschen.  Es entsteht ein Vertrauensverhältnis. Das ist natürlich ein wesentlich sinnvolleres Arbeiten, als wenn es nur um die reine Vermittlungstätigkeit geht.

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Viele junge Spieler neigen dazu, sich selbst zu überschätzen. Wie kann man sie auf den Boden zurückholen?
So etwas geschieht meist, indem man mit Trainer und Manager des Klubs kommuniziert. Bei den jungen Spielern ist das relativ leicht. Ältere Spieler lassen sich weniger sagen. Jüngere Spieler sind wissbegierig und hören noch zu, wenn man ihnen einen Rat gibt. Aber auch da gibt es solche und solche. Manche nicken mit dem Kopf und sagen: 'mach ich, mach ich' und haben es eine Woche später wieder vergessen. Andere nehmen sich den Rat zu Herzen und arbeiten tatsächlich an ihren Schwächen. Diese Jungs kommen natürlich am weitesten.

…und manche ältere wollen nicht wahrhaben, dass es irgendwann vorbei ist?
Oft fehlt die Einsicht zu akzeptieren, dass die biologische Uhr tickt und dass das Leistungsvermögen nachlässt. Die Bereitschaft der Vereine sinkt, finanzielle Engagements einzugehen. Sie sind oftmals weniger lernfähig, weniger kritikfähig und lassen sich wenig sagen. Da redet man schon manchmal gegen eine Wand.

Sind ältere Spieler schwerer zu vermitteln?
Entscheidend ist immer noch der Leistungsnachweis in jüngster Vergangenheit und das Anforderungsprofil des aufnehmenden Klubs. Ältere Spieler haben den Vorteil, Erfahrung zu haben, insbesondere in Stresssituationen. Auf dem Platz können sie Führungsarbeit leisten. Ein junger Spieler, der erst Ärger mit dem Trainer hat und nicht aufgestellt wird, dann wegen einer Verletzung nicht spielen kann und somit längere Zeit weg vom Fenster ist, ist auch nicht immer leicht zu vermitteln.

Ist es für einen Spielerberater besser, wenn er seinen Schützling verkaufen kann oder wenn der Vertrag bei einem Klub verlängert wird?
Im Vordergrund steht klar die Karriere des Spielers, dass der nächste Karriereschritt der richtige ist. Manchmal ist ein Tapetenwechsel erforderlich. Wenn’s gut läuft, Klub und Spieler zufrieden sind, kann das auch eine Vertragsverlängerung sein. Für den Agenten steht der richtige Entscheid des Spielers im Vordergrund, finanziell wirkt sich das für den Agenten nur unwesentlich aus. In Deutschland bekommt der Agent Prozente vom Grundgehalt. Die Höhe ist Verhandlungssache bewegt sich zwischen einem Bruttomonatslohn und zehn Prozent.

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Wie verhält es sich bei einem Klubwechsel?
Bei einem Transfer wird der Agent vom aufnehmenden Verein vergütet. Manchmal gibt es eine Klausel, dass der Agent an einem Transfer prozentual beteiligt ist. In Deutschland ist das aber eher die Ausnahme. Im Ausland kommt dies häufiger vor, dass der Agent an der Ablösesumme oder an einem Transfergewinn partizipiert.

Kommt es auch vor, dass Spieler gegen ihren Willen transferiert werden?
Ich kenne Absprachen, bei denen Spieler regelrecht verschachert werden. Ein Klub holt Spieler A, bezahlt Ablöse und gibt Spieler B und C an den abgebenden Verein obendrauf. Das passiert vor allem im süd- und osteuropäischen Raum. Das machen die Vereine dann unter sich aus, da sind die Spieleragenten schon mal außen vor. So etwas erfordert natürlich die Zustimmung des Spielers, da werden unerfreulicherweise schon grenzwertige Mittel eingesetzt.

In der Öffentlichkeit wird über das Fußball-Geschäft viel diskutiert, Gerüchte ohne Ende sind im Umlauf. In wie weit entspricht die Welt des Fußballs, wie sie der Fan von den Medien vermittelt bekommt, auch der Wirklichkeit?
Natürlich gibt es eine zweite Wahrheit. Die, die in der Öffentlichkeit nicht ausgetragen wird und hinter verschlossenen Türen passiert. Nach wie vor gelangen viele Informationen nicht an die Öffentlichkeit. Wenn man z.B. den FC Bayern München nimmt, was da Journalisten für sich behalten, ist schon erstaunlich. Es existiert ein Verhältnis zwischen Journalisten, Spielern und Funktionären. Ein guter und cleverer Journalist hat einen Ethikcode und haut nicht alles raus. Er geht mit gewissen Informationen sensibel um.

Wie groß ist die Konkurrenz auf dem Spielerberatermarkt?
Ganz klar, die Zahl der Agenten nimmt immer mehr zu, auch deren Qualifikation. Die Zahl jener die im Fußballbusiness Fuß fassen wollen auch. Es drängen die Hochschulabsolventen auf den Markt, die Sportökonomie studiert haben, es kommen Anwälte, ehemalige Spieler und Trainer hinzu. Jeder will mit dem  Fußball sein Geld verdienen. Die Zahl der Agenten in den letzten 15 Jahren hat sich sicherlich verzehnfacht. Aber im Moment scheint der Markt gesättigt. Ich bin sicher, dass ein Großteil der Spielerberater nicht ausschließlich von dieser Tätigkeit leben kann.

Aber sie kommen über die Runden?
Ja. Das liegt aber auch daran, dass ich seit fast 30 Jahren in diesem Metier tätig bin und mich nunmehr seit fast zehn Jahren vor allem auf das Ausland konzentriert habe. Das ist mein Steckenpferd. Ich bin in der Fußballstadt München geboren und aufgewachsen, spreche Deutsch als Muttersprache und vier Fremdsprachen. Mindestens ein Drittel des Jahres bin ich im Ausland auf Reisen.

Da erlebt man sicherlich einiges?
Wenn man im Januar bei minus 40 Grad irgendwo in Kasachstan landet, dann ist das schon ein Erlebnis. Oder auch zuletzt in Ostindonesien. In Jayapura auf der Halbinsel Papua. Da fliegst du zuerst 18 Stunden nach Jakarta und dann von Jakarta noch mit einem Inlandflug mit drei Zwischenlandungen weiter. Dann ist man wirklich am Ende der Welt. In der Stadt hat man noch alles und es gibt eine sehr gute Infrastruktur. Aber wenn man ein bisschen ins Landesinnere geht, wird es schon wild. Da tragen die Männer zum Teil noch einen Penisköcher.

Was haben Sie denn ausgerechnet da gemacht?
Ich habe den deutschen Trainer Uwe Erkenbrecher dorthin vermittelt. Auch Michael Feichtenbeiner und einige Spieler habe ich nach Indonesien gebracht. Und mit Markus Wanner sogar einen deutschen Schiedsrichter.

Abschließende Frage. Waren Sie bei der Ausübung Ihrer Tätigkeit einmal einer Gefahr ausgesetzt?
Es gibt immer wieder brenzlige Momente im Leben. Letztes Jahr kam mir früh morgens um 4.00 Uhr in der Türkei ein Geisterfahrer entgegen, nachdem ich einen Spieler in Antalya zum Flughafen gebracht hatte. Aber an eine Episode erinnere ich mich noch genau. Das war 1993 in der Elfenbeinküste, als ich im Auftrag des Schweizer Klubs Young Boys Bern wegen der Verpflichtung eines Stürmers Ablöseverhandlungen mit dem Klub Africa Sports Abidjan führte. Der Präsident war ein steinreicher Geschäftsmann und wohl etwas sauer auf mich, da ich für seinen besten Spieler zu wenig geboten hatte. Ein Schweizer Journalist erreichte mich im Hotel und teilte mir mit, dass der Präsident sehr, sehr verärgert sei und mich ins Gefängnis stecken möchte. Es dauerte nur wenige Minuten und ich saß im Taxi zum Flughafen und flog mit der nächsten Maschine zurück nach Europa.

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