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WM 2022: Empörung über Tote auf Baustellen in Katar

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Niersbach: "Furchtbar"  

Empörung über Tote auf WM-Baustellen in Katar

26.01.2014, 14:23 Uhr | dpa

WM 2022: Empörung über Tote auf Baustellen in Katar. Auf den Baustellen in Katar herrschen offenbar unmenschliche Zustände. (Quelle: dpa)

Auf den Baustellen in Katar herrschen offenbar unmenschliche Zustände. (Quelle: dpa)

Berichte über weitere Todesfälle und unmenschliche Zustände auf den Baustellen für die Fußball-WM 2022 in Katar haben weltweit für große Empörung gesorgt. Einem Bericht des "Guardian" zufolge kamen bei Arbeiten im Gastgeberland der Weltmeisterschaft mindestens 382 Gastarbeiter allein aus Nepal ums Leben. Die Arbeitgeber sollen ihren Lohnarbeitern bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius Wasser verweigern, ihnen zu wenig zu essen geben sowie sie treten und schlagen lassen.

"Es ist furchtbar, die erschütternden Meldungen von den Baustellen in Katar zu lesen. Es reicht nicht aus, diese Missstände immer wieder zu beklagen, es muss schnellstens etwas Konkretes passieren", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Fußball-Welt wurde durch die neuerlichen Berichte erneut aufgeschreckt, obwohl die Vorwürfe im Kern spätestens seit September vergangenen Jahres bekannt sind.

Der Weltverband FIFA, der die WM 2022 in einer umstrittenen Entscheidung an das öl- und gasreiche Wüsten-Emirat vergeben hatte, reagierte ebenfalls auf den Bericht des "Guardian" und erhöhte den Druck auf den Gastgeber. "In Katar müssen zügig und dauerhaft durchweg faire Arbeitsbedingungen eingeführt werden, und zwar auf einer nachhaltigen Basis", hieß es vom Verband, der "auf eine Dringlichkeitslösung" hinarbeite.

"Moderne Sklaverei"

Niersbach hofft auf ein Einschreiten von FIFA und Internationalem Gewerkschaftsbund (IGB), "weil beide zusammen die Möglichkeiten haben, den Druck zu erhöhen und über diesen Weg hoffentlich die dringend nötigen Änderungen herbeizuführen", sagte er. Der IGB hatte bereits mehrmals von "moderner Sklaverei" in Katar gesprochen. "Sobald die Arbeiter in Katar ankommen, nehmen ihnen die Arbeitgeber die Pässe weg. Bis zum Tag, an dem sie das Land verlassen, stehen sie unter der vollständigen Kontrolle ihrer Arbeitgeber", sagte IGB-Sprecher Tim Noonan.

Laut "Guardian" starben in den vergangenen zwei Jahren 382 Nepalesen bei Arbeiten in dem Wüsten-Emirat. Im September hatte das Blatt bereits berichtet, dass zwischen 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 Gastarbeiter aus dem Staat am Himalaya-Gebirge auf den WM-Baustellen wegen Herzversagens oder Arbeitsunfällen als Folge katastrophaler Bedingungen gestorben waren.

Regierung von Katar leitet offizielle Untersuchung ein

Die Zeitung beruft sich auf offizielle Dokumente. Mehr als 90 Prozent aller Arbeitskräfte in Katar stammen nicht aus dem Emirat. Ein Sechstel der zwei Millionen Gastarbeiter kommen dem "Guardian" zufolge aus Nepal. Die Todesraten unter Arbeitern aus anderen Nationen seien noch nicht bekannt. Die Regierung von Katar habe eine offizielle Untersuchung eingeleitet. In den nächsten Wochen wolle eine von ihr beauftragte Anwaltskanzlei einen Bericht vorlegen.

"Die Anwendung internationaler Verhaltensnormen ist ein Grundsatz, Bestandteil all unserer Aktivitäten und wird von allen Ausrichtern unserer Veranstaltungen erwartet", schrieb die FIFA. Der Verband glaube "fest an die positive Macht", die die WM in Katar "als Plattform für soziale Veränderungen haben kann, einschließlich der Verbesserung der Arbeitsrechte und der Bedingungen für Gastarbeiter".

Ständig neue Meldungen über Tote in Katar

Der "Guardian" hatte einen Teil der Informationen von der nepalesischen Organisation Pravasi Nepali Co-ordination Committee (PNCC) erhalten, die sich für die Rückführung der Leichen ihrer Landsleute in ihre Heimat einsetzt. Demnach treffen ständig neue Meldungen über Tote in Katar ein. Die Organisation rief alle FIFA-Sponsoren dazu auf, ihre Geschäftsbeziehungen zum Weltverband zu überprüfen. "Das waren alles junge und tatkräftige Menschen, deren Zukunft vor ihnen lag, die Familien zu Hause hatten und für die es sich lohnte zu leben", heißt es in einem Statement des PNCC. "Viele von ihnen mussten sich richtiggehend zu Tode arbeiten", wird darin beklagt. "Alle wurden von der FIFA verraten."

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