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WM 2022: Katar räumt inakzeptable Zustände ein

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Todesfälle auf WM-Baustellen  

Katar räumt erstmals inakzeptable Zustände ein

17.11.2013, 13:53 Uhr | sid

WM 2022: Katar räumt inakzeptable Zustände ein. Auf den WM-Baustellen in Katar arbeiten hunderttausende Gastarbeiter. (Quelle: dpa)

Auf den WM-Baustellen in Katar arbeiten hunderttausende Gastarbeiter. (Quelle: dpa)

Katar hat teils inakzeptable Zustände für die Gastarbeiter auf seinen WM-Baustellen eingeräumt - aus der Ferne will sich das Emirat aber nicht be- und verurteilen lassen. Hassan Al-Thawadi, Generalsekretär des Organisationskomitees und daher so etwas wie der Krisenmanager der WM 2022, kündigte nicht nur zügige Verbesserungen an. Er lud auch den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach ein, sich vor Ort selbst ein Bild der Lage zu machen.

"Ich habe sehr großen Respekt vor Herrn Niersbach", sagte Al-Thawadi, "man muss allerdings Fakten von Fiktion trennen. Ich lade ihn ein, nach Katar zu kommen, mit uns zu sprechen und zu verstehen, was hier passiert."

Generell zeigte der 35-Jährige für Einmischung und Ratschläge wenig Verständnis: Es gehe ja um Themen, "die zuerst uns am Herzen liegen sollten - und nicht anderen".

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Sepp Blatter glaubt, es sei genügend Zeit die Probleme zu lösen. Video

"Jeder Tote ist inakzeptabel"

Um das Großereignis in dem Wüstenstaat zu ermöglichen, werden gigantische Bauten auf Geröllebenen aus dem Boden gestampft. Hierzu holt das Emirat zu Hunderttausenden Gastarbeiter ins Land, vor allem aus Nepal und Indien. Medienberichten zufolge sterben jeden Monat Dutzende von ihnen an Folgen unmenschlicher Bedingungen - wie brutaler Hitze und mangelndem Zugang zu Gratis-Wasser.

Selbstverständlich, versicherte Al-Thawadi, sei "jeder Tote, jeder einzelne Tote jenseits der Zahl Null inakzeptabel". Doch er wolle Niersbach zeigen, "welche Maßnahmen wir umgesetzt haben, mit welchem Engagement wir dieses Thema angehen. Ich würde ihm erklären, warum es Zustände gibt, die sicherlich niemand akzeptieren kann. Wir arbeiten sehr hart, und die Regierung will diese Probleme so schnell wie möglich lösen".

Reform gegen Sklaverei-ähnliche Zustände angekündigt

Der OK-Chef von Katar verwies in diesem Zusammenhang auf eine schon im März verabschiedete Arbeiter-Charta, die die "Sicherheit, Würde und Gesundheit eines jeden, der an der WM mitarbeitet", sichere. Zudem überraschte er mit der Aussage, das Kafala-System, das ausländische Arbeiter teils in sklavenähnliche Verhältnisse treibt, stehe vor der Modifizierung.

Gastarbeiter sind ihrem Bürgen, meist dem Arbeitgeber, der bei der Einreise gleich den Pass einzieht, ausgeliefert. "Derzeit wird das System auf den Prüfstand gestellt, es wird von den Ministerien überprüft, um zu schauen, wie man es der Entwicklung des Landes anpassen kann", sagte Al-Thawadi. Er wolle allerdings dem Gesetzgeber nicht vorgreifen. Jede Veränderung müsse nachhaltig sein und das System verbessern.

Terminfrage sei Sache der FIFA

In der Diskussion über einen WM-Termin im November oder Dezember sieht Katar den Fußball-Weltverband gefordert. "Um diese Frage muss sich hauptsächlich die FIFA kümmern. Präsident Joseph S. Blatter hat seine Vorliebe für diesen Zeitraum erklärt. Es gibt eine Diskussion im Exekutivkomitee über den Termin, und wir warten gespannt auf eine Entscheidung."

Die FIFA habe auch den ersten Schritt getan. "Sie berät. Ende dieses Jahres wird sie ein Ergebnis präsentieren. Wir haben noch Zeit. Lasst uns das Gewehr nicht zu früh abfeuern!", sagte Al-Thawadi. Sein Land sei weiter auch für eine Austragung im Sommer gerüstet.

Hoffnung auf "Sommermärchen à la Katar"

Angesichts der Kritik, die auf Katar einprasselt, erhofft sich Al-Thawadi in neun Jahren einen historischen, einigenden Moment und zieht Vergleiche mit Deutschland: "Wenn eine Nation die Kraft des Fußballs versteht, wenn eine Nation gespürt hat, wie eine WM ein Land verändern kann, dann ist es Deutschland. 1954 Weltmeister zu werden, hat Deutschland geholfen, aus einer sehr schwierigen Zeit herauszukommen", sagte er: "Die WM 2006 hat dann West- und Ostdeutschland wirklich zusammengeführt."

Durch die WM habe die Welt einen anderen Blick auf Deutschland bekommen, "auf eine sehr warme, freundliche Gesellschaft, sie hat das Land gezeigt, wie es ist: Eine Nation, die Leistung abliefert - mit einem Lächeln". Ähnliches wolle Katar nun auch erleben, denn, so Al-Thawadi pathetisch, "am Ende sind wir eine Familie: Was uns zusammenbringt, ist die Liebe zum Fußball, zum Sport. Wir sind eine Mannschaft, eine Menschheit, eine Welt." Noch sind es neun Jahre bis zur WM. Die Zeit läuft.

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