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Kommentar zur WM 2022: Der Fußball ist der große Verlierer

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Die FIFA führt sich selbst ad absurdum

08.01.2014, 16:22 Uhr | t-online.de

Kommentar zur WM 2022: Der Fußball ist der große Verlierer. Sorgt für Diskussionen: Die WM 2022 in Katar bringt den Weltverband FIFA einmal mehr ins Gerede. (Quelle: dpa)

Sorgt für Diskussionen: Die WM 2022 in Katar bringt den Weltverband FIFA einmal mehr ins Gerede. (Quelle: dpa)

Ein Kommentar von Mark Weidenfeller

Es wird immer schlimmer. Zuerst vergibt die FIFA die WM 2022 an ein Land, in dem Menschenrechte verletzt werden. Dann verkommt die Planung der Endrunde in Katar zu einem peinlichen Possenspiel. Und jetzt widersprechen sich die Oberen des Weltverbands auch noch gegenseitig in aller Öffentlichkeit. Nur wenige Minuten nachdem Generalsekretär Jérôme Valcke mitgeteilt hatte, dass das Turnier im Winter stattfinden werde, kam prompt das Dementi. Vizepräsident Jim Boyce zeigte sich von den Äußerungen "schockiert" und letztlich erklärte der mächtigste Sportverband der Welt, dass längst noch nichts entschieden sei. Willkommen im Kasperletheater.

Dementi hin oder her - die FIFA ist offenbar kurz davor, das folgenschwerste Eigentor der Fußballgeschichte zu erzielen. Doch neben dem Weltverband, dessen Ruf durch das Katar-Desaster sowieso schon langfristig beschädigt ist, gibt es einen weiteren großen Verlierer: den Fußball.

Das jüngste Chaos offenbart die gesamte Hilflosigkeit - die Mechanismen sind zu festgefahren und die Prioritätensetzung driftet immer mehr in eine ganz falsche Richtung ab. Die Vergabe des Turniers an Katar zeigt auch, dass der Sport schon lange nicht mehr im Vordergrund steht. Es geht um politische Interessen, um Eitelkeiten von Machthabern und letztlich vor allem um viel, viel Geld.

Katar - um jeden Preis

Sepp Blatter und Co. haben wissentlich ignoriert, dass Temperaturen über 45 Grad Celsius schlicht zu hoch sind, um Fußball zu spielen - selbst für die hochbezahlten und austrainierten Profis. Zu sehr wollten die Macher den prestigeträchtigen Zuschlag an das reiche Scheichtum durchdrücken. Schnell gab es den Verdacht der Korruption.

Jetzt, knapp drei Jahre nach der offiziellen Verkündung, bekommen Präsident Blatter und Mitstreiter kalte Füße und werfen offenbar mal eben eine jahrelang Tradition über Bord. Sie stoßen Fans auf der ganzen Welt vor den Kopf und legen sich zudem mit den Vereinen an. Denn die mögliche Verschiebung der WM-Endrunde in den Winter wird erheblich Auswirkungen haben. Ein großes Turnier mitten in der Saison ruft vor allem die großen Klubs auf den Plan. Diskussionen über Abstellungen von Nationalspielern sind programmiert.

Das sportliche Großereignis Fußball-Weltmeisterschaft erfährt eine ungeahnte Herabwürdigung. Der alle vier Jahre stattfindende Höhepunkt verkommt zu einem störenden Turnier, Nationalspieler werden fast drei Jahre ohne größere Pausen durchspielen müssen.

Public Viewing mit Glühwein?

In der Vergangenheit wurden Fußballweltmeisterschaften zudem - wir erinnern uns an die freudetrunkene Heim-WM 2006 - immer mehr zu großen Volksfesten. Mit Fanmeilen, ausgelassen tanzenden Fans auf den Straßen und länderübergreifenden Partys unter freiem Himmel. Bei angenehmen Temperaturen. Das wird - zumindest in Europa - im Winter 2022 (oder 2023?) wohl ausfallen müssen. Trotz Klimawandel.

Womit wir beim nächsten Kritikpunkt wären: Blatter sprach sich schon vor geraumer Zeit - für den Falle einer Verschiebung - für den Winter 2022/23 aus. Man wolle so einen Konflikt mit dem olympischen Winterspielen vermeiden. Der Fußball rückt ins zweite Glied, der beliebteste Sport der Welt verkommt zum Lückenfüller.

Eine endgültige Entscheidung soll übrigens Ende 2014 fallen. Apropos 2014. Freuen wir uns auf die WM in Brasilien. Denn in diesem Sommer ist die Fußballwelt noch in Ordnung.

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