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Korruption: FIFA verstrickt sich in Widersprüche

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Ethikchef rudert plötzlich zurück  

Die FIFA versinkt immer tiefer im Korruptionssumpf

15.11.2014, 16:44 Uhr | sid

Korruption: FIFA verstrickt sich in Widersprüche. Michael Garcia (li.) und Hans-Joachim Eckert (Quelle: imago/Ulmer)

Michael Garcia (li.) und Hans-Joachim Eckert spielen die Hauptrollen in den Ermittlungen um die Vergabe der WM 2018. (Quelle: Ulmer/imago)

Der Fußball-Weltverband FIFA taumelt im eigenen Manipulationssumpf scheinbar ohnmächtig ins Verderben. Die beispiellose Drohung von Deutschlands Ligapräsident mit der Abspaltung des Europa-Verbandes UEFA, ausgeweitete Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI und massiver Druck sogar der Europäischen Union (EU) verdeutlichten zu Beginn des Wochenendes den erstaunlichen Kontrollverlust der FIFA über die völlig aus dem Ruder gelaufene Situation.

Die Verwerfungen rund um FIFA-Boss Sepp Blatter, zu denen auch neue Ermittlungen gegen Deutschlands Ikone Franz Beckenbauer gehören sollen, vergrößerte nun ausgerechnet der Urheber der jüngsten Turbulenzen selbst: FIFA-Ethikchef Hans-Joachim Eckert bezeichnete seine Bewertung der Ermittlungen zum Korruptionsverdacht bei der Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar entgegen eigener Aussagen nur als "Zwischenstand".

Eckert gestand Sonderermittler Michael J. Garcia zu, "für den Abschlussbericht weiterermitteln" zu können. Davon unbeeindruckt leitete der frühere US-Bundesanwalt inzwischen offiziell sein Einspruchsverfahren gegen den Bericht des Münchner Richters, den die FIFA schon als Unbedenklichkeitsbescheinigung gefeiert hatte, ein.

DFL-Boss zieht Abspaltung in Betracht

Für Reinhard Rauball jedoch war das Maß schon zuvor voll. "Das Ergebnis erschüttert die Grundfesten der FIFA in einer Weise, wie ich es noch nicht erlebt habe. Wenn diese Krise nicht glaubwürdig gelöst wird, muss man sich auch über die Frage unterhalten, ob man in der FIFA überhaupt noch gut aufgehoben ist. Eine Option, über die ernsthaft nachgedacht werden müsste, ist sicherlich, dass die UEFA sich von der FIFA löst", sagte der Präsident der DFL bei "kicker.de". Realistisch betrachtet ist diese Loslösung allerdings nicht umsetzbar.

Auch Rauball forderte aber die komplette Veröffentlichung des Garcia-Reports. Damit müsse deutlich werden, "was angeklagt und was wie beurteilt worden ist. Und auch, was nicht beurteilt wurde und ob es gerechtfertigt war, diese Dinge wegzulassen".

Erst "abgeschlossen", dann plötzlich "Zwischenstand"

Eckert stellte den Wirbel um seinen Bericht unterdessen als Missverständnis dar. "Wir haben momentan in der Untersuchung einen Zwischenstand", ruderte der Chef der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission in der "FAZ" zurück und öffnete Garcia die Tür für weitere Nachforschungen. Ein krasser Gegensatz zu seinem eigenen Bericht über angeblich fehlende Anhaltspunkte für korrupte Machenschaften: "Die Beurteilung des Bewerbungsverfahrens für die WM-Turniere 2018/2022 ist hiermit abgeschlossen", hatte seine Kernaussage in dem Dokument noch gelautet.

Das FBI fühlte sich dadurch offenbar erst recht herausgefordert: Laut des US-Nachrichtensenders CNN planen die Agenten als Reaktion auf Eckerts Bericht eine neue Offensive gegen die FIFA und eine offizielle Sicherstellung von Garcias bislang unter Verschluss gehaltener "Anklageschrift".

"Massiver Vertrauensverlust"

Auch die Politik macht der FIFA wegen des Garcia-Reports mächtig Druck. "Es ist an der Zeit, dass die FIFA alle Karten auf den Tisch legt und alle Zweifel ausräumt", sagte EU-Sportkommissar Tibor Navracsics aus Ungarn der "Financial Times".

Das Londoner Finanzblatt zitierte außerdem einen hohen EU-Offiziellen, der einen "massiven Vertrauensverlust" beklagte und besonders mit wettbewerbsrechtlichen Konsequenzen für die FIFA in der Bewertung ihrer Vermarktungsaktivitäten drohte: Angesichts der Entwicklungen würde hinsichtlich von FIFA-Belangen, zu denen auch milliardenschwere TV-Rechte gehören, "jede Regierung und Regulierungsbehörde natürlich neu überlegen, wie bestehende Vorschriften angewendet werden können. Die Leute verlieren die Geduld".

Weitere Untersuchungen gegen Beckenbauer

Ein Hinweis für offenbar tatsächlich weiter laufende Ermittlungen von Garcias Männern sind Informationen der "Welt am Sonntag" auf konkrete Ermittlungen gegen Beckenbauer. Demnach sollen die Untersuchungen gegen den Kaiser wegen einer Katar-Reise im Jahr 2009 ausgeweitet worden sein. Beckenbauer, der in diesem Sommer als ehemaliges Exekutivkomitee-Mitglied wegen mangelnder Zusammenarbeit mit Garcia vorläufig gesperrt worden war, äußerte sich gegenüber der "WamS" nicht. Die FIFA gab auch keine Stellungnahme ab.

14 Monate vor Katars Wahl zum WM-Gastgeber 2022 hatte Beckenbauer mit dem Sportberater Fedor Radmann das Emirat besucht. Der damals für Katars Rivale Australien arbeitende Radmann, mit dem Beckenbauer Deutschlands erfolgreiche WM-Bewerbung für 2006 organisiert hatte, sollte die Araber bei der Visite zum Verzicht zugunsten seiner Auftraggeber bewegen. Beckenbauers Anwesenheit soll im Zusammenhang mit einer Absprache gestanden haben, wonach Australien dem DFB für die Frauen-WM 2011 den Vortritt lässt und im Gegenzug Unterstützung bei seiner Kandidatur für das Männer-Turnier 2022 erhält.

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