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Aljoscha Pause: Die Bundesliga ist eine Arena des Spektakels

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"Ich habe richtig mitgelitten"

27.07.2011, 15:03 Uhr | t-online.de

Aljoscha Pause: Die Bundesliga ist eine Arena des Spektakels. Thomas Broich am australischen Strand. (Foto: mindjazz pictures/Filmworks)

Thomas Broich am australischen Strand. (Foto: mindjazz pictures/Filmworks)

Das Interview führte Mark Weidenfeller

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Tom meets Zizou - kein Sommermärchen

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Thomas Broich ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Der 30-Jährige ist von Beruf Spielmacher und ist demnach die zentrale Figur auf dem Fußballplatz. Ab diesem Donnerstag rückt er allerdings ganz besonders in den Mittelpunkt. Er ist die Hauptfigur in Aljoscha Pauses Langzeit-Dokumentation "Tom meets Zizou - kein Sommermärchen" (www.tommeetszizou.com). Es geht um das Leben eines jungen, talentierten Fußballers, der sein Glück in der Bundesliga sucht, aber nicht findet, und am Ende doch auf seine Art und Weise einen persönlichen Sieg einfährt. Es ist ein Film über das Leben von Thomas Broich.

"Es ist eine ziemlich heftige Erfahrung, sich neun Jahre beim Mensch werden zuzusehen", antwortete Broich in einem Interview mit t-online.de auf die Frage, wie es ist, sich selbst im Kino zu sehen. Der Mann, der Broich über Jahre hinweg mit der Kamera begleitete, ist Grimme-Preisträger Aljoscha Pause. Er spricht im Interview über die Idee seines Films, die Zusammenarbeit mit Broich und die Bundesliga als eine Arena des Spektakels.

t-online.de: Herr Pause, Sie haben einen Film über das Leben eines Fußball-Profis gedreht. Wie kamen Sie auf diese Idee? 

Pause: Ich habe im Jahr 2003 eine Portrait-Reihe für das Fernsehen betreut. In 30-minütigen Features wurden junge, aufstrebende Fußballer vorgestellt. Dafür habe ich mehrere U21-Nationalspieler getroffen, wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Philipp Lahm, oder Robert Enke. Im Rahmen dieser Arbeit ist mir aber schnell aufgefallen, dass ich es viel spannender finden würde, tiefgründiger und langfristiger zu arbeiten. Ich hatte dann die Idee, einen Jungprofi über einen längeren Zeitraum zu begleiten und anhand seiner persönlichen Geschichte und Entwicklung hinter die Kulissen der Bundesliga zu schauen. 

Warum haben Sie sich dafür entschieden, dass Thomas Broich dieser Jungprofi sein sollte, den sie begleiten? 

Als die Idee geboren war, kam natürlich die Frage auf, mit wem eine solche Langzeit-Dokumentation funktionieren könnte. Ich habe nach einem Spieler gesucht, dessen Persönlichkeit etwas hergibt, und bin dann auf Thomas Broich gestoßen. In unserem ersten Telefongespräch haben wir fast eine Stunde miteinander geredet, es sprudelte förmlich aus ihm heraus. Er war sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Ich habe gespürt, dass da jemand war, der nicht nur durch seine herausragende sportliche Qualität bestach, sondern auch über einen anderen Horizont verfügte als viele andere Fußballer, die ich vorher getroffen hatte. Ich war mir sicher, dass es eine spannende Geschichte mit ihm werden würde. 

Thomas Broich war kurz davor Nationalspieler zu werden, ist aber am Ende in der Bundesliga gescheitert und spielt jetzt in Australien. Inwieweit war sein Scheitern ein Glücksfall für Sie und den Film? 

Mir würde nie über die Lippen kommen, dass Thomas‘ Scheitern für mich ein Glücksfall war. Wenn man einen Menschen über insgesamt acht Jahre begleitet, baut man eine Beziehung zu ihm auf. Thomas und ich sind Freunde geworden, ich habe richtig mitgelitten während seiner Zeit in Nürnberg. Natürlich muss man sagen, dass eine gewisse Fügung dafür gesorgt hat, dass die Entwicklung des Spielers einer Drehbuch-Geschichte gleicht. Er scheitert, es kommt zu einer positiven Wendung und letztlich sogar zu einem Hollywood-Happy-End. 

Sie sprechen das Happy End an. Passt das überhaupt zu dem sonst kritischen Film? Hätten Sie sich vielleicht sogar ein anderes Ende gewünscht?

 Auf keinen Fall. Ich brauche keine Tragödie am Ende, um der Aussage des Films zusätzliche Kraft zu verleihen. Ganz im Gegenteil. Für mich ist auch gar nicht das Interessanteste an dem Film, dass Thomas Broich australischer Meister wird, was letztlich das Happy End darstellt. Thomas‘ Ruf in Deutschland war versaut, er brauchte diese heilsame Entwicklung und diesen Cut. Da ist es doch viel bedeutender, dass er einen persönlichen Ausweg aus seiner Krise gefunden und in Australien einen Neuanfang geschafft hat. 

Sie haben insgesamt acht Jahre für den Film gedreht. War das so lange geplant?

Das war so sicher nicht geplant. Wir wussten, dass wir uns auf ein Abenteuer einlassen. Die Idee war, das Ganze ein paar Jahre laufen zu lassen und dann zu sehen, was kommt, was passiert. Es gab nichts Vorgezeichnetes, keinen genauen Plan. Dass es dann im Endeffekt acht Jahre geworden sind, ist schon verrückt.

Thomas Broich wirkte in seinen ersten Profijahren sehr von sich selbst überzeugt, fast schon arrogant. Wie groß sehen Sie die Gefahr, dass junge Profis, die von heute auf morgen einem unglaublichen medialen Druck ausgesetzt werden, abheben? 

Diese Gefahr ist sehr groß, das steht definitiv fest. Deswegen bekommen junge Spieler heute schon sehr früh Medien-Training. Man sollte sich nicht zu sehr exponieren, das kann ganz schnell nach hinten losgehen. Bei Thomas Broich war es so, dass er glaubte, alles zu durchschauen. Das wirkte oft überheblich. Da hat er sich über-, und das System unterschätzt. Er ist damals abgehoben, das sieht er auch heute selbst so. Als er den Film das erste Mal sah, waren ihm viele Dinge, die er früher gesagt und gemacht hat, unfassbar peinlich.

Ich stelle mir jetzt vor, dass ich ein junger Fußball-Profi bin, extrem präsent in den Medien, mit einem gesunden Selbstvertrauen ausgestattet. Jetzt kommen Sie und wollen einen Film über mich drehen. Inwieweit hat denn Ihr Film auch noch dazu beigetragen, dass Thomas Broich abgehoben ist?

Das war möglicherweise ein Teil von vielen. Wir haben da auch einige Male drüber geredet. Zum einen hat der Film ihn in seiner Eitelkeit angesprochen, zum anderen hat er sich aber einfach unheimlich für das Projekt interessiert und hatte großes Vertrauen in meine Person.

Wie war das Verhältnis zwischen Ihnen und Thomas Broich?

Sehr vertrauensvoll. Wir haben viele Dinge vor der Kamera besprochen, die ihn seinen Job gekostet hättet, wenn sie direkt an die Öffentlichkeit geraten wären. Einen Teil davon, kann man jetzt im Film sehen. Aber es gibt auch viele Anekdoten, die ich draußen gelassen habe, um nicht im Nachhinein noch schmutzige Wäsche zu waschen.

Thomas Broich ist am Leistungsdruck zerbrochen. Ist die Bundesliga ein böses Geschäft?

Die Bundesliga ist ein Spiegel der Gesellschaft, eine Arena des Spektakels. Profit und Kommerz spielen eine besondere Rolle und werden besonders sichtbar. Persönliche Belange kommen in diesem Zirkus sicherlich zu kurz. Nach dem tragischen Tod von Robert Enke wurde kurz Besserung gelobt, letztlich hat sich aber nichts verändert. Was zählt, ist der Erfolg. Trotzdem würde ich nicht so plakativ sagen, dass die Bundesliga ein böses Geschäft ist.

Sollten sich junge Spieler Ihren Film angucken, um zu sehen, wie man es besser nicht macht?

Aus Thomas‘ Geschichte kann man auf jeden Fall lernen. Man darf das Profigeschäft hinterfragen, muss es vielleicht sogar tun. Es ist wichtig, ein eigener Typ zu sein. Wenn man sportlich nur ein Mitläufer ist, sollte man allerdings nicht durch Andersartigkeit auffallen. Man kann sich ruhig mal aus dem Fenster lehnen, wenn man ein gestandener Spieler ist, aber möglichst nicht zu weit. Die Fallhöhe ist enorm. Eigentlich schade.

Wer sonst kann sich denn den Film angucken?

Der Film ist bewusst nicht für eine besondere Zielgruppe gemacht. Es gibt keine Quotenerwartung. Er ist sicher etwas für Leute, die sich oft und gerne mit dem Fußball beschäftigen. Er zeigt, dass es nicht nur stromlinienförmige Karrieren à la Mesut Özil oder Bastian Schweinsteiger gibt, sondern eben auch eine andere Seite der Medaille. Deswegen können auch Nicht-Fußballverrückte Spaß an dem Film haben, da sich die Kernaussage auch auf das „normale Leben“ übertragen lässt.

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