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Kein Chef stoppt Kollektiv-Untergang

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Kein Chef stoppt Kollektiv-Untergang

17.10.2012, 12:19 Uhr | dpa

Kein Chef stoppt Kollektiv-Untergang. Bastian Schweinsteiger versucht vergeblich mit Toni Kroos wieder in die Spur zu finden.

Bastian Schweinsteiger versucht vergeblich mit Toni Kroos wieder in die Spur zu finden. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Als im deutschen Spiel plötzlich alle Dämme brachen, war auf dem Platz weit und breit kein Chef mehr zu sehen. Bastian Schweinsteiger konnte bei Schwedens furioser Aufholjagd die defensiven Reihen nicht mehr schließen.

Auch Kapitän Philipp Lahm, Miroslav Klose, Per Mertesacker und der glücklose Torwart Manuel Neuer hatten den Angriffswellen nichts mehr entgegenzusetzen.

Das bittere 4:4 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach rauschhafter 4:0-Führung befeuerte die Führungsspieler-Debatte, auch wenn Joachim Löw am Dienstagabend nach dem Schlusspfiff spontan abwiegelte: "Man kann es jetzt nicht an einzelnen Spielern festmachen. Es war irgendwie im ganzen Kollektiv", kommentierte der am Spielfeldrand aufgebracht, aber ebenfalls hilflos zuschauende Bundestrainer nach "einer Lehre für alle Zeiten".

Aus ihr müssen Schlüsse gezogen werden. "Das darf nie im Leben passieren", stöhnte Schweinsteiger nach dem bitteren Novum im 868. Länderspiel seit dem Beginn 1908: "Ich habe so etwas noch nie erlebt." Wo war der Mittelfeld-Chef, der sich nach jedem Gegentor noch ein Stück weiter zurückzog? "Die Schweden haben natürlich sehr viel mit langen Bällen gespielt. Ich habe versucht, die Bälle abzufangen", erläuterte Schweinsteiger.

Auch der Vize-Kapitän konnte die Organisation nicht mehr herstellen. Schweinsteiger ging in seinem 97. Länderspiel mit all den anderen unter. "Man kassiert ein Tor, ein zweites hinterher, dann bricht alles zusammen. Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren", schilderte Lahm. Die Analyse des Kapitäns stimmte, den kollektiven Systemausfall verhindern konnte auch er nicht.

Jeder habe sich zu sicher gefühlt und plötzlich einen Schritt weniger gemacht, stellte Schweinsteiger fest. "Es reicht, wenn zwei, drei nicht mehr richtig mitmachen", klagte der Mittelfeldchef - ohne Namen zu nennen - pauschal an. Schuld seien aber am Ende alle, ergänzte der Münchner: "Jeder hat ein Stück zu wenig gemacht." Auch auf dem Platz sei man "irgendwie der Meinung" gewesen, "dass das Spiel entschieden ist", gab Toni Kroos offen und ehrlich zu.

Oliver Bierhoff mochte keinen einzelnen Führungsspieler an den Pranger stellen. "Es ist dann nicht nur ein Spieler gefragt", meinte der Teammanager. Aber den ehemaligen DFB-Kapitän irritierte schon, dass niemand mehr in der Lage war, "den Stecker wieder reinzustecken" und das drohende Unheil aufzuhalten: "Wir müssen einfach lernen, im Moment der Schwierigkeit ein System zu wahren." Bälle halten, die Mannschaftsteile wieder ordnen, Führungsstärke ausstrahlen.

Hätte der verletzte Sami Khedira mit seiner Kampfkraft und Körpersprache das vermocht? "Man hat gemerkt, dass eine Verunsicherung drin war nach dem dritten Gegentor", betonte Schweinsteiger. Eine Mannschaft, die 60 Minuten offensiv brillant funktioniert hatte, agierte danach defensiv wie eine unerfahrene Schüler-Mannschaft. Löw sah unheimlich viele Fehler: "Wir hatten nicht mehr die Ordnung und die Sicherheit am Ball."

Schweinsteiger, Lahm, Özil, Klose - alle verloren den Zugriff auf ein schon gewonnenes Spiel. "Das hilft uns leider weiter, denke ich", meinte Schweinsteiger zu den Lehren: "Was nicht sein darf, ist, dass wir nicht konzentriert weiterspielen. Egal, ob man 4:0, 5:0, 6:0 führt."

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