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WM 2022 in Katar ist mehr als ein Terminproblem

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WM 2022  

Wüsten-Weltmeisterschaft mehr als ein Terminproblem

02.10.2013, 11:26 Uhr | dpa, t-online.de

WM 2022 in Katar ist mehr als ein Terminproblem. Das Khalifa International Stadium in Doha. (Quelle: imago/picture alliance)

Das Khalifa International Stadium in Doha. (Quelle: picture alliance/imago)

FIFA-Präsident Sepp Blatter ist mittlerweile ein richtiger Experte als WM-Krisenmanager. Die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika brachte er mit viel Einsatz letztlich gut über die Bühne. Die kommende WM in Brasilien wird den Schweizer ebenfalls fordern, so viel steht nach den Unruhen beim Confed Cup fest. Allerdings dürfte wohl nichts so kompliziert werden wie die Lösung im Katar-Konflikt.

Das extrem umstrittene Turnier im Jahr 2022 am Persischen Golf wird das FIFA-Exekutivkomitee am Donnerstag und Freitag beschäftigen. Hauptthema wird die Lösung der Terminfrage sein, sprich ob es eine Sommer- oder eine Winter-WM wird. Allerdings sind die Probleme vielschichtiger und führen letztlich zu der Frage, wie lange Joseph Blatter noch im Amt sein wird.

Verdacht auf Korruption bei WM-Vergabe

Als Blatter am 2. Dezember 2010 den Zettel mit der Aufschrift Katar aus dem Umschlag zog, war nicht nur der FIFA-Chef überrascht. 14 von 22 stimmberechtigten Exekutivmitgliedern hatten für den Golfstaat votiert, obwohl dieser vorab die schlechtesten Bewertungen bekommen hatte. Rasch wurde über Bestechung und Betrug spekuliert, steht der Name Katar im Weltfußball doch für scheinbar grenzenlose Geldquellen.

Neun der 22 Exko-Mitglieder von damals sind nicht mehr im Amt, nur wenige verließen das Gremium wie Franz Beckenbauer freiwillig und ohne Korruptionsvorwürfe. Der Beweis einer Katar-Bestechung ist bis heute aber nicht erbracht. Die Untersuchungen von FIFA-Chefermittler Michael Garcia laufen weiter. Sein Bericht war für September angekündigt.

Schon im Februar hatte das deutsche Exko-Mitglied Theo Zwanziger moniert: "Es ist richtig, dass FIFA-Chefermittler Michael Garcia langsam zu Potte kommen muss. Er muss langsam liefern, denn es stehen Anschuldigungen gegen Personen im Raum und die Öffentlichkeit will Antworten haben."

Terminprobleme beschäftigen Exekutivkomitee

Beckenbauer war der Erste, der öffentlich warnte. Michel Platini zog wenig später nach. Blatter brauchte fast drei Jahre, um auf die Winter-Option einzuschwenken. Dabei waren die Probleme lange bekannt. "Sehr heiße, sonnige und trockene Sommer", "Vorkehrungen sind zu treffen", so stand es im Katar-Bericht der WM-Evaluierer vor der Abstimmung im Dezember 2010.

Diese Warnungen wurden von der Mehrheit des FIFA-Exkos ignoriert, und das Problem muss drei Jahre später gelöst werden. Die Sommervariante ist wegen der hohen Temperaturen praktisch vom Tisch, auch wenn die WM-Organisatoren ihre Stadion-Kühltechnik später politisch korrekt für Ernährungs- und Wassernutzungsprogramme einsetzen wollen. Alle Wintertermine, ob nun im Januar oder November/Dezember 2022, sind extrem umstritten.

Die europäischen Fußball-Ligen haben sich mittlerweile formiert. Sie werden die für den Winterplan notwendige Umstellung ihrer Spielpläne nicht einfach akzeptieren. Platini will im Januar spielen lassen. Blatter im November/Dezember, um einen Konflikt mit dem IOC wegen der Olympischen Winterspiele 2022 zu vermeiden.

Größter Winter-WM-Gegner sind die Engländer, die auf ihren traditionellen Spieltag am Boxing Day (26. Dezember) verzichten müssten. "Ich würde den Engländern gerne sagen: Wir haben euren Kalender für 150 Jahre respektiert - für einen Monat in 150 Jahren könnt ihr etwas ändern", meinte Platini. Ganz so einfach ist es aber nicht. Der Spielkalender müsste wohl grundlegend revolutioniert werden - in Deutschland wegen Auf- und Abstiegsregelungen eventuell bis in die Kreisklasse. Die Deutsche Fußball Liga will daher großangelegte Umfragen unter allen Betroffenen starten.

Menschenrechtsverletzungen auf den Baustellen?

Dieser Bericht schockierte in der vergangenen Woche die Fußball-Welt. 44 nepalesische Gastarbeiter sollen auf Baustellen in Katar gestorben sein, nicht durch Unfälle, sondern wegen unzumutbarer Bedingungen in glühender Hitze, berichtete die englische Zeitung "The Guardian". Selbstverständlich wurde schnell die Frage gestellt, ob ein Land, in dem ein Menschenleben wenig Wert zu haben scheint, der geeignete WM-Gastgeber sein kann.

Internationale Gewerkschafter und Menschenrechtler protestierten heftig. Die FIFA gab sich bestürzt, wollte vor schnellen Reaktionen aber zwecks Aufklärung den Kontakt zu den Katarern suchen. Einzig Zwanziger äußerte sich klar. Die Todesfälle sind für das deutsche Exko-Mitglied ein Fall für die FIFA-Ethikkommission. Dem Weltverband bescheren die Berichte nach vielen Monaten der Negativ-Schlagzeilen um Korruption in jedem Fall schon wieder ein moralisches Problem.

Machtkampf zwischen Blatter und Platini

Krisen sind am besten zu lösen, wenn alle Protagonisten an einem Strang ziehen. Davon ist die FIFA weit entfernt. Bei allen Themen schwelt schon jetzt der sehr wahrscheinliche Machtkampf zwischen Blatter und Platini um den FIFA-Präsidententhron. Amtsinhaber Blatter hat über die notwendigen Reformprozesse seine Ankündigung verdrängt, 2015 nicht mehr antreten zu wollen. Offenbar will er unbedingt seinen einstigen Kompagnon Platini im Amt verhindern.

Kurz vor der WM 2014 will sich Blatter äußern, ob er nochmal kandidiert, Platini will sich erst danach öffentlich festlegen. Der Status quo führt schon jetzt zu teilweise skurrilen Situationen. So suggerierte Blatter kürzlich, dass es bei der Katar-Wahl politischen Einfluss gegeben habe und beschädigte damit die WM weiter - aber vor allem auch Platini. Von dem UEFA-Chef ist bekannt, dass er kurz vor der Abstimmung vom damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Élysée-Palast geladen war. Mit am Tisch saß auch Scheich Hamad Al Thani, der Emir von Katar.

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