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FIFA-Ethikkommission: Chefermittler Garcia will Einspruch einlegen

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FIFA-Korruptionsfall droht zur Farce zu werden  

Chefermittler will Einspruch einlegen

13.11.2014, 15:32 Uhr | sid

Der vermeintliche Abschlussbericht der eigenen Ethikkommission zur WM-Vergabe 2018 an Russland und 2022 an Katar droht zur Farce für den Fußball-Weltverband FIFA zu werden. Chefermittler Michael J. Garcia will nach Angaben mehrerer Medien offenbar Einspruch gegen die Schließung des Falls einlegen und spricht von "erheblich unvollständigen und fehlerhaften" Informationen in der 42-seitigen Stellungnahme des deutschen Richters Joachim Eckert, Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer. Die Ethikkommission der FIFA fand keine Beweise, die eine erneute Ausschreibung und Vergabe der kommenden beiden Endrunden rechtfertigen würden. Eckert, sprach jedoch mehrere "Tadel" aus.

"Die Untersuchungskammer hat weder Vergehen noch Verstöße gegen die maßgebenden Bestimmungen und Regelungen festgestellt", heißt es in der von Eckert unterschriebenen Stellungnahme. Der Bericht Eckerts, der auf der FIFA-Internetseite veröffentlicht worden war, basiert auf den Ermittlungen Garcias - laut Eckert liegen keinerlei Beweise für Korruption im Zuge des Bewerbungsprozesses und der doppelten Vergabe vor vier Jahren vor. Die FIFA hatte bislang die komplette Veröffentlichung der Ermittlungsakten verweigert. Ex-Staatsanwalt Garcia hatte bereits vor Eckerts Stellungnahme für eine vollumfängliche Veröffentlichung plädiert.

Massive Kritik wird anhalten

Der Münchner Richter Eckert hatte den Untersuchungsbericht von Garcia seit Anfang September ausgewertet und regt unter anderem eine Reform des Vergabeprozesses für künftige WM-Turniere an. Die endgültige Entscheidung liegt in den Händen des FIFA-Exekutivkomitees um Präsident Joseph S. Blatter - die "Weltregierung des Fußballs" wird aber heilfroh sein, sich nun nicht mehr mit den Korruptionsvorwürfen befassen zu müssen.

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Die massive Kritik an beiden Turnieren wird allerdings kaum abnehmen. Erst am Mittwoch hatte die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International dem Wüstenstaat Katar erneut ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt - immer wieder schockieren Berichte von unmenschlichen Arbeitsbedingungen am Persischen Golf die Weltöffentlichkeit. Russland 2018 war zuletzt im Zuge der Ukraine-Krise und des Hardliner-Kurses von Präsident Wladimir Putin auch von deutschen Politikern infrage gestellt worden.

In Deutschland fielen die Reaktionen auf den Bericht entsprechend skeptisch aus. Für Bundestrainer Joachim Löw stehen trotz der entlastenden Erkenntnisse der Ethikkommission Fragezeichen hinter der Endrunde am Golf. "Es bleibt die ein oder andere Frage - vor allem was die Temperatur und den Zeitpunkt betrifft - offen", sagte Löw. Liga-Präsident Reinhard Rauball sprach von weiterhin "guten Gründen, eine WM in Katar sehr kritisch zu sehen".

"Keine neue Ausschreibung notwendig"

Die Ethikkommission betonte, sich die Eröffnung von Ermittlungsverfahren gegen einzelne FIFA-Offizielle offen zu halten. Namen wurden in der 42-seitigen Stellungnahme nicht genannt, der komplette "Garcia-Report" dürfte aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden. Zwar seien "bestimmte Vorfälle" im Zuge der Bewerbungen identifiziert worden, teilte Eckert mit, "die Einflüsse auf die Vergabe als Ganzes sind weit davon entfernt, eine neue Ausschreibung notwendig zu machen". Getadelt wurden unter anderem die unterlegenen Bewerber aus Australien und England - der Austausch von kleineren Geschenken schien durchaus üblich gewesen zu sein.

Die Endrunden in vier und acht Jahren waren am 2. Dezember 2010 erstmals im Doppelpack vergeben worden. Schon damals gab es für dieses Verfahren massive Kritik, weil so Absprachen und Stimmentausch Tür und Tor geöffnet wurden. Von den 22 stimmberechtigten Mitgliedern des FIFA-Exkos sind noch zwölf im Amt, aus Deutschland votierte Franz Beckenbauer (bis 2011 im Exko).

75 Zeugen, 200.000 Seiten Material

Auch aufgrund der wachsenden öffentlichen Kritik beauftragte der Weltverband 2012 den früheren "Mafia-Jäger" Garcia mit der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe. Der frühere US-Staatsanwalt, dem exzellente Kontakte zum FBI nachgesagt werden, hatte insgesamt 75 Zeugen befragt und über 200.000 Seiten Material gesichtet.

In Deutschland sorgte vor allem die Sperre für Beckenbauer für Aufsehen. Der "Kaiser" war wegen "mangelnder Kooperation" von der FIFA während der WM in Brasilien provisorisch gesperrt worden. Erst anschließend hatte er die Fragen Garcias beantwortet, die Sperre wurde daraufhin zügig aufgehoben. Beckenbauer hatte erklärt, die in "Juristen-Englisch" gestellten Fragen nicht richtig verstanden zu haben. Eine Befragung auf Deutsch sei abgelehnt worden.

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Nur vier Personen hatten Einblick

Am 5. September hatten Garcia und dessen Stellvertreter Cornel Borbély ihren Untersuchungsbericht an Eckert weitergeleitet. Der deutsche Richter betonte zwischenzeitlich, "nur vier Personen" hätten das Ergebnis der Untersuchung gesehen. Ob und in welchem Umfang mögliche Ermittlungen des FBI, das laut Medienberichten sogar einen Spitzel ins FIFA-Exko eingeschleust hatte, der Ethikkommission zugänglich gemacht wurden, ist offen.

FIFA-Funktionär Bin Hammam im Fokus

In den öffentlichen Fokus gerückt war die Untersuchung kurz vor der WM 2014 in Brasilien, als britische Zeitungen seitenweise vermeintliches Beweismaterial veröffentlichten. Die Schlüsselfigur in den "Katargate"-Berichten war der frühere FIFA-Funktionär Mohamed Bin Hammam (Katar), der bereits 2011 überführt worden war, sich im Präsidenten-Wahlkampf gegen Blatter Stimmen gekauft zu haben. Die Trennung der Beweise für diese Bestechung und für den vermeintlichen Stimmenkauf für die WM-Vergabe galt als schwerste Aufgabe der Ethikkommission. Am Ende reichte aber offenbar das belastende Material nicht aus, um eine Neuvergabe der WM-Endrunden in die Wege zu leiten.

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