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Fußball  

Löws Plan: Mit Portugal-Siegern ins Achtelfinale

18.06.2014, 22:54 Uhr | dpa

Löws Plan: Mit Portugal-Siegern ins Achtelfinale. Joachim Löw plant für das kommende Spiel gegen Ghana.

Joachim Löw plant für das kommende Spiel gegen Ghana. Foto: Andreas Gebert. (Quelle: dpa)

Santo André (dpa) - Schluss mit Erholung - Joachim Löw trimmt seine gefeierten Portugal-Sieger schon wieder für die Operation Achtelfinale.

Nach einigen entspannten Stunden mit den Liebsten im Campo Bahia mussten Deutschlands Fan-Liebling Thomas Müller und seine Kollegen am Mittwochnachmittag wieder schuften. "Der erste Plan ist aufgegangen. Jetzt müssen wir schauen, dass wir ins Achtelfinale kommen", erklärte der vielbestaunte Portugal-Schreck Müller, für den die drei Treffer beim furiosen 4:0 zum WM-Auftakt nur die Ouvertüre für ein großes Turnier gewesen sein sollen.

"Jetzt heißt es, den Zusammenhalt, das Selbstbewusstsein und die Freude aus diesem ersten Auftritt mitzunehmen und konzentriert in die Vorbereitung auf das nächste Spiel gegen Ghana zu gehen", verkündete Kapitän Philipp Lahm die Marschroute bis zum Anpfiff am Samstag (21.00 Uhr MESZ) in Fortaleza, wo noch intensivere klimatische Bedingungen als zum Start in Salvador erwartet werden.

Schon am Donnerstagabend bricht der DFB-Tross in den nächsten Spielort auf. Auf den Boden zurückholen musste Löw seine Spieler nach dem traumhaften Turnierstart nicht, wie Mittelfeld-Stammkraft Toni Kroos versicherte: "Wir haben ein Spiel gewonnen in der Gruppenphase, das ist gar nichts gegen das, was wir uns vorgenommen haben." Das sei der Titelgewinn, verkündete Kroos.

Für das zweite Gruppenmatch bastelt Löw an einem neuen Schlachtplan. Personelle Veränderungen möchte die Sportliche Leitung aber nur im Notfall vornehmen, wie Co-Trainer Hansi Flick bereits drei Tage vor der Partie durchblicken ließ: "Jeder hat gesehen, dass es gegen Portugal gut geklappt hat."

Allerdings wackelt Mats Hummels bedenklich. Die schmerzhafte Oberschenkelblessur mit Einblutung zwingt den starken Dortmunder erst einmal zu einer Trainingspause. Am Mittwoch konnte er wie angekündigt nicht an der Übungseinheit zur Anstoßzeit des Ghana-Spiels teilnehmen. Stattdessen wurde der 25-Jährige intensiv behandelt. "Es wird mit Sicherheit knapp bis Samstag", berichtete Flick.

Selbst am Strand waren das rechte Knie und der Oberschenkel getaped, das Aufstehen aus dem feinen Sand fiel Hummels erkennbar schwer. "Die Verletzung könnte mich zwar das Ghana-Spiel kosten. Aber wir kämpfen darum, dass es klappt", twitterte der Abwehrspieler und verbreitete über Facebook Zuversicht. "Jetzt verbringe ich die Zeit mit Behandlungen und Reha-Übungen, um mich bis zum Ghana-Spiel am Samstag wieder fit zu kriegen. Die Chancen sind auf jeden Fall da."

Sollte die medizinische Abteilung Hummels bis zum zweiten WM-Einsatz nicht einsatzfähig bekommen, würde Löw seine Abwehr trotzdem nicht großartig umbauen. Jérôme Boateng, der mit einer Schiene am verletzten rechten Daumen zum Bruderduell gegen den für Ghana spielenden Schalker Kevin-Prince Boateng antreten kann, würde von außen ins Abwehrzentrum rücken.

Rechts wäre dann wie nach Hummels' Auswechslung wohl Shkodran Mustafi die erste Alternative, auch wenn Flick von mehreren personellen Möglichkeiten sprach. Fix ist, dass Kapitän Lahm im Mittelfeld bleibt: "Es ist nicht vorgesehen, dass Philipp rechts spielt", verkündete Flick. Auch der Dortmunder Kevin Großkreutz wäre eine Außenverteidiger-Option.

Das neue 4-3-3-System soll auch gegen die "robusten Ghanaer" (Flick) greifen, die nach ihrem missglückten 1:2-Turnierstart gegen Jürgen Klinsmann und dessen US-Boys in der Gruppe G schon mächtig im Zugzwang sind. Kroos, Lahm, Khedira - das flexible Trio im zentralen Mittelfeld hat Löw überzeugt. "Wichtig ist, das so oft wie möglich zeigen zu können", betonte Kroos, der im ersten Spiel auch durch eine für ihn außergewöhnliche Laufleistung aufgefallen war. Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger bleibt im Wartestand: "Klar, dass es immer wieder Härtefälle gibt bei Aufstellungen", sagte Kroos, der in der Vergangenheit meist der Leidtragende war.

Beim Training der prominenten Reservisten im Campo Bahia schossen Miroslav Klose (132 Länderspiele) und Bastian Schweinsteiger (102), die gegen Portugal keine Minute zum Einsatz kamen, Ersatzkeeper Ron-Robert Zieler die Bälle jedenfalls schon mit solcher Wucht um die Ohren, dass nicht nur Löw klar wurde: Seine "Spezialkräfte" kämpfen mit Biss um ihre Chance. "Wir haben sehr intensiv mit denen trainiert, die nicht gespielt haben", sagte Flick. "Jeder muss an die Grenze gehen". Und immer bereit sein. Lukas Podolski (115) spulte zusammen mit Fitnesscoach Darcy Norman sogar ein zusätzliches Laufprogramm ab. Der 23-jährige André Schürrle drängt mit jugendlicher Energie in die WM-Elf.

Im Trainer-Raum hängt ein Banner, auf dem das deutsche WM-Motto steht: "Ein guter Anfang braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin." Die Begeisterung sei mit dem Kickstart gegen Portugal entfacht, bemerkte Flick, aber das finale Ziel Rio de Janeiro sei noch weit entfernt: "Wir haben einen langen, langen Weg, den ersten Schritt haben wir gemacht." Noch sechs Spiele sollen folgen, aber dafür müssten einige Dinge noch verbessert werden, mahnte Torwart Manuel Neuer: "Nach dem tollen Ergebnis und dem Sieg gegen Portugal muss man trotzdem noch im Hinterkopf haben, dass nicht alles perfekt war. Ghana wird ein anderes Spiel."

Auch ein einfacheres? "Das weiß ich nicht. Gegen Portugal haben wir auch gedacht, dass es enger wird. Das ist immer ein bisschen Wundertüte, was kommt", sagte Kroos. Vor vier Jahren hatte das DFB-Team nach einem 4:0-Turnierauftakt gegen Australien im zweiten Match gegen Serbien 0:1 verloren und dann gegen Ghana lange geschwächelt. Mesut Özil erlöste Deutschland mit dem 1:0-Siegtreffer. Auch wegen dieser Erinnerung unterstrich der Münchner Kroos: "Wir müssen konzentriert weiterspielen, dann haben wir mehr als eine gute Chance auf das Achtelfinale."

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