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Geschäftsmodell Menschlichkeit: Im Fußball entsteht ein neuer Berufszweig

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Geschäftsmodell Menschlichkeit  

Zwei Überzeugungstäter haben im Fußball einen neuen Beruf eingeführt

23.05.2014, 15:27 Uhr | Thomas Tamberg, t-online.de

Geschäftsmodell Menschlichkeit: Im Fußball entsteht ein neuer Berufszweig. Nicht nur Lewis Holtby hält große Stücke auf die Zusammenarbeit mit Sharon Paschke und Martin Kordic. (Quelle: imago/BPI)

Nicht nur Lewis Holtby hält große Stücke auf die Zusammenarbeit mit Sharon Paschke und Martin Kordic. (Quelle: BPI/imago)

Von Thomas Tamberg

Als einer seiner Klienten kürzlich partout nicht in Tritt kommen wollte, fasste ein Berater der deutschen Fußballszene einen Entschluss und traf sich mit Sharon Paschke und Martin Kordic von "Kompass Mentoring" zum Gespräch. Er hatte mitbekommen, dass die beiden eine völlig neue Herangehensweise bei der Betreuung von Spitzensportlern entwickelt hatten und wollte mehr wissen. Vielleicht würde es bei seinem Bundesliga-Spieler den entscheidenden Klick auslösen, um durchzustarten.

Zu einer Zusammenarbeit kam es am Ende nicht, auch weil der Spieler allmählich in die Spur zurückfand. Um wen es sich handelt, wollen Paschke und Kordic nicht verraten, schließlich gehe es auch um Vertrauen. Doch die beiden sind sich absolut sicher, dass dem Spieler gerade in seiner jetzigen Lebensphase ihre Unterstützung gut tun würde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. So wie bei Lewis Holtby, Malik Fathi oder Marcel Risse. Diese drei Profi-Fußballer schwärmen von der Zusammenarbeit mit Paschke und Kordic.

Mit Zecke Neuendorf fing alles an

Die beiden bezeichnen sich als Sportmentoren und haben damit einen völlig neuen Berufszweig im Profisport entwickelt. Paschke hat kürzlich eigens ein Buch dazu herausgebracht mit dem Titel: "Sportmentoring – soziale Laufbahnbegleitung im Profisport". Mittlerweile gibt es sogar die Überlegung, einen eigenen Ausbildungszweig zum Sportmentor ins Leben zu rufen. Da die Nachfrage nicht nur von Sportlern, sondern allgemein von Menschen die in einem besonderen Fokus stehen, immer größer wird.

Alles begann mit der Idee des Sozialarbeiters und heutigen Vorstandsvorsitzenden der Outback-Stiftung (Jugendhilfe-Stiftung) Klaus Kotzan, der vor Jahren das aus den Fugen geratene Leben des Ex-Profis Andreas "Zecke" Neuendorf wieder auf eine gesunde Basis stellte. Er gab Paschke und Kordic den entscheidenden Kick. Das Duo, das sich bereits auf den Weg gemacht hatte, eine höhere Laufbahn bei der Sparkasse einzuschlagen, fühlte sich dort längst nicht mehr im richtigen Umfeld. Objektivität und Menschlichkeit erklärten sie fortan zu ihrem Geschäftsmodell.

Inspiriert von Nationalmannschafts-Psychologe Hermann

"Uns wurde oft gesagt, dass uns dafür kein Mensch bezahlen wird. Wir haben es aber trotzdem versucht und uns selbstständig gemacht", sagt Kordic und strahlt. Denn der Erfolg gibt ihnen Recht. Diplom-Kaufmann, Fachwirt und Finanzexperte Kordic begann ein Psychologie-Studium. Bankkaufmann Paschke machte seinen Bachelor in Sozialpädagogik, eine Ausbildung zum Mentaltrainer und Hypnose-Coach. Zwei Lebensläufe die so einzigartig sein dürften wie die beiden bekennenden Menschenfreunde selbst.

Unter anderem inspiriert durch Dr. Hans-Dieter Hermann, dem Psychologen der deutschen Nationalmannschaft, entwickelten sie in der Folge ein neues Berufsbild, dem die Zukunft bei der Betreuung von Spitzensportlern gehören dürfte: Der Sportmentor.

Das soziale Umfeld steht im Blickpunkt

Doch was macht dieser Sportmentor genau? Ein Berater wickelt die geschäftlichen Dinge eines Profifußballers ab, um beim Fußball-Beispiel zu bleiben. Er handelt Verträge aus, wickelt Transfers ab, kümmert sich im besten Fall auch um eine Altersvorsorge und Absicherung der Gesundheit des Sportlers. Ein Trainer ist für die körperliche Fitness und Taktikschulung verantwortlich. Mittlerweile gibt es bei den Profiklubs auch immer mehr Mentaltrainer oder Psychologen. So weit so gut: Doch ein enorm wichtiges Feld wurde bis dato total vernachlässigt: das soziale Umfeld des Stars.

Wie ist das Verhältnis eines Spielers zu seinen Kollegen, zu seinen Eltern, zu seiner Freundin, wie kommt er mit dem plötzlichen Ruhm, dem Geld zurecht? Wie kann man alte Freundschaften aufrechterhalten, die Freizeit gestalten oder bei Misserfolgen das Selbstbewusstsein erhalten? Gerade für einen jungen Spieler, der plötzlich den Sprung nach oben geschafft hat und von null auf hundert im Rampenlicht steht, sind das wichtige Themenfelder, in denen er bisher allzu oft orientierungslos auf sich alleine gestellt war. Probleme, die hier entstehen, können einen enormen Einfluss auf die Leistung haben. "Ich wünschte, ich hätte mit 19 so eine Form der Betreuung gehabt. Es ist das Beste, was mir in meiner Laufbahn passiert ist", sagte Neuendorf einmal rückblickend.

Größtmögliche Neutralität gefragt

Hier sind Paschke und Kordic gefragt. Während ein Psychologe meistens vom Verein angestellt ist und im Zweifelsfall aus Sicht des Klubs agiert, ebenso wie ein Spielerberater an Transfers seines Klienten mitverdient, ist die maximale Objektivität gegenüber einem Spieler ein wichtiger Baustein eines Sportmentors. Sie werden ausschließlich vom Sportler selbst bezahlt, auf Honorarbasis. "Wenn der Sportler sich entschließt, lieber Gitarre zu spielen, anstatt seine Profilaufbahn fortzusetzen, weil es für ihn aus welchem Grund auch immer besser ist, begleiten wir ihn auch auf diesem Weg", sagt Paschke.

Sie unterstützen den Sportler auch bei finanziellen Fragen, allerdings mit dem großen Unterschied, dass sie von Zusatzeinnahmen nicht profitieren und somit völlig ohne Hintergedanken beraten können. Das alles macht Paschke und Kordic aus Sicht eines Spielerberaters zunächst einmal zu einem möglichen Gegenspieler. Man könnte ja die Kontrolle über seinen Schützling verlieren.

Ex-NBA-Star als warnendes Beispiel

Doch das wird den beiden nicht gerecht. Schließlich macht ihre Arbeit den Menschen hinter dem Spieler stärker. Der kann wiederum eine bessere Leistung abrufen und davon profitierten letztlich alle, auch der Berater. "Wir halten es für wichtig, dass unsere Spieler auch mal einen anderen Ansprechpartner haben als Ihren Berater oder ihre Eltern", sagt Holtby-Agent Marcus Noack und möchte die Zusammenarbeit mit den beiden nicht missen. "Martin und Sharon haben das Herz am rechten Fleck und sind mittlerweile vertrauensvolle Ansprechpartner für uns und unsere Jungs geworden."

Inspiriert wurde Kordic übrigens durch seinen Cousin Zoran Planinić. Aus nächster Nähe musste er mit ansehen, wie eine große Sportlerkarriere ins Wanken geraten kann. Der kroatische Basketballstar Planinić, der derzeit in der Türkei spielt, hatte nach seinem Wechsel in die NBA zu den New Jersey Nets mit schnellem Ruhm, falschem Umfeld und windigen Anlageberatern zu kämpfen. Das wollen sie anderen Sportlern in Zukunft ersparen.

Welche Fallen und Widrigkeiten auf ein großes Talent lauern, wird im Buch "Traumberuf Fußballprofi – der harte Weg vom Bolzplatz in die Bundesliga" erzählt. Hier zeigt sich, wie wichtig Zielstrebigkeit und Disziplin im Fußball-Geschäft sind.

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