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System Löw mit Sportdirektor Flick zementiert

18.10.2013, 15:35 Uhr | dpa

System Löw mit Sportdirektor Flick zementiert. DFB-Chef Niersbach (l), Löw und DFB-Generalsekretär Sandrock bei der Vertragsverlängerung.

DFB-Chef Niersbach (l), Löw und DFB-Generalsekretär Sandrock bei der Vertragsverlängerung. Foto: Simon Hofmann. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Für Ausstiegsklauseln und WM-Pleiteszenarien war kein Platz und keine Zeit: Mit großer Freude und vielen Lobeshymnen hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das System Joachim Löw zementiert.

Lässig saß Löw auf seinem schwarzen Drehstuhl und lächelte. Das babyblaue Hemd bis zum zweiten Knopf unterm Kragen geöffnet demonstrierte der Bundestrainer auch optisch seinen Gemütszustand großer Entspanntheit. Die Lobesrede des neben ihm sitzenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zum neuen Vertrag bis 2016 war eindrucksvoll und begründete das schriftlich fixierte Vertrauen über die WM 2014 hinaus.

Mit seinem Noch-Assistenten Hansi Flick als DFB-Sportdirektor in spe hat der 53-Jährige an allen Schalthebeln um sich nur noch Freunde und Vertraute - sofern ein dramatisches Scheitern in Brasilien den neuen Kontrakt nicht null und nichtig werden lässt.

Mögliche Ausstiegsszenarien sollten die große Verkündung in der Frankfurter Verbandszentrale aber nicht stören. "Wir gehen alle mit großer Motivation und Leidenschaft die nächsten Monate an die Arbeit. Es macht uns nach wie vor eine riesengroße Freude", sagte Löw. Niersbach unterstrich seine Zufriedenheit mit den Worten: "Es ist ein klares Signal vonseiten des DFB, vonseiten des Präsidiums und auch von mir. Wir wollen weitermachen." Sein Vergleich zu den Verhandlungen um eine Regierungsbildung in Berlin - die ja angesichts vieler notwendiger Kompromisse ungleich schwerer seien als die Vertragsgespräche DFB-Löw - verdeutlichte, welche Dimension der Verband diesem Tag beimaß.

Zwei Plätze rechts von Löw saß derweil Flick, das Hemd deutlich zugeknöpfter als sein Noch-Chef und hatte merklich Mühe, seine künftigen Aufgaben als Sportdirektor zu präzisieren. Der 48-Jährige muss bis zur WM den Spagat schaffen, noch Löws Co-Trainer und doch schon irgendwie Sportdirektor zu sein, wenn auch offiziell nur kommissarisch mit Generalsekretär Helmut Sandrock an der Seite.

Flick soll dem einst von Bundestrainer Jürgen Klinsmann geschaffenen Posten personelle Kontinuität geben und bekam einen Fünfjahresvertrag. "Er kennt die Strukturen, die handelnden Personen. Er braucht keine Eingewöhnung", unterstrich Niersbach. Löw begrüßte den Wechsel, obwohl er sich nun einen neuen Assistenten suchen muss. "Ich bin absolut überzeugt, dass er diese Aufgabe als Sportdirektor mit unglaublich viel Kompetenz und Autorität angeht und natürlich auch eine große Leidenschaft mitbringt", betonte er. Interne Diskussionen und Ränkespiele wie einst mit dem ersten DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bleiben Löw erspart.

Die Sitzordnung machte klar, dass Flicks erste Ansprechpartner mit Amtsantritt am 1. September 2014 Niersbach und Sandrock sein werden - nicht mehr Löw. Genau genommen ist Flick dann sogar ranghöher. Die Grundkoordinaten der Machtverhältnisse um die Nationalmannschaft verschieben sich aber nicht. Im Gegenteil. Sie wurden sogar zementiert - mit Löw als Frontmann für die Titelträume.

"Wir alle haben ein großes Ziel: Weltmeister zu werden", sagte Flick in seinem forschesten Satz des Tages. Diesen Druck nicht zu groß werden zu lassen, wird Löws größte Aufgabe sein. Versprechen wollte er nur so viel: "Wir werden uns weltmeisterlich vorbereiten und gehen mit einer positiven Einstellung in das Turnier. Ich kann garantieren, dass wir eine Mannschaft haben, die hungrig ist. Wir sind überzeugt, dass wir eine sehr, sehr gute WM spielen werden. Da gibt es bei uns keine Zweifel." Für den schlimmsten Fall der Fälle - einem Aus in der Vorrunde - hatte Löw schon vorab seinen Abschied angekündigt.

Niersbach sprang schnell zur Seite. "Wir wollen Weltmeister werden, das Problem ist, andere wollen das auch", sagte der Verbandschef. Klare Zielvorgaben gibt es also für Löw nicht. Fragen nach eventuellen Ausstiegsklauseln im Vertragswerk verbat sich Niersbach. Löw stellte lapidar fest, dass es bei dem großen Vertrauen eigentlich keiner Dokumente bedürfe. "Wir arbeiten jetzt schon seit neun, fast zehn Jahren zusammen. Normalerweise hätten wir nicht mal einen Vertrag gebraucht. Unser Verhältnis ist so gut und so eng, dass wir das auch in einem Gespräch und per Handschlag hätten regeln können."

Fast nur als Randereignis wurde notiert, dass Löws langjährige Mitstreiter Oliver Bierhoff als Teammanager und Andreas Köpke als Torwartcoach auch neue Zweijahresverträge bekamen. Das System Löw bleibt also auch auf diesen Positionen intakt. Bierhoff wird sich nun mit Hochdruck um die WM-Planungen kümmern. Köpke oblag es sogar, schon auf das nächste Turnier zu schauen. Als ehemaliger Marseille-Profi hat er "beste Erinnerungen" an Frankreich als EM-Gastgeberland 2016. Für Löw liegt der Fokus auf Brasilien.

Punkt 10.22 Uhr war es - hatte Niersbach notiert - als die Tinte unter den Vertrag gesetzt wurde - anschließend gefeiert mit den DFB-Mitarbeitern bei einem bayrischen Frühstück und Muffins mit Brasilien-Fähnchen dekoriert. Nach einer Ansprache Löws brandete auch außerhalb des Raumes deutlich vernehmbarer Applaus auf.

In der Bundesliga wurde die allseits erwartete Verlängerung mit großem Wohlwollen zur Kenntnis genommen. "Eine viel bessere Bilanz kann man nicht vorweisen. Von daher ist es logisch, dass man verlängert", sagte Wolfsburgs Sportdirektor Klaus Allofs. "Das ist eine gute Entscheidung. Joachim Löw hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er aktuell der Beste für diese Position ist", sagte Stuttgarts Sportverstand Fredi Bobic.

Und auch von höchster Fußball-Instanz wurde der Vertragsabschluss gutgeheißen. "Es ist klar, dass man ein bewährtes Paar nicht auseinanderreißt. Das war die logische Konsequenz. Man kann beiden nur zu dieser Entscheidung gratulieren. Bei Vertragsunterschrift kann niemand einen Titel garantieren. Joachim Löw hat seine Mannschaft im Griff. Die deutsche Mannschaft wird einen guten Fußball spielen, ob es zum Weltmeistertitel reicht, ist eine andere Sache", sagte Franz Beckenbauer.

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