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Karl-Heinz Rummenigge: "Der größte Nutznießer wird Löw sein"

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FC Bayern München  

Karl-Heinz Rummenigge: "Der größte Nutznießer wird Löw sein"

17.02.2014, 14:48 Uhr | dpa

Karl-Heinz Rummenigge: "Der größte Nutznießer wird Löw sein". Karl-Heinz Rummenigge möchte nicht wieder zwölf Jahre bis zum nächsten Champions-League-Triumph warten.

Karl-Heinz Rummenigge möchte nicht wieder zwölf Jahre bis zum nächsten Champions-League-Triumph warten. Foto: David Ebener. (Quelle: dpa)

München (dpa) - Titelverteidiger FC Bayern München fiebert dem Start der K.o.-Phase in der Fußball-Champions-League entgegen.

"Wir müssen wieder mit der Qualität und Besessenheit des letzten Jahres in die Spiele gehen", sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge (58) vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Mittwoch beim FC Arsenal im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Der FC Bayern kehrt nach London zurück, den Ort des Champions-League-Sieges 2013. Und wie im vergangenen Jahr ist der FC Arsenal wieder der Gegner im Achtelfinale. Ein gutes Omen?

Karl-Heinz Rummenigge: Ja, ich mag London. Und seit letztem Sommer noch ein Stück mehr. Wir haben gute Erinnerungen an Arsenal. Und seit dem Finalsieg gegen Dortmund ist London für uns noch attraktiver geworden."

Ist der FC Arsenal stärker als vor einem Jahr, als Bayern in London 3:1 gewann und trotz eines 0:2 im Rückspiel weiterkam?

Rummenigge: Ich denke, ja. Das bestätigt auch schon ein Blick auf die Premier League. Vor einem Jahr hatte Arsenal keine Chance, die Meisterschaft zu gewinnen, jetzt haben sie eine. Sie haben auf dem Transfermarkt sehr groß zugeschlagen. Die Qualität der Mannschaft hat sich ein Stück nach oben bewegt.

Vor einem Jahr erschien vor dem Achtelfinale gegen Arsenal der Gewinn des Triples wie ein kühner Traum. Gilt das auch für eine Wiederholung dieses historischen Erfolges in dieser Saison?

Rummenigge: Es stimmt, vor einem Jahr hatten wir noch das Trauma des verloren Heimfinales gegen Chelsea im Hinterkopf, das wir irgendwann abarbeiten wollten. Damals haben wir nicht an das Triple gedacht. Und wir sollten auch in diesem Jahr wieder von Runde zu Runde denken. Das Endspiel in Lissabon ist viel zu weit entfernt. Die richtige Champions League geht jetzt mit den K.o.-Runden los. Jeder schlechte Tag, jede Unkonzentriert bezahlst du teuer. Wir müssen wieder mit der Qualität und Besessenheit des letzten Jahres in die Spiele gehen. Dann haben wir gute Chancen, ins Viertelfinale einzuziehen.

Erstmals haben sich vier deutsche Vereine für das Achtelfinale qualifiziert. Nur England kann da mithalten. Was sagt das aus über den Stellenwert der Bundesliga in Europa?

Rummenigge: Der Erfolg der Bundesliga wird nachhaltiger. Die Premier League ist immer noch die Benchmark Nummer 1. Aber wenn die deutschen Clubs speziell in der Champions League so weitermachen, haben wir die Chance, die Spanier im UEFA-Ranking auf Platz zwei abzulösen. England zu übertrumpfen, das werden wir aber nicht so schnell schaffen. Dort ist viel Potenzial in der Spitze, die aus vier, fünf, sechs guten Mannschaften besteht."

Und in der Bundesliga bildet der FC Bayern allein und unangefochten die Spitze?

Rummenigge: So arrogant darf man nicht denken. Wir spielen aktuell auf einem extrem hohen Niveau. Und wir haben die Schwächephasen der anderen Vereine sehr gut ausgenutzt. Ich bewundere unsere Mannschaft, mit welcher Konzentration, Motivation und Souveränität sie an jedem Spieltag auftritt. Aber das ist alles hart erarbeitet. Ich bin begeistert, wie unser Trainer mit der Mannschaft arbeitet. So eine Qualität habe ich bei Bayern München auch noch nicht erlebt.

Bayern, Dortmund, Leverkusen, Schalke - wer schafft's ins Champions-League-Viertelfinale?

Rummenigge: Es wird für alle vier Clubs nicht einfach, selbst für Borussia Dortmund nicht, die gegen Zenit St. Petersburg als großer Favorit ins Rennen gehen. Ich wünsche allen Glück."

Ist ein erneutes deutsches Finale eine Utopie?

Rummenigge: Wir haben 2013 in Wembley etwas Historisches erlebt. Daraus darf man keinen Automatismus ableiten. Wir haben international gesehen eine gute Entwicklung in Deutschland. Ich weiß nicht, ob es überhaupt einer deutschen Mannschaft gelingt, nach Lissabon zu kommen - aber gleich zwei?

Aber es vergehen vielleicht nicht wieder zwölf Jahre, bis die Champions League wieder von einem deutschen Verein gewonnen wird?

Rummenigge: Ja, beim Titelgewinn müssen wir eine gewisse Kontinuität reinbringen, wie es den Spaniern und Engländern gelungen ist, die alle paar Jahre den Champions-League-Sieger stellen. Das gilt auch für Bayern München. Zwischen den Triumphen von 1976 und 2001 lagen 25 Jahre, zwischen den Champions-League-Siegen 2001 und 2013 waren es zwölf. Wir möchten die Zyklen verkürzen.

An der aktuellen Dominanz des FC Bayern ist auch Borussia Dortmund wohl nicht unbeteiligt. Der BVB hat Ihren Club mit seinen Titelgewinnen 2011 und 2012 enorm angestachelt, der FC Bayern hat sich fortan beim Kader breiter aufgestellt. Erwarten Sie jetzt eine ähnliche Reaktion des BVB für die kommende Saison?

Rummenigge: Das müssen die Kollegen in Dortmund entscheiden. Jeder ist für seine eigene Philosophie verantwortlich.

Erwarten Sie also eine ähnliche Transferoffensive des BVB?

Rummenigge: Das ist ja nun so angekündigt von den Verantwortlichen.

Der FC Bayern verstärkt sich nach Mario Götze auch mit BVB-Torjäger Robert Lewandowski, was gleichzeitig Dortmund schwächt. Glauben Sie, dass der BVB demnächst auch mal Spieler vom FC Bayern abwerben könnte?

Rummenigge: Kein Spieler des FC Bayern verlässt gegen unseren Willen den Verein, egal in welche Richtung. Wir haben einen wunderbaren Club, eine wunderbare Mannschaft, eine attraktive Stadt und dazu einen Trainer, der von allen nicht nur geschätzt, sondern fast geliebt wird. Sowas verlässt man doch nicht.

Sie sagen, Pep Guardiola werde fast geliebt. Er ist aber auch ein Trainer, der knallhart Entscheidungen trifft. Mario Mandzukic flog zum Rückrundenstart aus dem Kader, zuletzt schmorte Toni Kroos auf der Bank. Wie finden Sie seine Teamführung?

Rummenigge: Es ist für mich beispielhaft, wie er taktisch und von der Mannschafts- und Menschenführung arbeitet. Er hat einen ganz klaren Plan, wie sich Spieler auf und außerhalb des Platzes zu verhalten haben. Das lebt er auch vor. Damit sind Dinge verbunden, die mir schon damals beim FC Barcelona gefallen haben: Die Spieler treten etwa nicht arrogant auf. Wir haben Sympathiewerte, wie wir sie bei Bayern München noch nie hatten. Er verlangt von sich wahnsinnig viel, aber er verlangt auch von den Spielern, dass sie diesen Weg mitgehen - Härtefälle eingeschlossen. Er macht das sehr konsequent.

Hat er den FC Bayern auf ein noch höheres Niveau gebracht?

Rummenigge: Man darf nicht den Fehler machen, das exklusiv von Titeln abhängig zu machen. Für mich ist entscheidend, was unter der Woche auf dem Trainingsplatz stattfindet. Und so ein Coaching habe ich noch nicht gesehen - und ich bin bei Bayern München immerhin seit 40 Jahren demnächst dabei. Dieser Mann hat eine unglaubliche Gabe, die Mannschaft auf den Punkt richtig vorzubereiten - taktisch, physisch und mental.

Bastian Schweinsteiger war ein entscheidender Faktor beim Triple-Gewinn 2013. Kann er dieses Niveau wieder erreichen?

Rummenigge: Ich denke, ja. Unsere Ärzte sagen, dass alles okay ist mit seinem Fuß. Er wird sicherlich seine Zeit brauchen, um in den besten Rhythmus zu kommen. Aber ich bin überzeugt, dass er wieder ein wichtiger Teil der Mannschaft wird und zum Erfolg in dieser Saison beiträgt.

Braucht Bundestrainer Joachim Löw einen fitten Schweinsteiger für seine WM-Ziele fast mehr als der topbesetzte FC Bayern?

Rummenigge: Ich darf daran erinnern, als Bastian sich 2011 das Schlüsselbein gebrochen hatte, haben wir zwei Monate lang richtig gelitten unter seinem Ausfall. Dank der qualitativen Breite des Kaders ist es uns heute möglich, so etwas aufzufangen. Der Spieler wiederum hat den Vorteil, sich in Ruhe auszukurieren. Der größte Nutznießer bei Schweinsteiger neben uns wird tatsächlich wohl Joachim Löw sein, weil Bastian jetzt auch sehr regeniert hat und im Sommer in Brasilien in bester Verfassung an den Start gehen kann. Die Nationalmannschaft braucht bei der WM stabile Faktoren in ihrem Spiel, und Bastian Schweinsteiger ist da ein ganz wichtiger Faktor.

Es wird viel von Ribéry, Robben oder Götze geschwärmt, die für die besonderen Momente sorgen. Manuel Neuer steht seltener im Fokus. Welche Bedeutung hat er trotzdem inzwischen für den FC Bayern?

Rummenigge: Er ist ein extremer Erfolgsfaktor. Er ist nicht nur der beste Torwart der Welt, er ist auch als Typ sehr wichtig. Das ist ein super Bursche, der Bayern München lebt, wie man es sich nur wünschen kann. Ich bin überzeugt, dass er noch viele Jahre für Bayern München spielen wird.

Bevor er aus Schalke nach München wechselte, gab es diese ablehnenden Plakate der Bayern-Fans gegen ihn. Ist es sein größter Erfolg, die Ablehnung der Fans in Anerkennung verwandelt zu haben?

Rummenigge: Als er nach dieser "Koan-Neuer"-Aktion trotzdem zu Bayern München gewechselt ist, wusste ich, dass er ein außergewöhnlicher Mensch ist. Es gibt nicht viele, die bei einem solchen Start so zu einem Transfer stehen. Bei unserem Pokalspiel damals gegen Schalke hatte ich Sorge, dass er es sich noch einmal anders überlegt.

Hat Lewandowski ähnliche Standfestigkeit bewiesen?

Rummenigge: Er hat es bisher sehr klug und gut gemacht. Er zeigt den positiven Charakter, den man von einem Spieler seiner Qualität erwartet. Er spielt gut Fußball, er schießt viele Tore. Es gibt genug Spieler, die irgendwann sagen, jetzt mache ich mal halblang. Bei ihm ist das Gegenteil der Fall, er haut sich bis zum letzten Tag rein. So ein Spieler passt wunderbar zum FC Bayern.

Zur Person: Karl-Heinz Rummenigge (58), geboren in Lippstadt, ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München. Zuvor war er von 1991 an Vizepräsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters, für den der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft von 1974 bis 1984 in 310 Bundesligaspielen 162 Tore erzielte. Später spielte er für Inter Mailand und Servette Genf. Rummenigge ist auch Vorsitzender der Europäischen Club-Vereinigung ECA.

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