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Fußball  

Löw-Team erwartet knallhartes Finale

10.07.2014, 11:15 Uhr | dpa

Löw-Team erwartet knallhartes Finale. Der Titel ist für Joachim Löw in greifbare Nähe gerückt.

Der Titel ist für Joachim Löw in greifbare Nähe gerückt. Foto: Thomas Eisenhuth. (Quelle: dpa)

Santo André (dpa) - Lange mussten Joachim Löw und seine Titeljäger auf ihren Finalgegner warten - der Kraftakt der Argentinier löste aber im deutschen Quartier insgeheim Freude aus.

Erst nach einer kräftezehrenden Verlängerung und einem aufreibenden Elfmeterschießen konnte Weltstar Lionel Messi gegen Holland erleichtert den Endspiel-Einzug gegen Deutschland bejubeln. Der Energieverlust könnte sich für das plötzlich favorisierte DFB-Team als Vorteil beim großen Finale in Rio de Janeiro erweisen. Auch weil Kapitän Philipp Lahm und Co. einen Tag länger regenerieren können. Trotzdem warnte der leicht angeschlagene Mats Hummels vor falschen Erwartungen: "Das Finale wird verdammt hart. Es sollte sich niemand darauf einstellen, dass es noch einmal in ähnlicher Weise leicht wird wie gegen Brasilien."

Nachdem Löw Gewissheit über den Gegner hatte, konnte er am Donnerstag in die zielgerichtete Final-Vorbereitung starten. "Argentinien ist defensiv stark, kompakt, gut organisiert. In der Offensive haben sie überragende Spieler wie Messi und Higuain", äußerte Bundestrainer Löw mit einigem Respekt. Zugleich schickte der 54-Jährige ein Versprechen an die Fans in der Heimat: "Wir werden uns gut vorbereiten."

Das sensationelle Jahrhundertspiel gegen Brasilien nimmt die gereifte deutsche Fußball-Nationalmannschaft zwar als klares Zeichen der Stärke am Freitag mit auf den Sonderflug nach Rio de Janeiro. Doch beim Feintuning für die Neuauflage der WM-Endspiele von 1986 und 1990 wurde das 7:1-Torefestival gegen den noch immer fassungslosen Weltmeisterschafts-Gastgeber höchstens noch am Rande behandelt.

Mastermind Löw will für sein zweites Turnier-Endspiel nach der EM 2008 (0:1 gegen Spanien) so wenig wie möglich umbauen. "Wir wissen, wie es ist. So ein Finale kann in beide Richtungen gehen und trotzdem: Wir sind überzeugt von uns und gehen natürlich mit Selbstvertrauen nach Rio", sagte Lahm, der die Niederlage vor sechs Jahren in Wien auch schon miterlebt hat. "Aber da geht es wieder von 0:0 los", mahnte der in 112 Länderspielen gestählte Münchner vor der faszinierenden Partie am Sonntag im ausverkauften Fußball-Tempel Estádio do Maracanã.

"Europa gegen Südamerika - eine reizvolle Konstellation", bemerkte der Bundestrainer. Wie sein Trainerstab und die Spieler hatte er im Stammquartier Campo Bahia den argentinischen Halbfinal-Zittersieg gegen die Niederlande im Elfmeterschießen auf einem großen Bildschirm verfolgt. "Wir werden mit Respekt in diese Partie gehen, der Gegner aber auch, gerade nach unserem Ergebnis gegen Brasilien", äußerte Toni Kroos, Deutschlands neuer Impulsgeber in Mittelfeld.

"Wenn wir den Gegner analysieren, wie wir es gegen Brasilien gemacht haben, und alles umsetzen, womit wir dem Gegner wehtun können, dann haben wir eine große Chance", sagte Klose. Vor vier Jahren in Südafrika deckte Löw gegen die Schwächen im damals von Diego Maradona betreuten argentinischen Team um Lionel Messi beim 4:0-Triumph der deutschen Mannschaft im WM-Viertelfinale schonungslos auf. Gegen Argentinien mit dem damaligen Topstar Maradona holte sich Deutschland unter Teamchef Franz Beckenbauer 1990 in Rom den dritten WM-Titel. Vier Jahre zuvor war das Endspiel gegen die Gauchos in Mexiko-Stadt 2:3 verloren gegangen.

Wie immer wird Löw von der Scouting-Abteilung neben vielen Fakten auch eine Taktik vorgeschlagen bekommen, mit der man Messi und Co. beikommen könnte. "Die Entscheidungen treffen dann wir Trainer", erklärte der auch auf seine persönliche Krönung hoffende Löw. Einmal Zweiter (EM 2008), zweimal Dritter (WM 2010, EM 2012) - jetzt will der Freiburger endlich in den Kreis der WM-Titeltrainer Sepp Herberger (1954), Helmut Schön (1974) und Beckenbauer (1990) aufrücken. "Titel sind immer wunderbar, natürlich, logisch", hat der Bundestrainer zugegeben.

Sein Plan für die "WM der Strapazen" in Südamerika, wo bisher noch kein Team aus Europa Weltmeister wurde, ist bisher aufgegangen. Die wichtigen Spielorganisatoren Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger mussten nach Verletzungspausen in der Gruppenphase zwar noch von Lahm im Mittelfeld unterstützt werden. Doch in der K.o.-Runde sind beide wieder nahe am Top-Niveau, der Kapitän kann wieder rechts spielen. Auch Löws Wagnis mit Benedikt Höwedes als Linksverteidiger klappte bislang. Nun müsste eigentlich im Finale nur noch Mesut Özil den von Löw eingeforderten "genialen Moment" erwischen.

Natürlich folgen die Spieler nun "mit breiter Brust" (Jérome Boateng) Löws finalem Konzept. Am Donnerstag stand in Santo André zur Anstoßzeit um 16.00 Uhr (Ortszeit) die erste praktische Gegnerschulung auf dem Trainingsprogramm. "So ein Spiel wie das Halbfinale kann und wird es nicht werden. Der Gegner wird sich im Finale gegen uns ganz anders präsentieren", sagte der Bundestrainer. Torhüter Manuel Neuer rückte das 7:1 ebenfalls zurecht: "Wir dürfen uns von dem Ergebnis nicht blenden lassen. Wir stehen im Finale, viele Mannschaften würden gerne mit uns tauschen. Wir freuen uns darüber, wissen aber, dass wir trotzdem noch nichts erreicht haben."

Dass die Erwartungen in Deutschland jetzt riesengroß sind und auch international das DFB-Team von vielen als Favorit gesehen wird, interessiert die Protagonisten nur am Rande. "Es ist mir egal, ob wir Favorit sind oder nicht. Wir brauchen eine Topleistung, um Weltmeister zu werden", erklärte Kroos. "Ich glaube nicht, dass wir haushoher Favorit sein werden, weil der Gegner eine der besten Mannschaften der Welt ist. Jeder kann sich auf ein extrem intensives Spiel einstellen", meinte Hummels, der trotz einer Sehnenreizung in der rechten Kniekehle fest von seinem Finaleinsatz ausgeht.

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