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Fußball  

Löw: "Weltmeister - nicht gerade das Einfachste"

03.12.2013, 11:28 Uhr | dpa

Löw: "Weltmeister - nicht gerade das Einfachste". Für Joachim Löw ist Brasilien der große Favorit auf die WM-Trophäe.

Für Joachim Löw ist Brasilien der große Favorit auf die WM-Trophäe. Foto: Bernd Weißbrod. (Quelle: dpa)

Costa do Sauípe (dpa) - Am Freitag kennt Deutschland seine WM-Vorrundengegner. "Weltmeister zu werden, ist nicht gerade das Einfachste auf der Welt", weiß Joachim Löw schon jetzt.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa spricht Löw über Brasilien, seine WM-Idole, sein Verständnis für Proteste und seinen WM-Plan.

Die WM in Brasilien bekommt am Freitag mit der Gruppen-Auslosung in Costa do Sauípe ein Gesicht. Haben Sie den Reiseführer mit in der Tasche, Herr Löw?

Löw: Ich habe mich schon in diesem Sommer ausgiebig mit Brasilien beschäftigt. Die Vorfreude ist auf jeden Fall sehr groß. Brasilien ist einfach das Fußball-Land. Das habe ich schon beim Confed Cup erlebt und gespürt. Es wird nirgendwo Fußball intensiver gelebt und geliebt als in Brasilien. Deshalb freue ich mich darauf, Land und Leute noch ein bisschen näher kennenzulernen, auch wenn der Trip nicht so lang ist. Ich war schon im Sommer begeistert von dieser Intensität, von der Liebe und der Leidenschaft für den Fußball. Das hat mich sehr beeindruckt.

Das klingt nach Fußball-Traumland auch für Sie persönlich?

Löw: Ja. Brasilien hat ja eine riesengroße Fußballgeschichte. Schon die fünf Titelgewinne sprechen eine klare Sprache. Man kennt ja die Bilder im Fernsehen, wenn die Kinder dort sozusagen mit dem Ball am Fuß aufwachsen. Ich habe selbst gesehen, dass es eine unglaubliche Anzahl an Talenten gibt. Das kleinste Kind ist fußballvernarrt. Überall wird Fußball gespielt, in allen Altersschichten. Fußball hat bei den Menschen wahrscheinlich den höchsten Stellenwert nach der Religion.

Schon 1970 wurde Brasilien zum dritten Mal Weltmeister. Waren Sie selbst damals als zehnjähriger Junge auch der kleine Pelé beim Bolzen auf der Straße?

Löw: Pelé war zu unserer Zeit sicher eines unserer Idole wie hier im Land Franz Beckenbauer. Mein Idol war ja auch Günter Netzer. Aber diese brasilianischen Ballzauberer, die haben wir schon gekannt und bewundert.

Was verbindet Sie als Trainer mit Brasilien? Haben Sie die großen brasilianischen Weltmeister-Trainer wie Mario Zagallo, Felipe Scolari, der ja jetzt wieder aktueller Nationalcoach ist, oder Carlos Alberto Parreira studiert?

Löw: Ich habe in meiner ganzen Laufbahn als Trainer immer versucht, die südamerikanische Spielweise zu studieren, mich auch daran zu orientieren. Es ist natürlich auch ein etwas anderer Stil und nicht unbedingt eins zu eins auf unsere Spielweise zu übertragen. Zuletzt hat mich Brasilien beim Confed Cup sehr beeindruckt. Gute Defensivarbeit, Ordnung, Organisation - das sieht man neben aller individuellen Klasse. Dazu bringen die Brasilianer im Vergleich zu den vorangegangen Jahren auch eine sehr gute Physis mit.

Brasilien ist also Ihr Topfavorit. Sie streben den Titel mit Ihrem Team auch an. Was muss alles zusammenkommen, damit das gelingt?

Löw: Es muss alles passen. Die Spieler müssen in einer hervorragenden Form sein. Wir müssen es schaffen, dass wir uns in den drei, vier Wochen Vorbereitung richtig einspielen. Dann müssen wir von Verletzungen verschont bleiben in den Monaten davor. Dazu braucht man das Quäntchen Glück. Wir haben ja schon erlebt, dass es an ganz winzigen Dingen, an Nuancen, hängt, ob man ins Finale kommt oder zuvor ausscheidet. Die Mannschaft muss zu 100 Prozent funktionieren. Wenn jemand denkt, wir Deutschen müssen nur an den Zuckerhut fliegen und einfach den WM-Pokal abholen, diese Leute verkennen die Situation.

Vor den besonderen Bedingungen in Brasilien haben Sie ja schon gewarnt.

Löw: Lange Reisen, Zeitunterschiede, verschiedene klimatische Verhältnisse. Entscheidend wird sein, welche Mannschaft sich am besten auf diese Bedingungen einstellen kann. Die Brasilianer und alle Süd- und Mittelamerikaner sind das gewohnt. Für Europäer sind es andere Bedingungen. Wir kennen das nicht im Detail.

Wie wollen Sie das Ihrer Mannschaft nahebringen? Viele Spieler waren ja trotz internationaler Erfahrung noch nicht oder nur selten in Südamerika.

Löw: Wir werden die Mannschaft in Gesprächen komplett informieren. Vor allem über die Dinge, die uns vielleicht schwierig erscheinen, dort aber ganz normal sind. Die Spieler müssen sich bewusst sein, dass es Unwägbarkeiten gibt, die es anzunehmen gilt, ohne dass man damit Energie vergeudet. Wir werden ein paar Tage vor Turnierstart nach Südamerika reisen, um dort Erfahrung zu sammeln.

Worauf kommt es besonders an?

Löw: Wie schnell adaptiert man sich, wie schnell gibt man sich mit den Begebenheiten vor Ort ab, ohne dass man lamentiert. Lamentieren heißt Verlieren. Es werden viele Dinge kommen, die wir nicht gewohnt sind. Wenn man da mit dem Schicksal hadert, sich ärgert und das vielleicht aufs Spielfeld überträgt, dann hat man schon verloren. Mit einer solchen Einstellung kann man nicht Weltmeister werden.

Sind Sie die Liste der möglichen Vorrundengegner schon mal durchgegangen? Anders als bei vorangegangen WM-Turnieren droht ja gleich eine Supergruppe.

Löw: Eine Supergruppe ist möglich, ja. Aber es ist wie 2012 bei der EM, als wir auch drei starke Gegner in der Vorrunde hatten. Manchmal ist es auch ein Vorteil, wenn du von Anfang an gleich in dem Turnier voll drin bist und die Konzentration hochfährst. Anders als vor acht oder zwölf Jahren macht man sich keine Illusionen mehr, dass man in der WM-Vorrunde zwei oder sogar drei relativ einfache Gegner bekommen könnte.

Der Confed Cup war auch mit Protesten von Teilen der Bevölkerung verbunden, die das Mega-Ereignis WM in einem Land mit so extrem sozialen Unterschieden als unangebracht sehen. Wie registrieren Sie als einer der sportlichen Hauptakteure diese Widersprüche?

Löw: Ich habe natürlich registriert, dass die Menschen auf die Straße gegangen sind und demonstriert haben für Gesundheit, für Bildung, für den Ausbau der Infrastruktur. Hier geht es um ganz wichtige Anliegen der Menschen. Ich denke, man muss die Proteste ernst nehmen, soweit ich informiert bin, versucht die Regierung ja darauf einzugehen. Auch die brasilianische Nationalmannschaft hat sich ja auf die Seite der Demonstranten gestellt und sich dafür stark gemacht. Ich kann gut nachvollziehen, dass sich die Bevölkerung mehr Investitionen in so elementare Bereiche wünscht, das sind wichtige Grundvoraussetzungen, da geht es um die Zukunft der Menschen. Mein Wunsch jedoch wäre, dass die Demonstrationen immer friedlich ablaufen.

Wie wird die Mannschaft mit solchen Sachen umgehen?

Löw: Natürlich wollen wir Brasilien und seinen Menschen mit offenen Augen begegnen, wir werden sicher nicht wegschauen und das in diesem Land vielleicht sehen und erleben, wenn wir vier, fünf Wochen in Brasilien sind. Aber es ist schon so, dass wir als Mannschaft, die sich auf das Fußballspielen fokussieren muss, nicht ganz so nah dran sind. Unsere Aufgabe heißt, sich vorzubereiten, zu konzentrieren auf das Sportliche. Aber noch mal: ich habe Verständnis für die Anliegen der Bevölkerung.

Die WM bleibt das Nonplusultra für Spieler und Fans, woraus bezieht sie ihren großen Reiz?

Löw: Eine WM steht für einen Spieler über allem anderen. Es ist eine nationale Angelegenheit. Da gibt es keine Borussen- oder Bayern-Fans, keine Real-Fans. Dann steht ganz Deutschland hinter der Mannschaft. Die ganz großen Spieler, die unvergessen bleiben, haben Weltmeisterschaften ihren Stempel aufgedrückt. Das bleibt für immer haften. 1966, 1974 - da wissen die Leute noch heute, wer in welcher Minute die Tore erzielt hat. Gerd Müller, Günter Netzer, später Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler - sie bleiben wegen der WM im Gedächtnis.

Da wäre es für Sie das Schönste, wenn 2014 Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, Reus, Klose und Özil in diese Galerie aufsteigen. Dann wären auch Sie Weltmeister-Macher?

Löw: Einige sind schon lange dabei, Schweinsteiger, Mertesacker, Lahm, Klose, die spielen auf einem Weltklasseniveau. Aber natürlich weiß man, dass ein Titel immer etwas ganz Besonderes ist. Die Spieler kämpfen verbissen darum. Sie sind ehrgeizig, das zu erreichen. Aber Weltmeister zu werden, ist nicht gerade das Einfachste auf der Welt.

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