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EM 2012: Joachim Löw setzt auf Frust-Bayern

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EM-Uhr auf null: Löw setzt auf Frust-Bayern

29.05.2012, 11:34 Uhr | dpa

EM 2012: Joachim Löw setzt auf Frust-Bayern. Bundestrainer Joachim Löw rechnet fest mit einer Qualitätssteigerung durch den Bayern-Tross.

Bundestrainer Joachim Löw rechnet fest mit einer Qualitätssteigerung durch den Bayern-Tross. (Quelle: dpa)

Tourrettes (dpa) - Alles auf null: Nach den fünf krachenden EM-Warnschüssen setzt Joachim Löw beim Neustart der Vorbereitung noch mehr auf die Frust-Bayern.

Für Routinier Cacau und die drei Talente Marc-André ter Stegen, Julian Draxler und Sven Bender endete der persönliche EM-Traum schon elf Tage vor dem Anpfiff des Turniers in Polen und der Ukraine. Der Bundestrainer sortierte das Quartett einen Tag vor dem Meldeschluss des 23-Mann-Kaders an diesem Dienstag aus.

Als die Bayern am Montagabend endlich auf dem Fußballplatz in Südfrankreich bis auf den im Fitnesszelt trainierenden Bastian Schweinsteiger das Kommando übernahmen, waren die Ausgemusterten längst auf der Heimreise. "Einige Spieler haben gefehlt, die unsere Mannschaft prägen in ihrem Spiel", hob Löw nach der irritierenden 3:5-Pleite beim vorletzten Test 14 Tage vor dem Turnierernstfall am 9. Juni gegen Portugal hervor. Der Chefcoach stellte die Uhr nach dem Betriebsunfall in Basel notgedrungen zurück auf null: "Jetzt beginnt die Vorbereitung auf die EM. Ich habe keine Bedenken, dass bei den Bayern etwas hängenbleibt vom verlorenen Champions-League-Finale."

Löw war am Pfingstwochenende sogar die Lust auf einen Besuch des Formel-1-Spektakels in Monaco vergangen. Er blieb im Quartier in Tourrettes und arbeitete mit seinem Trainerstab das Fehlerfestival von Basel auf, das ihn trotz der harten Trainingsarbeit im Ausmaß erschreckt hatte. "Es war eine Phase, die gefährlich war", bemerkte Löw, der die Mängelliste schonungslos aufzeigte: "Die Frische fehlte, es gab Konzentrationsfehler, schlechtes Spiel ohne Ball, schlechte Defensivarbeit, Abstimmungsprobleme. Alles ist aufgedeckt worden."

Am Montag, dem 18. Trainingstag, standen Löw erstmals alle 23 EM-Spieler in Südfrankreich zur Verfügung. EM-Alarm mochte er nach dem Schweiz-Desaster nicht auslösen. "Viele Dinge haben nicht gepasst. Aber es macht mir keine großen Sorgen, weil ich weiß, dass wir uns in der nächsten und übernächsten Woche eindeutig verbessern werden. Wir werden schon richtig in die Spur kommen." Der Anspruch Titel bleibt: "Wir sind eine Elitemannschaft mit großem Ziel."

Es war schließlich nicht die EM-Elf, die gegen die Schweiz versagt hatte. "Wir spielen als Mannschaft seit Jahren zusammen, jetzt haben acht Bayern-Spieler gefehlt", gab Sami Khedira zu bedenken. Die Stammkraft von Real Madrid warnte vor falschen Schlüssen nach dem missglückten Tagesausflug nach Basel: "Komplett ignorieren sollte man so ein Spiel nicht, aber auch nicht überbewerten."

Teammanager Oliver Bierhoff, der am Pfingstsonntag mit 25 Nationalspielern beim Großen Preis von Monaco Ablenkung suchte, betonte ebenfalls den Bayern-Faktor: "Natürlich erhöhen sie unsere Qualität noch einmal." Trotzdem war der Manager über den Auftritt der Platzhalter verärgert und schimpfte: "Auch mit der Qualität, die in Basel auf dem Platz war, hätte so etwas nicht passieren dürfen."

Besonders die Abwehr vor dem frustrierten Debütanten Marc-André ter Stegen ("Ich bin sehr enttäuscht, auch von mir") war löchriger als jeder Schweizer Käse. Fünf Gegentore gab es letztmals in einem Länderspiel vor acht Jahren beim 1:5 in Rumänien; wenige Wochen später folgten bei der EM in Portugal der Vorrunden-K.o. und der sofortige Rücktritt des damaligen Teamchefs Rudi Völler. Löw nahm einzig und allein den 20 Jahre alten Gladbacher Schlussmann ter Stegen in Schutz: "Er muss den Kopf jetzt nicht hängen lassen."

Tatsächlich folgte keine 48 Stunden später der nächste Tiefschlag für den jungen Schlussmann. "Natürlich bin ich enttäuscht", äußerte ter Stegen, nachdem ihm Löw in einem persönlichen Gespräch das Aus mitgeteilt hatte. Während ter Stegen (20), Draxler (18) und Sven Bender (23) aufgrund ihrer Jugend auf neue Chancen hoffen können, dürfte für den 31-jährigen Cacau die DFB-Karriere und damit der Traum von der WM 2014 in seinem Geburtsland Brasilien beendet sein.

In seinem ersten Länderspiel wurde ter Stegen im Basler St. Jakob-Park allein dreimal vom künftigen Hoffenheimer Eren Derdiyok bezwungen, dazu von Stephan Lichtsteiner und Admir Mehmedi. Mats Hummels und Marco Reus konnten sich wenigstens über ihre ersten Länderspieltore freuen. Dazu traf Andre Schürrle.

Bei der Suche nach der EM-Formation kam Löw nicht weiter, Basel warf ihn sogar zurück. Abwehrchef Per Mertesacker und Torjäger Miroslav Klose sind nach ihren langen Verletzungspausen ebenso wie das Dortmunder Supertalent Mario Götze noch weit entfernt von der nötigen Turnierform. "In machen Situationen hat man logischerweise gespürt, dass es im Wettkampf ein bisschen anders aussieht als in den Trainingseinheiten", räumte der Bundestrainer ein. Die Führungskräfte Schweinsteiger, Mertesacker und Klose will Löw unbedingt fitkriegen bis zum Turnierstart gegen Portugal. "Sie sind für den Trainer und für uns unverzichtbar", erklärte Khedira.

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