Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Fussball >

Randale beim Afrika-Cup: "Alles Positive in 20 Minuten kaputtgemacht"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Randale beim Afrika-Cup  

"Alles Positive in 20 Minuten kaputtgemacht"

06.02.2015, 13:56 Uhr | Björn Wannhoff, t-online.de

Randale beim Afrika-Cup: "Alles Positive in 20 Minuten kaputtgemacht". Hässliche Szenen beim Halbfinale zwischen Äquatorialguinea und Ghana. (Quelle: dpa)

Hässliche Szenen beim Halbfinale zwischen Äquatorialguinea und Ghana. (Quelle: dpa)

Fans und Spieler in Todesangst, die Werbebanden blutverschmiert, das Feld ein "Kriegsgebiet": Nach dem Skandal-Halbfinale um den Afrika-Cup zwischen Ghana und dem überforderten Gastgeber Äquatorialguinea steht der afrikanische Fußball im Kreuzfeuer der Kritik. Mindestens 36 Personen wurden verletzt. 14 von ihnen seien in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der Kontinentalverband CAF mit. Außerdem muss der Verband Äquatorialguineas wegen wiederholt "aggressiven Verhaltens" eine Geldstrafe von 100.000 US-Dollar (knapp 87.800 Euro) bezahlen.

Weltenbummler und Fußballexperte Lutz Pfannenstiel war für den Sender Eurosport im Stadion. Im Gespräch mit t-online.de spricht der 41-Jährige über die Randale und den Eindruck, den das Turnier hinterlässt.

t-online.de: Sie waren gestern in Malabo vor Ort. Können Sie beschreiben, was dort vorgefallen ist?

Pfannenstiel: Die Zuschauer waren unzufrieden nach dem Elfmeter und ein, zwei anderen Entscheidungen der Schiedsrichter. Als dann Ghana das 2:0 kurz vor der Halbzeitpause erzielte, machte sich bei den Fans von Äquatorialguinea noch mehr Frust breit.

Dann fingen die Anhänger an, alles Mögliche auf die ghanaischen Spieler zu werfen, als sie auf dem Weg in Richtung Kabinengang waren. Während der Halbzeitpause fingen sie auch noch an, die ghanaischen Zuschauer zu bewerfen. Mit Steinen, Flaschen, einfach allem, was sie in die Hände bekamen. Die Ghanaer wurden panisch und sind durch eine Tür in den Innenraum des Stadions gelangt.

Halbfinale endet im Chaos 
Fan-Randale beim Afrika-Cup: "Es war barbarisch"

Der ghanaische Fußballverband verurteilt die Übergriffe auf die Fans. Video

Die Referees haben trotzdem die zweite Halbzeit angepfiffen. Kurz vor Schluss ist die Situation aber erneut eskaliert.

Einige Fans von Äquatorialguinea sind komplett ausgeflippt, alle möglichen Gegenstände flogen auf den Platz. Die Schiedsrichter haben nachvollziehbar reagiert und die Partie drei Minuten vor Schluss unterbrochen. Die Polizei ist aufmarschiert und die Militärhubschrauber flogen über das Stadion. Es war unglaublich, die Helikopter flogen extrem tief und waren nur wenige Meter von den Problemfans weg. Dann kam noch das Tränengas dazu und das Stadion hat sich relativ schnell geleert.

Auch außerhalb des Stadions kam es zu Übergriffen

Man hat versucht, die Ghanaer über den Spielertunnel und die Katakomben nach draußen zu bringen. Das Problem war, dass dort noch viele Fans von Äquatorialguinea waren, die keine Karten hatten. Bei denen war die Stimmung ebenfalls extrem aufgeheizt, und es kam wieder zu Zusammenstößen mit den Fans von Ghana. Die Polizei musste auch dort massiv eingreifen, dabei wurden sicherlich einige Anhänger auf beiden Seiten erwischt.

Der Schiedsrichter hat die Partie trotzdem wieder angepfiffen

Diese Entscheidung kann ich nicht nachvollziehen. Für mich war es sehr enttäuschend, dass er diese drei Minuten angepfiffen hat, während 50 Meter weiter die Polizei Fußball-Fans mit Tränengas bearbeitet. Es waren brutale Szenen, und nebenan spielt man Fußball. Das war komplett nutzlos.

Halbfinale wird zum Skandalspiel 
Kriegsähnliche Zustände im Halbfinale des Afrika-Cups

30 Minuten Spielunterbrechung zwischen Ghana und Äquatorialguinea. Video

Mussten Sie auch um ihre eigene Sicherheit fürchten?

Für die Leute auf der Pressetribüne war es sicher. Nur das Tränengas, das durch das Stadion zog, hat einige Kollegen erwischt. Einige Kollegen haben etwas abbekommen. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen hat es außerdem noch einige Stunden gedauert, bis Offizielle und Presse aus dem Stadion kamen.

Haben die Sicherheitskräfte falsch reagiert?

Sie haben sicher nicht überreagiert, aber zu spät eingegriffen. Schon in der Halbzeit hätte die Polizei in die Kurve reingehen müssen, um diese Randale im Keim zu ersticken. Da war man zu Beginn zu vorsichtig. Aber Schuld an den Randalen war nicht das Militär oder die Polizei, sondern die Fans, die völlig überreagiert haben.

Haben sich die Vorkommnisse angedeutet bei den vorherigen Partien?

Überhaupt nicht. Mich hat das völlig überrascht. Bislang war die Atmosphäre überaus friedlich. Manch einer empfand die Fans von Äquatorialguinea als furchteinflößend, aber dass die Situation so außer Kontrolle geraten kann, hätte ich nie gedacht. 

Leidet jetzt das Turnier unter dem Eindruck der gestrigen Ereignisse?

Nicht nur das Turnier, sondern der gesamte afrikanische Fußball leidet! Diese beiden Schandflecke bleiben bei den Menschen hängen: Der Schiedsrichter-Skandal im Viertelfinale, als Äquatorialguinea gegen Tunesien ein entscheidender Elfmeter geschenkt wurde, und die Randale im Halbfinale. Das hat dem afrikanischen Fußball sehr wehgetan.

War Äquatorialguinea ein schlechter Gastgeber?

Auch wenn dies jetzt vielleicht der Eindruck sein mag, das stimmt überhaupt nicht. Äquatorialguinea hat sich sehr bemüht und in sehr kurzer Zeit ein Turnier mit guter Organisation auf die Beine gestellt. Die Menschen waren allen gegenüber sehr offen und gastfreundlich. Da kann ich nichts schlechtes sagen, aber natürlich: Die beiden Skandale bleiben haften. Alles, was man in zwei, drei Wochen an positiven Eindrücken gewonnen hatte, wurde gestern in 20 Minuten kaputtgemacht.

Können Sie sich jetzt überhaupt auf das Finale freuen?

Ich hatte mich auf ein super Spiel gefreut, aber leider hat mir der Abend gestern die Lust ein wenig genommen. Ghana gegen Elfenbeinküste, das ist eigentlich schon ein Traumfinale. Das sind zwei der absoluten Topmannschaften. Wenn das Spiel dann läuft, kann ich es hoffentlich wieder genießen.

Das Gespräch führte Björn Wannhoff

Lutz Pfannenstiel ist Fußball-Weltreisender - und Weltrekordhalter. Der Torwart hat als erster Profi bei allen sechs Kontinentalverbänden in einer Liga gespielt. Das Buch über seine Abenteuer, "Unhaltbar - Meine Abenteuer als Welttorhüter", ist ein Klassiker der Fußball-Literatur. Mit dem Projekt "Global United FC" will er mit spektakulären Fußballspielen an besonderen Orten auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Für den Sender Eurosport begleitet er den Afrika-Cup.Lutz Pfannenstiel ist Fußball-Weltreisender - und Weltrekordhalter. Der Torwart hat als erster Profi bei allen sechs Kontinentalverbänden in einer Liga gespielt. Das Buch über seine Abenteuer, "Unhaltbar - Meine Abenteuer als Welttorhüter", ist ein Klassiker der Fußball-Literatur. Mit dem Projekt "Global United FC" will er mit spektakulären Fußballspielen an besonderen Orten auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Für den Sender Eurosport begleitet er den Afrika-Cup.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Vertrauensbruch 
Pflegerin ahnt nichts von der versteckten Kamera

Nach einem Anfangsverdacht installieren Verwandte das Gerät, die Aufnahmen sind erschreckend. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Multimedia-Sale: Technik- artikel stark reduziert

Jetzt zuschlagen: Fernseher, Notebooks, Beamer, Navis u. v. m. zu Toppreisen. bei OTTO

Shopping
Voll im Trend und garantiert keine kalten Füße mehr

Kuschelige weich und warm gefüttert, Boots für gemütliche Tage zuhause. bei BAUR

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal