Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball > 3. Liga >

3. Liga: Stürmische Zeiten für Alemannia Aachen und Hansa Rostock

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Traditionsretter gesucht: Stürmische Zeiten für Aachen, Hansa & Co.

03.05.2013, 22:22 Uhr | t-online.de

3. Liga: Stürmische Zeiten für Alemannia Aachen und Hansa Rostock. Der Neue Tivoli in Aachen genügt Champions-League-Ansprüchen. (Quelle: imago/osnapix)

Der Neue Tivoli in Aachen genügt Champions-League-Ansprüchen. (Quelle: imago/osnapix)

Von Kieran Brown

50 Jahre Bundesliga  
Unvergessliche Momente aus 50 Jahren Bundesliga

Höhepunkte, Kurioses, Rekorde: Alles zum Liga-Jubiläum. mehr

Von "Pleiteliga" sprechen die Einen, von einem "Premium-Produkt" die Anderen: Wenn es um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht, sind die Fronten verhärtet zwischen den Klubs in Deutschlands dritthöchster Spielklasse und dem DFB. Die fünfte Saison in der Historie der Liga befindet sich auf der Zielgeraden und gleich mehrere Vereine sind finanziell schwer angeschlagen. Insbesondere einige ehemalige Bundesligisten wie Hansa Rostock, Alemannia Aachen oder Kickers Offenbach stehen nicht in erster Linie wegen der Leistung der Profis auf dem Platz im Mittelpunkt. Vielmehr gehen sie finanziell auf dem Zahnfleisch.

Alemannia Aachen musste im Herbst 2012 sogar Insolvenz anmelden, Kickers Offenbach könnte bald folgen. Rund neun Millionen Euro Verbindlichkeiten sind für den DFB-Pokal-Sieger von 1970 aus eigener Kraft wohl nicht zu stemmen.

Drei Abstiege in sechs Jahren

Die beiden Zweitliga-Absteiger Aachen und Rostock begingen die Saison mit dem Ziel direkter Wiederaufstieg. Stand jetzt hinken sie den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher. Während Hansa wohl noch mit einem blauen Auge davon kommt, kommt für die Alemannia scheinbar jede Hilfe zu spät – nicht nur aus sportlicher Sicht.

Das Team steigt als Tabellenletzter in die Regionalliga ab, was den dritten Abstieg in den vergangenen sechs Jahren bedeutet. Schlimmer noch: Beim UEFA-Cup-Teilnehmer der Saison 2004/2005 steht inzwischen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Raum. Geschieht das noch vor dem Saisonende, würden die noch ausstehenden Spiele des Klubs jeweils mit 2:0 für den Gegner gewertet werden.

Bayern München springt in die Bresche

Alemannia Aachen und der FC Hansa weisen gleich mehrere Parallelen auf: Beide Klubs sind regionale Aushängeschilder im Bereich des Profi-Fußballs. Beide spielen in modernen Arenen, die einst errichtet wurden, um höheren Ansprüchen zu genügen und die in der dritten Liga viel zu hohe Kosten verursachen. Außerdem profitieren die Vereine in diesem Jahr von der Unterstützung des FC Bayern München.

Der Rekordmeister gastierte im Januar zu einem Freundschafts-Benefizspiel am Tivoli, das dem klammen Klub rund 600.000 Euro in die Vereinskasse gespült haben soll. Im Juli treten die Bayern dann mit ihrem neuen Startrainer Pep Guardiola an der Ostsee an. Die Partie ist ausverkauft und sorgt auch in Rostock für einen warmen Regen.

Doch wo liegen die Gründe für die Talfahrt zahlreicher Traditionsvereine? Häufig werden in diesem Zusammenhang die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der 3. Liga kritisiert. Der Insolvenzverwalter der Alemannia Michael Mönig bezeichnete sie in der WDR-Sendung "Sport Inside" als "drohende Insolvenzliga" und beanstandet, dass das Lizenzierungsverfahren des DFB auf "Zufall" basiere. Hinzu komme, dass die 2009 eröffnete Arena Champions-League-Niveau hat. In Liga drei hängt sie dem Verein nun aufgrund der Mindereinnahmen bei Heimspielen und Fernsehgeldern wie ein Klotz am Bein. Verbunden mit hohen Personalkosten für ein vermeintlich schlagkräftiges Team, dass um den Aufstieg mitspielen sollte, entstand so bereits in der Anfangsphase der Saison eine millionenschwere Lücke im Etat.

Dahlmann: "Lizenzierungsverfahren vollkommen in Ordnung"

Hansa Rostock steht zwar sowohl sportlich als auch wirtschaftlich besser da. Gesund ist der Verein, der von 1995 bis 2005 in der Bundesliga spielte, aber ebenfalls nicht. Im Mai 2012 rettete eine wohl beispiellose Welle der Solidarität von Fans des Klubs sowie der Bürgerschaft der Hansestadt und des Landes Mecklenburg-Vorpommerns die Existenz des Vereins. Schulden wurden erlassen, um nach dem Zweitliga-Abstieg die Saison in der 3. Liga zu sichern.

Wie bei der Alemannia ist auch beim FC Hansa die bundesligataugliche Infrastruktur ein belastender Faktor. "Die Finanzierung des Stadions ist klar unter anderen Rahmenbedingungen zu Stande gekommen. Wir bemühen uns daher ja auch, die Finanzierung an die sportlichen Rahmenbedingungen anzupassen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Rostocker Michael Dahlmann im Gespräch mit t-online.de. Das Stadion ist auch im Fall Hansa eine der größten Ursachen für die finanzielle Schieflage. Die Fixkosten sollen sich in der dritten Liga auf rund zwei Millionen Euro belaufen. Kalkulierte Zuschauerzahlen, auf denen die Finanzierungsmodelle der Vergangenheit basierten, werden deutlich verfehlt. Bis zum Jahr 2008 kamen durchschnittlich 15.000 bis 20.000 Fans zu den Heimspielen, in diesem Jahr liegt der Schnitt erstmals nicht einmal mehr im fünfstelligen Bereich.

Hansa-Fans gingen im Mai 2012 auf die Straße, um für die Rettung ihres Klubs zu demonstrieren. (Quelle: imago/Bildwerk)Hansa-Fans gingen im Mai 2012 auf die Straße, um für die Rettung ihres Klubs zu demonstrieren. (Quelle: imago/Bildwerk)

Kritik an der Art und Weise der Lizenzerteilung durch den DFB möchte der Hansa-Boss allerdings trotz der Hiobsbotschaften für die Liga in den vergangenen Monaten nicht üben: „Das Lizenzierungsverfahren des DFB und der DFL ist vollkommen in Ordnung. Das entscheidende Kriterium ist für den DFB immer die gesicherte Liquidität der Vereine für eine Spielzeit.“ Probleme tauchten immer dann auf, wenn es innerhalb der Saison gravierende Planabweichungen gibt und nicht früh genug Gegenmaßnahmen eingeleitet würden.

Eingliederung in die DFL?

Dahlmann sieht die Vereine zunächst einmal selbst in der Pflicht, "vor der eigenen Tür zu kehren", erkennt jedoch auch Verbesserungspotenzial in den Strukturen. "Aus meiner Sicht besteht ein Grundproblem im krassen Unterschied hinsichtlich der TV-Einnahmen zwischen der Bundesliga und der 2. Bundesliga gegenüber der 3. Liga."

Eine Lösung könne die Integration der 3. Liga in die DFL sein, da dann die 3. Liga am Erfolg der Vermarktung der ersten beiden Ligen partizipieren würde. Derzeit, kritisiert er, sei es für die Rechtekäufer möglich, das "Premiumprodukt Bundesliga" losgelöst von der 3. Liga zu erwerben. Durch eine solche Eingliederung könnte die Vermarktungssituation nachhaltig verbessert werden. Schließlich garantiert die Zweitliga-Zugehörigkeit den Klubs einen Mindestbetrag von vier Millionen Euro, eine Etage tiefer sind es weit weniger als eine Million.

Die halbe Liga steht unter Druck

Die Schicksale von Aachen und Rostock sind nur zwei prominente Beispiele von vielen. Neben Offenbach haben auch zahlreiche vergleichsweise kleinere Vereine wie der SV Babelsberg 03 oder Ex-Bundesligist SpVgg Unterhaching in der Vergangenheit bereits darauf aufmerksam gemacht, auf welch schmalem Grat sie sich finanziell bewegen. Zwei Punkte wurden sowohl den Kickers als auch Alemannia Aachen vom DFB in dieser Saison aufgrund von "Verstößen im Rahmen des wirtschaftlichen Zulassungsverfahrens"abgezogen. Dem Zulassungsverfahren also, welches die Liquidität für die laufende Saison darstellen soll.

Die Tatsache, dass sich Aachen und Offenbach nun kurz vor Saisonende 200.000 Euro vom DFB leihen mussten, um die kurzfristige Zahlungsfähigkeit zu wahren, sollte ein Warnschuss sein. Hinzu kommt, dass voraussichtlich nur elf der 20 Vereine die Saison mit einem positiven Ergebnis abschließen werden. Der immer wieder geforderte Generalsponsor für die Liga ist noch nicht gefunden. Laut Ulf Schott, DFB-Direktor für die 3. Liga, ist der Verband auf der Suche nach "der bestmöglichen, nicht nach der schnellstmöglichen" Lösung, so der Funktionär gegenüber dem "Kicker". Grundsätzlich möchte er sich das Premiumprodukt des DFB nicht schlechtreden lassen und spricht von einer insgesamt "stabilen wirtschaftlichen Lage". Andere Meinungen gibt es hierzu auch auf Funktionärsebene. Die vorgelegten Zahlen im Rahmen des Zulassungsverfahrens müssten "künftig genauer" geprüft werden, so Rainer Miloreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbundes. Ansonsten drohe eine "Pleiteliga".

Zumindest aus sportlicher Perspektive ist die Liga über alle Zweifel erhaben. Sowohl der Auf- als auch der Abstiegskampf versprechen Spannung bis zum letzten Spieltag. 6000 Zuschauer besuchen die Spiele der 20 Teams durchschnittlich pro Spieltag. Und dass man mit dem Rücken zur Wand stehend innerhalb kürzester Zeit die Trendwende einleiten kann, zeigt das Beispiel Arminia Bielefeld. 2010 und 2011 stand der Klub von der Alm kurz vor dem Aus. Eine Verschlankung der Personalkosten und die Ausgliederung des Stadions halfen neben Sponsorengeldern und der Politik in der finanziellen Notlage, das Überleben des Klubs zu sichern. Aktuell steht die Arminia drei Spieltage vor Saisonende auf Platz zwei der dritten Liga und hofft auf eine Zukunft im besser bezahlten Profi-Fußball.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal