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Matthias Sammer: DFB-Sportdirektor mit Wutanfall

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Sammer: "Da kriege ich einen Wutanfall"

21.07.2011, 13:01 Uhr | t-online.de

Matthias Sammer: DFB-Sportdirektor mit Wutanfall. Matthias Sammer ist für seine deutlichen Worte bekannt.

Matthias Sammer ist für seine deutlichen Worte bekannt.

Es sollte nur eine Begrüßungsrede sein, doch es wurde ein Rundumschlag, wie man ihn nur selten erlebt von einem Offiziellen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Sportdirektor Matthias Sammer hat auf der Pressekonferenz zum 58. Fußballlehrer-Lehrgang vor den Augen von ehemaligen Bundesliga-Spielern wie Mehmet Scholl und Stefan Effenberg eine Wutrede der besonderen Art gehalten. In seinem Visier: das deutsche Anspruchsdenken, die Verleumdung der deutschen Tugenden und das voreilige Lob für den Nachwuchs. "Mit all denen, die wir heute so loben, haben wir noch nichts gewonnen." Am Ende war ihm sein Ausbruch sogar fast peinlich.

Ein besonderer Dorn im Auge war ihm auch der Umgang mit verdienten ehemaligen Bundesliga-Spielern. "Wir sollten bei all denjenigen mal auf den Autogrammkarten nachschauen, was da hinten drauf steht: Meister, Pokalsieger, Champions-League-Sieger. Trotzdem reden wir über diese Leute nicht mehr", echauffierte sich Sammer. "Wenn wir aufhören, diesen Leuten zuzuhören, haben wir ein großes Problem."

Als Trainer ist "jeder Spieler erst mal wieder Lehrling"

Früher habe man gesagt: "Wer nicht bei drei schnell genug auf dem Baum ist, wird Trainer, nur, weil er ein paar Bundesligaspiele gemacht hat." Heute müsse ein Umdenken stattfinden. Nicht jeder dürfe einfach so Trainer werden. Aber jeder, der es will, müsse sich im Klaren sein, dass "Fußball spielen und Fußball lehren ein gewaltiger Unterschied ist. Nach der aktiven Zeit als Spieler ist jeder erst mal wieder Lehrling." Egal, welche Verdienste ein Spieler in seiner Karriere bis dato errungen hätte.

Sammer schießt scharf gegen Bundestrainerin Silvia Neid

Erst einmal in Rage geredet knöpfte sich Sammer aber auch noch zwei weitere Bereiche vor: die Frauen-Nationalmannschaft und den Nachwuchs. "Ich weiß nicht, ob die Frauen daran gescheitert sind, weil sie das Wesentliche verloren haben", sagte Sammer. "Ich habe sie immer bewundert für ihre Stringenz und Geradlinigkeit. Da war Fußball, und nur Fußball. Doch dann haben sie sich beschwert, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Und plötzlich haben sie die Öffentlichkeit bekommen und gemerkt, dass sie dann auch alle Mechanismen der Öffentlichkeit beantworten müssen." Und verwundert fügt Sammer hinzu: "Und dass eine Bundestrainerin in der Kritik steht, und sie weiß gar nicht, warum."

Und Sammer, seit 2006 im Dienste des DFB und für den gesamten Nachwuchs verantwortlich, machte direkt weiter. Sein nächstes Opfer: die U17-Nationalmannschaft, die gerade erst im WM-Halbfinale gegen Mexiko verloren hatte. "Unser Fokus ist die Weltspitze, wir wollen den Titel gewinnen. Aber schon gewinnen wir gegen England 3:2 und lese ich: 'Sie jubeln wie die Bruchweg-Boys.' Da hab ich einen Wutanfall bekommen. Die Bruchweg-Boys sind nur Fünfter geworden." Gemeint waren die Spieler von Mainz 05, die zu Beginn der letzten Saison für Furore gesorgt hatten. "Wir sind wegen Standardsituationen ausgeschieden. Das sind Basis-Elemente des Fußballs. Wenn Brasilien und Argentinien nicht mal mehr Elfmeter schießen können (beide Teams sind bei der Copa America im Elfmeterschießen ausgeschieden, Anm. d. Red.), müssen wir uns überlegen, ob wir nicht zur Einfachheit zurückkehren müssen. Und das beginnt zuallererst im Kopf."

Sammer stellt deutsche Entwicklung im Fußball infrage

Generell frage sich Sammer schon länger, ob Deutschland im Fußball "überhaupt auf dem richtigen Weg" sei. "Wir meinen, nur noch Teilbereiche im Fußball sind wichtig. Wir reden in Deutschland nicht mehr von Mentalität, weil Mentalität die 'deutschen Tugenden' bedeutet, und die sind veraltet. Ich finde das nicht." Als Beispiel nannte er erneut die U17. "Da kam bei Mexiko einer mit Turban wieder aufs Feld, nachdem er mit sieben Stichen am Kopf genäht worden war. Der hat uns tot gemacht in der 89. Minute." Deutschland hätte auch mal so einen Spieler gehabt. "Hoeneß hieß der. Darüber sollte man reden, was es bedeutet, mit so einer Verletzung noch mal zurückzukommen und das Spiel zu entscheiden."

Für ihn kommen all diejenigen, die auf die elementaren Dinge hinweisen und dafür kritisiert werden, viel zu schlecht weg. Dafür würde den "modernen Methoden" eine viel zu große Bedeutung beigemessen. "Wir brauchen beides", forderte Sammer. "Warum sollen wir unsere traditionellen Stärken in den Hintergrund treten lassen?" Schließlich dürfe man, um Titel zu gewinnen, nicht einfach nur andere Systeme kopieren. Die besten Mannschaften zu überholen sei eben nur möglich, wenn man sie erst mal eingeholt habe. "Ich höre jetzt, dass wir irgendwann Spanien schlagen. Aber nicht, weil wir sie ausspielen werden", ist sich Sammer sicher. Seinen Wutausbruch, den er über mehrere Minuten wild gestikulierend vollführt hatte, brachte er dann doch noch mit einem Schmunzeln zu Ende. "T'schuldigung, aber das liegt mir jetzt schon länger auf der Seele."

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