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Österreich erster WM-Gradmesser für DFB-Elf

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Österreich erster WM-Gradmesser für DFB-Elf

10.09.2012, 13:03 Uhr | dpa

Österreich erster WM-Gradmesser für DFB-Elf. Die DFB-Spieler beim Training in Barsinghausen.

Die DFB-Spieler beim Training in Barsinghausen. (Quelle: dpa)

Wien (dpa) - Seriös, konzentriert und endlich auch eiskalt im Abschluss - die Forderungen von Joachim Löw sind eindeutig. Gleich nach der Landung im sommerlichen Wien machte sich der Bundestrainer an die letzte Detailarbeit.

Von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Co. erwartet Löw beim ersten WM-Gradmesser gegen Österreich einen kräftigen Leistungsschub. Als Extra-Motivation ernannte er das brisante WM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag kurzerhand zum Duell "Deutschland gegen die Bundesliga".

Neun Profis aus der deutschen Eliteklasse im Aufgebot des Gegners haben Löw zusätzlich von dessen neuer Stärke überzeugt. "Ich erwarte, dass wir das Spiel sehr konsequent angehen und unsere Chancen nutzen", forderte Löw am Tag vor der Partie im Ernst-Happel-Stadion.

Jede Form von Schlendrian ist gegen das kleine Nachbarland streng verboten. Energisch wie bei keinem seiner schon drei Wien-Gastspiele als Bundestrainer mahnte Löw die Nationalspieler vor den neu entdeckten Stärken des Austria-Teams. "Was ich von Österreich gesehen habe, sind sie so gut wie die Jahre zuvor nicht; viel organisierter, viel selbstbewusster, viel direkter zum Tor. Sie wittern ihre Chance, mal wieder bei einem großen Turnier dabei zu sein", sagte Löw.

Seiner eigenen Auswahl redete er entsprechend ins Gewissen. Ein Ausrutscher gegen Rot-Weiß-Rot würde nicht nur einen Rückschlag für den gerade aufgenommen direkten Weg zur WM 2014 in Brasilien bedeuten, sondern auch den nur noch sachten Titel-Optimismus zusätzlich dämpfen und die EM-Wunden wieder aufreißen. "Wir müssen nochmal einen Zahn zulegen", forderte Löw-Assistent Hansi Flick.

Bei aller Warnung vor dem Kontrahenten sieht Löw sein Team aber doch im Vorteil. Den Bundesliga-Profis Prödl, Pogatetz, Harnik, Arnautovic und Co. attestierte er mit deren deutschen Arbeitgebern in Bremen, Wolfsburg oder Stuttgart zwar Europa-League-Ambitionen. In der deutschen Startelf aber haben bis auf den Neu-Dortmunder Marco Reus alle Akteure Champions-League-Erfahrung. "Ich denke, dass Österreich versucht mitzuspielen. Aber wir wollen die drei Punkte mitnehmen und sind gewappnet", formulierte Torwart Manuel Neuer den Anspruch.

Für sich und sein Team hat Löw noch mehrere Arbeitsschwerpunkte ausgemacht. Sehr fraglich ist, ob Marcel Schmelzer nach seiner Fußprellung, die einen Einsatz gegen die Färöer (3:0) verhinderte, wieder fit genug ist. Beim letzten Training in Hannover war er zwar dabei. "Aber bei Ballberührungen, bei Pässen und bei Schüssen ist der Schmerz noch da", sagte Schmelzer - der dennoch auf einen Einsatz hofft.

Sonst müsste Holger Badstuber auch an der Donau als Aushilfs-Linker verteidigen. Die zweite vakante Planstelle ist der Platz neben Sami Khedira als zweite Hälfte der Doppel-Sechs. Toni Kroos ist favorisiert, dessen Hüftprellung wäre kein Hindernis mehr. Lars Bender und Ilkay Gündogan wären Alternativen.

Im taktischen Bereich hat Löw das immer wieder kritisierte Abwehrverhalten im Blick. Unbedingt sollen aber die Offensivkräfte ihre auch gegen die Färöer viel zu schlampige Chancenverwertung endlich optimieren. "Viele Chancen werden wir gegen Österreich nicht bekommen", mahnte Klose, der in seinen vier Duellen mit dem Nachbarn fünfmal traf. Zudem predigt DFB-Chefcoach Löw auch seinen diversen kreativen Mittelfeld-Künstlern permanentes, hartes Arbeiten gegen den Ball. "Nur Sami Khedira macht das bislang richtig gut", bemerkte Löw kritisch.

Gegen Österreich steht manche deutsche Serie auf dem Spiel. Seit fast 26 Jahren hat keine DFB-Auswahl mehr gegen Felix Austria verloren. Bei der letzten Niederlage im Oktober 1986 (1:4) hieß der Teamchef noch Franz Beckenbauer. Die Gesamtbilanz von 23 Siegen bei sechs Remis und nur acht Niederlagen ist für den dreifachen Weltmeister überdurchschnittlich gut. In fast 80 Jahren WM-Qualifikation ist Deutschland zudem auswärts noch unbesiegt. Die letzten 23 Qualifikationsspiele für große Turniere gingen alle nicht verloren. Dabei soll es nach Löws Geschmack dringend bleiben.

Löw hat überwiegend gute Erinnerungen an Wien, wo er vor seinem Wechsel als Klinsmann-Assistent zum DFB in der Saison 2003/04 bei der Austria als Club-Coach arbeitete. Alle drei Gastspiele wurden im Ernst-Happel-Stadion gewonnen - das letzte Spiel im Juni 2011 (2:1) aber durch den Last-Minute-Treffer des diesmal verletzten Mario Gomez denkbar knapp.

Und: Beim 1:0 zum Abschluss der EM-Vorrunde 2008 wurde der 52-Jährige wie sein damaliger Kollege Josef Hickersberger wegen Reklamierens vom vierten Offiziellen auf die Tribüne verbannt. "Vor allem in Wien ist immer gute Stimmung. Man spürt, dass sie Deutschland unbedingt schlagen wollen. Ich freue mich auf das Spiel, denn es wird eine hitzige Atmosphäre", sagte Löw.

Österreich: Almer (Fortuna Düsseldorf/28 Jahre/3 Länderspiele) - Garics (FC Bologna/28/27), Pogatetz (VfL Wolfsburg/29/48), Prödl (Werder Bremen/25/34), Fuchs (Schalke 04/26/48) - Baumgartlinger (FSV Mainz 05/24/22), Kavlak (Besiktas Istanbul/23/18) - Arnautovic (Werder Bremen/23/19), Junuzovic (Werder Bremen/24/20), Ivanschitz (FSV Mainz 05/28/56) - Harnik (VfB Stuttgart/25/30)

Deutschland: Neuer (FC Bayern München/26 Jahre/32 Länderspiele) - Lahm (FC Bayern München/28/92), Mertesacker (FC Arsenal/27/82), Hummels (Borussia Dortmund/23/21), Badstuber (FC Bayern München/23/27) - Khedira (Real Madrid/25/34), Kroos (FC Bayern München/22/31) - Müller (FC Bayern München/22/34), Özil (Real Madrid/23/40), Reus (Borussia Dortmund/23/10) - Klose (Lazio Rom/34/123)

Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

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