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Die Bayerische Fußballwelt gerät ins Wanken

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Tradition allein reicht nicht  

Die bayerische Fußballwelt gerät ins Wanken

29.01.2015, 06:40 Uhr | t-online.de

Die Bayerische Fußballwelt gerät ins Wanken. Der FC Augsburg befindet sich seit Jahren im Aufwind. (Quelle: imago/Eibner)

Der FC Augsburg befindet sich seit Jahren im Aufwind. (Quelle: Eibner/imago)

Aus München berichtet Marc L. Merten

In kaum einem Bundesland in Deutschland ist Tradition so wichtig wie in Bayern. Kaum ein Wort hat hier so viel Tiefgang. "Das war schon immer so" ist hier nicht einfach nur eine leere Phrase. "Früher" hat hier noch echten Bezug. Seine Geschichte hat für den echten Bayern noch eine ehrerbietende Relevanz. Und wenn diese Geschichte ins Wanken gerät, dann runzelt er nicht einfach nur mit der Stirn. Dann wird hitzig diskutiert. So, wie gerade über die natürlichen Kräfteverhältnisse der Fußballklubs in Bayern.

Wir schreiben den 1. Juli 2004: Der FC Bayern ist in der abgelaufenen Saison 2003/04 hinter Werder Bremen nur Vize-Meister geworden, der TSV 1860 München nach zehn Jahren Bundesliga wieder in das Unterhaus ab-, der 1. FC Nürnberg dafür mal wieder aufgestiegen. Die SpVgg Greuther Fürth und Wacker Burghausen halten sich tapfer im Mittelfeld der Zweiten Liga, während die SpVgg Unterhaching sich gerade so vor dem Abstieg gerettet hat – etwas, das dem SSV Jahn Regensburg nicht gelungen ist. Und der FC Augsburg hat mal wieder knapp den Aufstieg aus der Regionalliga Süd verpasst. Derweil vollzieht sich an jenem 1. Juli auf halber Strecke zwischen Nürnberg und München ein Ereignis, das noch große Relevanz für den Fußball in Bayern haben soll: die Gründung des FC Ingolstadt 04.

Ein bisschen mehr als zehn Jahre später hat sich die Fußball-Landschaft Bayern transformiert. Die Bayern stehen konkurrenzlos an der Spitze der Bundesliga. Der TSV 1860 kämpft auch in der elften Saison nach dem Abstieg noch gegen überzogene Erwartungen an. Der Club hat zwei weitere Ab- und einen Aufstieg hinter sich. Fürth hat die Bundesliga als eine Nummer zu groß vorerst abgehakt. Wacker Burghausen dümpelt in der Regionalliga rum, Haching und der Jahn in der 3. Liga. Der FC Augsburg und eben jene Schanzer aus Ingolstadt sorgen dagegen für Furore.

Beschaulich, einfallsreich und so gar nicht populistisch

In der Fuggerstadt reiben sich die Fans noch immer die Augen. Platz sechs nach der Hinrunde, nur ein Punkt Rückstand auf Champions-League-Platz drei. Was ist bloß aus dem FC Augsburg geworden, der vor zwei Jahren noch mit gerade einmal neun Punkten aus 17 Spielen gemeinsam mit Fürth auf dem letzten Tabellenplatz lag und als sicherer Absteiger galt? Heimlich, still und leise hat sich der FCA dank seiner beiden sportlichen Leiter in der Bundesliga etabliert und greift nun sogar nach den Sternen europäischen Ruhmes.

Als Macher des Erfolgs gilt zuallererst Stefan Reuter. Vier Jahre lang war der Weltmeister von 1990 ohne Job gewesen, nachdem ihn der TSV 1860 vom Hof gejagt hatte. Vier Jahre, in denen Reuter sein Netzwerk pflegte, sich weiterbildete und schließlich die Chance in Augsburg bekam. Die Lehrjahre bei den Löwen im hektischen München haben Spuren der Erkenntnis hinterlassen. Was braucht es, um einen Fußballklub erfolgreich zu machen? Vor allem Verlässlichkeit und Kontinuität.

Kluge Transferpolitik füllt die Kassen

Noch immer fragen sich die Experten, wie Trainer Markus Weinzierl das katastrophale erste Halbjahr seiner Amtszeit hatte überleben können. Dass Reuter zu ihm hielt, war ein vollkommen marktunüblicher Schachzug. Doch der Manager hatte Vertrauen in den Coach, der zuvor in Regensburg vier Jahre lang überaus erfolgreiche Arbeit geleistet hatte.

Mit Weinzierl baute er ein Team aus Spielern auf, die es bei anderen Klubs nicht geschafft hatten (wie Baier, Callsen-Bracker oder Altintop) oder holte Talente, um sie nach einer Leistungsexplosion wieder für gutes Geld zu verkaufen (wie Hahn, Vogt oder Ostrzolek). Einziges Problem: Augsburgs aktuelles Team kommt in die Jahre. Das Durchschnittsalter der Stammelf liegt bei knapp 29 Jahren. Außer Abdul Rahman Baba (20) und jetzt Pierre-Emile Höjbjerg (19) gibt es kaum ganz junge Spieler, die den alten Hasen ihre Plätze streitig machen. Doch noch zahlt sich die Erfahrung aus.

Audi macht Ingolstadt zum Nachwuchsleistungszentrum

Anders sieht das beim zweiten Emporkömmling des bayrischen Fußballs aus. Überraschend kommt der Erfolg des FC Ingolstadt allerdings nicht. Schließlich steht hinter dem noch jungen Klub der Hauptsponsor, Trikotpartner und Stadionnamensgeber Audi, der knapp 20 Prozent an der Fußball GmbH hält. Kommt auf die Bundesliga also ein weiterer Verein mit enger Anbindung an einen Konzern zu?

Natürlich, weil Audi pro Saison dem Vernehmen nach knapp 8,5 Millionen Euro zuschießt. Allerdings fließt ein Großteil des Geldes in die Infrastruktur und nicht direkt in den Kader. Zumindest noch. Der größte Arbeitgeber der Region hatte bei seinem Einstieg 2006 deutlich gemacht, dass es ihm um ein nachhaltiges Investment in die 130.000-Einwohner-Stadt ginge. Es folgte der Auf- und Ausbau eines professionellen Gebäudekomplexes am Stadion inklusive Nachwuchsleistungszentrum und weiträumigem Trainingsareal. Zudem entstand die Audi Schanzer Fußballschule, die mittlerweile zweitgrößte Fußballschule Deutschlands.

"Tradition alleine legitimiert nicht über andere zu richten"

Audis Geld alleine garantierte aber keinen Erfolg. Der kam erst mit den richtigen Personen. Namentlich mit Ralph Hasenhüttl als Trainer und einem gewissen Michael Henke als dessen Co – vielen noch bekannt als die jahrelange rechte Hand von Ottmar Hitzfeld. Hasenhüttl und Henke übernahmen den FCI im Oktober 2013. Damals belegte der Verein Platz 18, weit entfernt von den Ansprüchen eines "Konzernvereins". Nur 14 Monate später grüßt Ingolstadt mit sieben Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze der 2. Liga.

Hasenhüttl schafft mit dem FCI offenbar das, was er bereits bei seiner vorherigen Tätigkeit beim VfR Aalen geschafft hatte. Dort formte er aus einem Abstiegskandidaten der 3. Liga einen Zweitliga-Aufsteiger. Mit dem Vorwurf, Audi helfe beim Erfolg, hat er kein Problem. "Wir haben noch nicht so viel Tradition, aber es ist möglich, sich Tradition zu erarbeiten. Wir haben eine Vision und einen klaren Plan", erklärte der Österreicher kürzlich in einem Interview bei "bundesliga.de". Und gab gerade den bayrischen Konkurrenten noch einen mit. "Ich glaube nicht, dass Tradition allein legitimiert, über andere zu richten. Ich bin manchmal ganz froh, dass wir keine große Tradition haben. Schließlich kann keiner kommen und mir erzählen wie super es früher gewesen sei."

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