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WM 2022: Katar soll FIFA-Vize Jack Warner bestochen haben

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Mit Millionen bestochen?  

Jack Warner unter Korruptionsverdacht

18.03.2014, 16:41 Uhr | dpa, sid

WM 2022: Katar soll FIFA-Vize Jack Warner bestochen haben. Jack Warner (li.) an der Seite von FIFA-Boss Sepp Blatter. (Quelle: imago/Ulmer-Teamfoto)

Jack Warner (li.) an der Seite von FIFA-Boss Sepp Blatter. (Quelle: imago/Ulmer-Teamfoto)

Skandalöse Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen, Terminstreit und nun neue Bestechungsvorwürfe: Die umstrittene Vergabe der WM 2022 an den Golfstaat Katar beschäftigt inzwischen sogar das FBI. Das geht aus einem Bericht der englischen Tageszeitung "Telegraph" hervor, die schwere Anschuldigungen gegen den früheren FIFA-Vizepräsident Jack Warner erhebt.

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Demnach sollen der Geschäftsmann aus Trinidad und Tobago, seit Jahren ein Mann mit zweifelhaftem Ruf, und seine beiden Söhne kurz nach der WM-Vergabe im Dezember 2010 fast zwei Millionen Dollar (umgerechnet 1,44 Millionen Euro) aus dem Katar erhalten haben.

Auch Söhne sollen Geld erhalten haben

Im Mittelpunkt der Anschuldigungen steht die langjährige Connection zwischen dem früheren FIFA-Präsidentschaftskandidaten Mohamed bin Hammam und Warner. Laut den neuen Vorwürfen sollen über bin Hammams Firma Kemco insgesamt rund 860.000 Euro an Warners Unternehmen Jamad geflossen sein. Warners Söhne Daryll und Daryan sollen circa 310.500 und 227.000 Euro erhalten haben. Außerdem ist von einer Zahlung in Höhe von rund 296.000 Euro an einen Mitarbeiter die Rede.

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Kein Kommentar der FIFA

Warner wollte bisher keine Stellung nehmen, die WM-Organisatoren wiesen die Vorwürfe zurück. Das Bewerbungsverfahren sei im Einklang mit dem Ethikcode des Welt-Fußballverbandes FIFA verlaufen, teilte der Oberste Rat für Organisation und Nachhaltigkeit in Katar mit. Von geschäftlichen Beziehungen zwischen Privatpersonen habe das Gremium keine Kenntnis.

Die FIFA wollte die Schlagzeilen nicht kommentieren. "Grundsätzlich können Beweismittel jeder Art über ein mögliches Fehlverhalten an die Untersuchungskammer der FIFA Ethikkommission eingereicht werden", teilte der Verband mit.

FBI untersucht Bankkonten

Rein private Interessen dürfte bin Hammam weniger verfolgt haben. Der ehemalige Chef der asiatischen Konföderation (AFC) gehörte einst zu den mächtigsten Männern im FIFA-Zirkel. Mit Warner saß er zusammen in der Exekutive, und mit seiner Unterstützung wollte er offenbar auch FIFA-Boss Joseph Blatter ablösen.

2011 mussten sich bin Hammam und Warner wegen Korruptionsvorwürfen vor der Ethikkommission verantworten. Sie sollen Stimmen bei Vertretern aus der Karibik für bin Hammams Präsidentschaftswahl gekauft haben. Beide wurden suspendiert und legten später auch ihre Ämter nieder.

Wie der "Telegraph" weiter berichtet, untersucht die US-Bundesbehörde FBI nun die Bankkonten Warners. Offenbar war dabei eine Zahlung auf ein Konto auf den Cayman Islands fehlgeschlagen und schließlich über ein US-Konto abgewickelt worden, wodurch das FBI Kenntnis erlangte.

Warner schon öfter im Visier

Auch das FIFA-Ethikkomitee unter Vorsitz des früheren US-Staatsanwalts Michael Garcia prüft Korruptionsvorwürfe im Zuge der Vergabe der WM 2022. Ursprünglich sollte Garcias Bericht bereits im September vergangenen Jahres vorliegen. Danach war vom April dieses Jahres die Rede.

Garcia hat einiges aufzuarbeiten. Zwei Exekutivmitglieder waren wegen Korruptionsvorwürfen schon vor der Wahl der WM-Endrunden 2018 und 2022 suspendiert worden. Kurz darauf rückten weitere Funktionäre ins Zwielicht, auch Warner. So klagte der damalige englische Verbandschef David Triesman, vier FIFA-Funktionäre - darunter Warner - hätten vor den WM-Vergaben unlautere Forderungen gestellt.

2006 soll Warner zudem Schwarzmarkttickets für die Weltmeisterschaft in Deutschland verkauft haben. 2011 wurde er wegen des Verdachts, gegen den FIFA-Ethikcode verstoßen zu haben, vorübergehend suspendiert und trat später zurück. Der inzwischen 71-Jährige soll versucht haben, Stimmen für die Wahl bin Hammams zum FIFA-Präsidenten gekauft zu haben.

Sommer fordert Neuvergabe der WM

Gewerkschaftsboss Michael Sommer (62) fordert im Zuge der erneuten Negativ-Schlagzeilen derweil den Entzug der Endrunde in acht Jahren und eine Neuvergabe. "Unsere Befürchtungen, was das Regime in Katar betrifft, bestätigen sich voll. Man muss den Katarern die WM entziehen, wenn sie an dem Kafala-System, das an Sklaverei grenzt, festhalten und die internationalen Arbeitsrechtsnormen nicht nachweisbar einhalten, also durch Überprüfung der internationalen Arbeitsorganisationen", sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) der "Sport Bild".

Der IGB hatte im Februar eine Inspektionsreise in zehn Arbeitslager in der Nähe von Doha unternommen. Der IGB-Bericht, der von mindestens 4000 toten Wanderarbeitern auf den WM-Baustellen ausgeht, liegt auch dem Weltverband FIFA vor, dessen Exekutivkomitee sich Ende dieser Woche mit den Menschenrechtsverletzungen in Katar beschäftigen wird.

Den Aussagen der Katarer, die schon häufiger Besserung gelobten, schenkt Sommer keinen Glauben: "Alles, was die Katarer bislang gemacht haben, ist der Versuch, der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Es wird so getan, als gäbe es Fortschritte, wenn man aber genau hinguckt - und das haben wir jetzt bei der IGB-Reise getan -, stellt man fest, dass sich nichts geändert hat." Zuletzt hatte die FIFA unterstrichen, dass an der Entscheidung zugunsten Katars nicht gerüttelt werde.

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